Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1858)
- Date
- 1858-05-17
- Page
- Seite 290 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226115--16907-3245787- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SSV Bevor jedoch die Vertreter sich ihres Auftrages entledigen konnten, erhielt Herr Jg. Deutsch, k. k. HofwechSler, ein Mandat, welches, wie ich höre, beiläufig Folgendes enthält: Die Vertreter deS israelitischen Bethauses in der Leopoldstadt, große Ankergaffe, in Verbindung mit den Vorständen der israelitischen ReligkonSlehranstalt in der AntonSgasse und des Privatvereins Machsike towa sind eingeschritten, daß der k. k. Hofwechsler I. D. ermächtigt werde, die Vereinigung der in ihren Cultusanstalten getrennten orthodoren Israeliten in Wien mittelst einer allen gemeinsamen Centralsynagoge zu vermitteln und das hohe Unterrichts- und Cultusminifierium hat sich bestimmt gefunden, diese Bitte zu gewähren. Der Zweck dieser Vereinigung soll darin bestehen, indem eine gemeinsame altgläubige Cultus gemeinde gegründet, eine Synagoge für dieselbe errichtet wird und die übrigen zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse erforderlichen Anstalten ins Leben gerufen werden. Wie weittragend dieses Mandat ist, habe ich wohl nicht nöthig näher zu bezeichnen. Trotz des kaiserlichen Erlasses, trotz der von Seite des Ministeriums des Innern und des Cultuö genehmigten Statuten, würde in solcher Weise eine Gemeinde in der Gemeinde entstehen und die Sectirerei gesetzlich anerkannt Norden. * Ich erlaube mir jedoch Folgendes zu bemerken: Weder die jetzt bestehende deutsch-orthodoxe) noch die polnisch-orthodoxe Partei haben es gewünscht, daß Herr Deutsch die Vermittelung, vulgo die Oberherrschaft übernehme; im Gegentheil, sie haben sich seit längerer Zeit von ihm losgesagt unv wollen auch jetzt nicht demselben sich anschließen. Wer sind nun die Vertreter des israelitischen Bethauses in der Ankergasse? Nun, kein Anderer, als Herr D. selbst, der die Concession zu diesem Bethause hat. Wer sind die Vorstände der israelitischen Religionslehranstalt in der Antonsgasse? Das ist eine Art Talmud-Thoraschule, gegen die ein Cheder als Musterschule gelten kann, die von Herrn D. ins Leben gerufen worden ist, welche durch milde Beiträge erhalten wird (wozu erhält man nicht alles in Wien Geld, insbesondere wenn man sich die Sache angelegen sein läßt), und die erst kürzlich von Seite der Behörden als Winkelschule ist gesperrt worden. Der Privatverein Naclrsikö towa bestehet aus Mitgliedern aus Preßburg k., die gar nicht zur hiesigen Gemeinde gehören. Diese schreiben der hiesigen Gemeinde Gesetze vor. Dieses sind die Beweggründe, die man vorzuspiegeln wußte, um ein derartiges Mandat zu erlangen und eine Spaltung hervorzurufen. Wer ist aber Herr Deutsch selbst, der sich als Hort der orthodoren Partei aufwirst? Derselbe war hier Fischbeinfabrikant und kaufte und verkaufte an Sabbathen, ließ sich am Sabbath die Pfeife beim Spiele im Kaffeehause schmecken. Derselbe hat aber noch jetzt das Comptoir an Sabbathen offen! Es fällt uns nicht ein, den Privatcharakter einer Kritik unterziehen zu wollen. Wir fragen jedoch: Ist der Mann dazu befähigt, das Haupt einer orthodoren Partei zu sein, und ist das der Weg, den eine ehrliche Partei geht? Ein Besucher der deutsch-polnischen Synagoge. Wien, 6. Mai. (Privatmitth.) Wie ich höre, findet die Schlußsteinlegung im neuen Tempel am 18. d. M., rvnnaia n-,s, statt, und zwar soll sie im Stillen geschehen. Die Einweihung dürfte erst vier Wochen später vor sich gehen, wozu bereits alle Vorbereitungen getroffen werden. Die hiesigen Journale brachten bereits ein vollständiges Programm, daS ganz unrichtig war. So hieß es darin, daß die erste Hochzeit am 29. d. M. stattfinden soll und doch ist dieser Tag ein Sabbath. Unter den prachtvollen Geschenken für den Tempel hebe ich hervor ein Porochet, gespendet von Herrn Apfel, gestickt von Herrn Golvstein in Pesth. Es ist ein wahres Kunstwerk der Stickerei. Die Kinderbewahranstalt wird am 16. d. M. eingeweiht. Der Gründer derselben, Herr Josef Wrrtheimer, war jüngst unwohl. Zur Freude seiner zahlreichen Verehrer ist derselbe wieder hergestellt. Man sieht mit Spannung der zweiten Lieferung des Instituts entgegen. Jost's Geschichte und Frankl's Reisebeschreibung, die so vielfach Interessantes bietet, werden nicht verfehlen, die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln. So eben kommt mir zu: „Richtandalusische Poesie andalusischer Dichter" von vr. Kämpf. Ich behalte mir vor, auf diese hervorragende Arbeit zurückzukommen. Eisensiadt, 4. Mai. (Privatmitth.) nwa ■orsr’i nivrn 2«r>r> Wie das Gras sprießen die Seminare