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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-05-17 · Heft 21 (17.5.1858) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 21 (17.5.1858)
Date
1858-05-17
Page
Seite 288 (sequence 8)
Language
German
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288 erreicht, und dann, weil dazu schon vorbereitet, das Erworbene unverlierbares Eigenthum für die Masse wird. Preußen. Crefeld, 30. April. (Privatmitth.) Ein tragischer Vorfall hatte die Beffcrgesinnten der hiesigen jüdischen Bewohner tief erschüttert. Der seit circa anderthalb Jahren an der hiesigen israelitischen Elementarschule fungirende Hülfslehrer Herr Wolf fand sich in seinem Berufe nicht sehr behaglich, zumal derselbe sein Eramen nicht gemacht, zu dessen glücklicher Durchführung er wohl Hoffnung, aber wenig Muth und noch weniger Ausdauer zeigte; er empfand tief die Beschränktheit seines Geistes, nahm sich dies sehr zu Herzen, wurde darüber höchst hypochondrisch, traurig und fast tiefsinnig. Sein College suchte vergebens durch angemessene Belehrungen bessere Gefühle in ihm zu wecken, er blieb still und in sich gekehrt, vermied den Umgang mit Menschen, besonders alle Zerstreuungen, weil er fürchtete, durch seine Theilnahmlosigkeit und Melancholie die Freude Anderer zu stören. Dieses sonderbare Benehmen aber erweckte hier und da mißliebige Aeußerungen und gab zu einem Argwohn Veranlassung, der sich leider nur zu traurig bestätigen sollte. Am Abende des 26. d., nachdem dieser kaum zwanzigjährige Jüngling eine Stunde weit zu einem Vergnügen zu gehen fast gezwungen wurde, und kaum dort angelangt, mit den Worten: „ich mag nicht Freudenstörer sein!" wieder umgekehrt war, fand man seinen gräßlich verstümmelten Körper eine Viertelstunde von hier an der Eisenbahn wieder, wohin ihn Verzweiflung direct getrieben haben mußte. Der um 9 Uhr Abends abgehende Zug sollte seinem jungen Leben ein Ende machen, aber nicht so schnell, wie er vielleicht geglaubt; die Locomotive zerschmetterte Arme und Beine, schrammte den Kopf unbedeutend und warf ihn so zerstückelt auf die Seite, wo er etwa eine Stunde später, im Blute liegend, aufgefunden und im jammervollsten Zustande noch lebend ins Krankenhaus gebracht wurde. Es läßt sich denken, daß selbst die schleunigste Hülfe unseres trefflichen jüdischen Arztes Herrn Di-. Frank hier nichts nützen konnte; der Unglückliche verschied nach drei Stunden unter den heftigsten Zuckungen und entsagte einer Welt, in der er keine Ruhe, keinen Frieden finden konnte. Möge der gnädige Gott ihm jenseits ein besseres Loos ersprießen lassen! Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf die herrschende Unordnung, wie diese auch hier beim Leichenbegängnisse stattgehabt, nachdrücklich aufmerksam zu machen. Im bunten Gemisch versammelte sich die schwatzende Menge hinter dem langsam dahinfahrenden Leichenwagen, aber welche Ordnung I — Welch ein skandalöses Durcheinander! — Dabei keine Polizei, ja selbst Keiner von dem wohllöblichen Vorstande im Zuge. Und welcher Chillul hascheim kam dadurch an den Tag! Haufen von Buben umschwärmten die Bahre und pflanzten auf dem Wege, den der Wagen passtren mußte, Kreuze auf; sogar mit Steinen soll nach der Leiche geworfen worden sein. Welches menschliche Herz empört sich nicht bei solchen Thatsachen; o, ich hätte in diesem Augenblicke den an der Spitze der Gemeinde Stehenden ins Ohr donnern können, was der Eindruck des Augenblicks jedem Gutgesinnten eingegeben hätte. Das bessere Gemüth schaudert zurück vor dergleichen widrigen Erlebnissen, darum will ich auch nicht weiter fortspinne», was ferner auf dem Begräbnißplatze geschah, vielmehr dringend wünschen, daß dem, wo dies auch sein mag, bald ein ernstes Ende werde, auf daß Israel daö Prädicat „auserwähltes Volk" im besseren und besten Sinne verdiene. Berlin, 7. Mai. Die seit hundert und achtunddreißig Jahren im Schoße der hiesigen jüdischen Gemeinde bestehende WohlthätigkeitSgesellschaft „Hachnassath-Kallah“ (zur Ausstattung der Bräute) wird, nachdem das neu revidirte Statut die Bestätigung der König!. Aufsichtsbehörden erhalten, ihr Stiftungsfest am Donnerstag den 13. d. M. im Mäder'schcn Local durch eine schöne Feierlichkeit begehen. Der um 12 Uhr Vormittags beginnenden Generalversammlung, worin über die seitherige Wirksamkeit der Gesellschaft Bericht erstattet wird, folgt die durch die Gesellschaft veranlaßt feierliche Trauung eines würdigen Brautpaares. Das von der Gesellschaft zu bestreitende Hochzeitsmahl wird mit dem Festmahl der Gesellschaft, wozu auch Nichtmitglieder eingeführt werden können, vereinigt werden, so daß die sämmtlichen Theilnehmer gleichsam die Hochzeitsgäfte des jungen Paares bilden und deshalb auch, wie wir hören, diesmal den Frauen die Theilnahme an der Festlichkeit nicht verschlossen bleibt. Welche lebendige Theilnahme übrigens die humanen Zwecke der Gesellschaft fort und fort finden, beweiset die Thatsache, daß sich, nach der Bestätigung der Sta-

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