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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-05-24 · Heft 22 (24.5.1858) · p. Seite 301

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 22 (24.5.1858)
Date
1858-05-24
Page
Seite 301 (sequence 7)
Language
German
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801 welche ihre Lehrer gut besolden, nur ihr eigenes Interesse befördern; leider aber giebt es auch im hiesigen Rabbinate mehrere Gemeinden, die selbst eines Religionslehrers für ihre Kinder entbehren zu können glauben. — In B., einer hiesigen Landgemeinde, hat der Vorstand beschlossen, in ErmaDelung der erforderlichen Fertigkeit zur Anfertigung von Leichenladen, gefertigte Särge vom Schreiner jedesmal zu kaufen. — In Schwarzburg - Sondershausen soll demnächst das Institut der Schiedsmänner eingeführt, und ist bei ihrer Verpflichtung die christliche Eidesformel vorgeschrieben worden, von welchem Amte selbstverständlich Bekenner jüdischen Glaubens ausgeschlossen sind. Preußen. Aus Schlesien, 19. April. (Privatmitth.) Zur Gründung der „Arbeitsschule für arme Kinder" in der Stadt Liegnitz sind von dem Stadlrath und Banquier Rawitscher 1000 Thlr., von dem Kaufmann Loewe 100 Thlr. und von der Frau Kaufm. Caro 50 Thlr. geschenkt worden. — Durch die Berufung des Lehrerö Di-. Ludwig Oelsner nach Frankfurt am Main wird mit dem 1. Mai c. an der israelitischen Gemcindeschule zu Gleiwitz eine Stelle erledigt, welche wiederum nur mit einem akademisch gebildeten Lehrer besetzt werden soll. — Von dem am 4. Mai' in seinem 36. Lebensjahre verstorbenen und Tages darauf — unter einer ungewöhnlich großen Betheiligung Seitens dcS Publikums — zur Erde bestatteten jüdischen Arzte Di'. Schlesinger in Ratibor sagt der Correspondent der Br. Z., der über diesen Fall berichtet, unter Anderm wie folgt: „Die leidende Menschheit verlor in ihm einen einsichtsvollen, uneigennützigen, aufopferungsvollen Arzt und Berather, wie die Armuth einen Freund, dem es zur Freude gereichte, Andern wohlzuthun." — Diese Worte könnten aber mit vollem Rechte auch auf einen andern, einige Tage vorher ins bessere Leben hinübergegangenen jungen jüdischen Arzt in Obcrschlesien angewendet werden. Der am 28. v. M. zu Rybnik (in seinem 29. Lebensjahre) verstorbene Dr. mell. Alexander Leuchter hatte sich durch die seltene Treue und Hingebung, mit welcher er daselbst etwa 3 Jahre lang seinem Berufe gelebt, die Liebe und das Vertrauen seiner Mitbürger in so hohem Maße erworben, daß schon seine Krankheit, wieviel mehr erst sein Tod überall die herzlichste Theilnahme hervorrief. In dem langen Trauerzuge, der seiner Leiche folgte, wurden auch die Spitzen der königlichen und städtischen Behörden des OrteS bemerkt, und bei den Worten, welche der Prediger Dr. Fränkel am Grabe sprach, blieb fast kein Auge thänenleer. Der Dahingcschiedene, der sich in früher» Jahren stark mit der Literatur unseres Stammes beschäftigt hatte, war bis an sein Ende ein warmer Freund und Verehrer derselben geblieben. Möge ihm die Erde leicht werden! — Wenn man Obiges liest, so möchte man vielleicht daraus, daß christliche Beamte — und sogar hochgestellte Beamte — an den Leichenbegängnissen jüdischer Aerzte sich so warm betheiligen, den Schluß ziehen wollen, es sei. hier zu Lande der bekannte „alte Zopf" schon gänzlich vertilgt, es habe das mittelalterliche Gespenst des „Judenhasses" zu spuken schon völlig aufgehört. Diese Voraussetzung würde aber, leider! eine sehr irrige sein. Denn wenn auch der Jude nicht geradezu verfolgt wird, wenn auch die Zeiten geschwunden, wo er ungehindert weder seine Religion, noch sein Gewerbe üben konnte, so wird Keiner, der auch »ur einigermaßen mit unfern localen und socialen Verhältnissen bekannt ist, cs in Abrede stellen, daß man hier — und namentlich in demjenigen Theile unserer Provinz, der seiner geographischen Lage wegen „Ober-Schlesien" genannt wird, — die Söhne Israels noch auf alle mögliche Weise chikanirt und molestirt, kränkt und beleidigt, und ihnen, wo es nur irgend angeht, mehr oder minder deutlich zu erkennen giebt, wie man sie nicht als „Ebenbürtige", sondern vielmehr nur als Menschen von „geringerem Werthe," — nicht als „Einheimische mit gleichen Rechten und Ansprüchen", sondern vielmehr nur als „geduldete Gäste" betrachtet wissen wolle. — Es ist Ihnen einmal — und dies ist noch nicht allzu lange her — aus der Provinz Posen mitgetheilt worden, Daß dort gewisse katholische Geistliche durch gewisse Drohungen u. s. w. bei gewissen Pfarrkindern dahin zu wirken suchten, daß sie sich bei „jüdischen Herrschaften" nicht mehr als „Dienstboten" vermiethcten. Sie und Ihre Leser waren damals, — und mit Recht, — höchst indignirt. Was werden Sie aber dazu sagen, wenn wir Ihnen heute — obschon ganz ungern — aus Obcrschlesien berichten, daß es daselbst der katholischen Geistlichen so manche giebt, welche, wenn sie zu einem Kranken gerufen werden, vor allem Andern fragen, ob der behandelnde Arzt

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