Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1858)
- Date
- 1858-05-24
- Page
- Seite 300 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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300 so haben sehr gute Erklärer jene Stelle 16, 2. nicht als ein wirkliches Verbot angesehen, sondern nur als eine nachdrückliche Figur, um den nahen Untergang Juda's dem Volke zum Bewußtsein zu bringen. Daß wir aber hierin nicht allein stehen, geht daraus hervor, daß eine alte Sage schon längst dem Jeremias eine Tochter zuschreibt, von welcher auf wundersame Weise abstammen soll; s. die des Mahril ^N2p. Unsre Kühnheit, dem Jeremias eine Tochter zu geben, hat also ein altes Vorbild und dabei wird man sich wohl beruhigen. Uebrigens wollte man auch schon längst aus dem Targum zu Jirm. 37, 12. schließen, daß dieser dem Propheten Kinder zugeschrieben. Aus Westphalen, im Mai. Das Heiligthum und das Allerheiligste. Eine Predigt, gehalten in ver Synagoge zu Marburg am Kol-Nidre 5618 von Lehrer Oppenheim. Zum Besten der Chor-Chebroh in Druck gegeben. Münster. Coppenrath'sche Buchdruckerei. Die angezeigte Predigt, die die Geistesblitze des Drusches mit den Eigenthümlichkeiten der Predigt glücklich verbindet, dürfte als Leistung eines schlichten, anspruchslosen Elementarlehrers gewiß nicht als eine alltägliche Erscheinung angesehen werden können. Schon deshalb, besonders aber auch, weil sie den erfreulichen Beweis liefert, welche achtungswerthe, fähige Persönlichkeiten der Lehrerstand aufzuweisen hat, wie weit es rastloses Streben zu bringen vermag, verdient sie es durch diese Zeitung, die dem Verdienste so gern die ihm gebührende Krone reicht, in weitern Kreisen bekannt zu werden, damit dem wackern Verfasser die wohlverdiente Anerkennung, der süßeste Lohn der Arbeit, der dem Lehrer so selten ungeschmälert gelassen wird, nicht vorenthalten bleibe und damit er sich hierdurch aufgefordert fühle, rüstig auf dem betretenen Wege sortzuschreiten. Form, Inhalt und Sprache sind zweckentsprechend und als gelungen zu erachten. Darum mußte die Rede einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer Hervorbringen, zumal wenn man erwägt, daß zwischen dem Leben des Verfassers und seinen hier vorgetragenen Lehren die innigste Harmonie herrscht; aber auch der Leser, wenngleich nicht vom Zauber des lebendigen Vortrags gebannt, wird sie nicht unbefriedigt aus den Händen legen. M. W. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im Mai. (Privatmitth.) Durch Zuschrift des hiesigen Großherzogl. Kreisraths an den israelitischen Gemeiiidevorstand wird Letzterer in Kenntniß gesetzt, daß fortan sämmtliche israelitische Kinder den Religionsunterricht regelmäßig besuchen müssen, und werden die Versäumnisse nach gleicher Norm wie bei den christlichen Kindern bestraft. Der israelitische Neligionslehrer erhält demnach allmonatlich eine Liste, in welche er die Versäumnisse einzuzeichnen hat. — Seit einiger Zeit sollen nach allerhöchster Verordnung in denjenigen Orten, in welchen Großherzogl. hessisches Militair garnisonirt, die Musici einige Male in der Woche auf verschiedenen Punkten der Promenaden zum Amüsement des Publikums musiciren. Hierorts fanden bis jetzt diese ambulatorischen Concerte in der Regel am Sonntag und Mittwoch statt; der humane Oberst des hiesigen Regiments, Herr v. Gerl ach, hat jedoch in Berücksichtigung des israelitischen Theiles hiesiger Bevölkerung auch Samstag als den Tag bestimmt, an welchem jene Musikaufführungen statkfinden sollen. — Der Buchhändler und Antiquar, Herr Joseph Baer in Frankfurt a. M., erwarb am 3. Mai bei einer Versteigerung höchst werthvollcr rylographischcr und typographischer Seltenheiten in Augsburg die erste Bibel von Gutenberg und Fust für die kaiserliche Bibliothek in Petersburg um den Preis von 2336 Fl. — Man schreibt von Hamburg 27. April: „Dieser Tage wurde hier ein Mann begraben, welcher testamentarisch seinen vier Söhnen verboten hatte, seine Leiche zu Grabe zu geleiten, weil er, ein Israelit des orthodoren Glaubens, die letzte Ehre von seinen Söhnen sich glaubte versagen zu sollen, welche der Orthodoxie nicht angehören. Ein solcher Fanatismus ist unter Israeliten selten, bei denen sonst die Familienverhältnisse so innig zu sein pflegen." — Bei einer Revision, die jüngst De. Lewysohn in Alsheim, einer Landgemeinde des hiesigen Kreises, vornahm, fand derselbe namentlich die Rcligionsschule in so trefflichem Zustande, daß er sic in dem aufgenomnienen Protokolle als Muster für die Gemeinden des Kreises bezeichnete. An dieser Schule wirkt Marr, Lehrer und Vorbeter daselbst, und ist hierin nochmals der Beweis, daß die Gemeinden,