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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-05-31 · Heft 23 (31.5.1858) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 23 (31.5.1858)
Date
1858-05-31
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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313 18 Christen, 1855 von 1 Juden und 35 Christen, 1856 von keinem Juden und 13 Christen. Alle geschlechtlichen Vergehungen, namentlich Ehebruch, Blutschande und Nothzucht, sind von den Juden gar nicht begangen worden, eben so Vergehungen gegen Eltern, ein Umstand, der in der Wage der Moralität sicher schwer wiegt. Allerdings stark vertreten sind die Juden beim Diebstahl, doch auch hier nicht allzu unverhältnißmäßig, denn 1854 wurden 223 Juden und 1242 Christen, 1855 222 Juden und 1230 Christen, 1856 306 Juden und 1809 Christen des Diebstahls bestraft. Der vorsätzlichen Brandstiftung wurden 1854 kein Jude, aber 45 Christen, 1855 1 Jude und 15 Christen, 1856 1 Jude und 14 Christen verurtheilt. Es genügen diese Nachweise, um das allgemeine Urtheil über die Entsittlichung der polnischen Juden zu widerlegen und zu zeigen, daß sie in der That der Moralität der christlichen Bevölkerung durchaus nicht nachstehen. — Aber noch einen Punkt müssen wir hier berühren, der zu einer richtigen Beurtheilung nothwendig ist, nämlich die Beschäftigung und Gewerbsthätigkeit der polnischen Juden. Auch hierüber sind die unrichtigsten Vorstellungen verbreitet, welche im westlichen Europa durch eine Anzahl entlaufener polnischer Bettler genährt werden. Erwägen wir, daß die jüdischen Handwerker von den Zünften und ihren Vorrechten ausgeschlossen sind, weder christliche Gesellen halten, noch als Gesellen bei christlichen Meistern arbeiten dürfen; daß dem jüdischen Landbauer nur unfruchtbare Felder zugewiesen werden und sie zu deren Bearbeitung keine Christen benutzen dürfen, und daß außerdem so viele Lasten und Beschränkungen auf ihnen ruhen, so wird man von den Resultaten der officiellen statistischen Listen überrascht werden. In diesen Tabellen bedeuten die Zahlen die Seelenzahl Derer, die von dem angegebenen Gewerbe leben. Die Gesammtzahl der jüdischen Handwerker ist 119,178, also mehr als ein Fünftel der ganzen jüdischen Bevölkerung; darunter sind sämmtliche Handwerke vertreten, z. B. 407 Steinsetzer, 1252 Klempner, 481 Zimmerer, 4626 Gerber, 270 Töpfer, 258 Nagelschmiede, 1117 Buchbinder, 156 Schornsteinfeger, 1986 Schmiede, 1936 Müller, 1973 Maurer, 11,214 Bäcker, 2145 Leinweber, 222 Schiffer, 103 Kohlenbrenner u. s. w. Das gesammte Medicinalpersonal mit ihren Familien ist durch die Zahl 2519 vertreten. Die Gesammtzahl der jüdischen Ackersleute ist 28,391, wozu kömmt, daß 103,342 in kleinen Städten als Haus - und Hofbesitzer zugleich vom kleinen Feldbau sich nähren. Handeltreibende sind zusammen mit ihren Familien 100,219 Köpfe, also nicht einmal der fünfte Theil. Als Milchpächter, die zugleich Viehzucht treiben, bestehen 9241 Köpfe, als Bediente und Mägde fungiren 10,935, Tagelöhner 37,106, Geistliche und Lehrer 10,099, Bettler 3004. Die Zahl der Köpfe, welche auf die keinen festen Erwerb Nachweisen könnenden Familienväter kommen, ist 51,418, was bei der großen Nahrungslosigkeit und den vielen den Juden verschlossenen Karrieren nicht zu verwundern. Von diesen Angaben ist die jüdische Bevölkerung von Warschau ausgenommen, bei welcher sich aber ganz dieselben Verhältnisse kundthun. Aus diesen Daten geht hinlänglich hervor, daß die Juden Polens zu allen Gewerbszweigen befähigt und geneigt sind, und innerhalb der ihnen gezogenen Grenzen allen möglichen Gewerbsthätigkeiten obliegen. Wo eine Bevölkerung über */5 dem Handwerk und der Fabrik, fast 7* ganz oder allerdings nur theilweise dem Landbau und nur über 7s dem Handel angehört, kann sie in industrieller Beziehung sich jeder anderen Bevölkerung an die Seite stellen. Ein Staatsmann darf und wird weder der Tendenz zu loben noch zu tadeln folgen; er muß und wird in unparteiischer Erwägung nur die Thatsachen mit ihren Ursachen, Bedingungen und Wirkungen ins Auge fassen. Am wenigsten wird er aber selbst, wenn sich sein Urtheil zu Ungunsten lenkt, einem Hasse nachgeben, durch welchen die Wunden und Schäden statt geheilt, nur vergrößert und vergiftet werden, zum größten Nachtheil des Staates selbst. Anders verfährt man in Polen. Indem man sich auf die falschen Folgerungen trügerisch angestellter statistischer Tabellen stützt, weist man jede Verbesserung in der Lage der Juden unter dem Vorwände ab, daß sie erst eine größere Bildung erlangt haben müßten, bevor man sie zu größeren bürgerlichen Rechten zulassen könne. Es ist, als ob man zu einem Gefesselten spräche, erst müsse er frei ausgehen, dann wolle man ihm die Freiheit gewähren. In kleinen Städten, in eine Anzahl Straßen zu Tausenden zusammengepfercht, in dem Erwerb von Grundstücken, in der Erlernung und Ausübung jedes Gewerbes auf's Mannichsaltigste beschränkt und behindert, von den verschiedenartigsten Lasten überbürdet, jeder freien Bewegung beraubt, vom Gesetz und von den Behörden in entehrender Weise behandelt, um jede vorausgesetzte Verletzung der zahllosen polizeilichen Beschränkungen in Untersuchungen und Korrespondenzen verwickelt und außerhalb ' Warschaus, ohne alles Schulwesen gelassen, verlangt man, daß der polnische Jude von Unwissenheit und Fanatismus sich frei mache und seinen Glaubensbrüdern im

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