Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1858)
- Date
- 1858-05-17
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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286 diese Armenschule und den Dr. Goldenblum den Christen als Muster auf und wünscht, daß auch fie solche Schulen errichten und nach einem solchen Pädagogen trachten sollen. — Bevor ich jedoch meinen Bericht schließe, muß ich Ihnen noch ein Beispiel der Toleranz unserer Regierung mittheilen. Im December vorigen Jahres bestätigte der Minister des Unterrichts und der Volksaufklärung unfern Herrn Direktor Dr. Goldenblum zum Religionslehrer für Schüler mosaischen Glaubens am hiesigen Gymnasium. Es ist dies der erste Fall in Rußland und verdient diese Nachricht in weitern Kreisen bekannt zu werden. Herr Dr. Goldenblum ertheilt den Religionsunterricht am Gymnasium öffentlich, wo bisher noch nie ein Jude unterrichtet hat. D. Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Wenn diesmal unser drittes Jahr mit dem Isten Mai zu Ende gegangen, ohne daß die zweite Sendung der diesjährigen Schriften in den Händen der resp. Abonnenten find: so liegt die Schuld daran, daß Herr Dr. Frankl das Ende seines Werkes nicht rechtzeitig zu liefern im Stande war, dennoch aber nur das ganze Werk ans Licht treten konnte. Die letzten Bogen sind jetzt unter der Presse, und so hoffen wir die Versendung noch in den letzten Tagen dieses Monats beginnen lassen zu können. Dafür erhalten die Abonnenten das ganze Werk in zwei Theilen von 63 Bogen gr. 8. mit Einem Male, und da der II. Theil von Jost 30 Bogen faßt, in diesem Jahre 140 Vogen. Dafür können wir wohl schon einige Nachsicht und Geduld in Anspruch nehmen. Llterarischer Wochenbericht. Amsterdam, 22. April. (Weekbl. v. Israel.) Herr M. Noest ist von der königlichen Akademie der Wissenschaften zu ihrem Unterbibliothekar ernannt worden. In diesen Tagen ist der 1. Theil des Katalogs dieser Bibliothek, von Herrn Roest gearbeitet, erschienen. Magdeburg, 3. Mai. Um einer etwaigen Concurrenz vorzubeugen, bemerken wir, daß Herr Simon Bachur in Szutsan beschäftigt ist, unsre Tragödie „Jojachin" (Saron Bd. UI.) ins Hebräische zu übersetzen. Derselbe hat uns den ersten Act in seiner Uebersetzung mitgetheilt, die nach unsrer Meinung höchst gelungen ist. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, imApril. (Pcivatmitth.) Am 19. März d. I. wurde zu Memphis (am Flusse deS Mississipi zwischen St. LouiS und New-Orleanö) die erste Synagoge eingeweiht. Sulzers herrliche Töne wurden mit Begleitung eines Melodion von einem Mannerchor vorgetragen. „Sulzers herrliche Töne am fernen Mississipi l Welch eine Fluth von Gefühlen und Gedanken liegt in dieser einfachen Thatsache!" ruft ein amerikanisches Blatt aus. — Nach demselben Blatte wird Di°. Grünebaum in London im Laufe des Sommers seine Stelle in der Emanucl-Gemeinde zu San-Francisco antreten. — Baron Sina hat der israelitischen Gemeinde zu Arad einen Bauplatz von 476 Quadrat Klaftern geschenkt, um sich dort ein Schulhaus zu bauen. — In Offenbach wurde am 25. April ein Israelit, Herr Wolf Dürkheim, in einem Alter von 101 Jahren zur Erde bestattet; ingleichen starb zu Altkirch (Elsaß) am 28. März Herr Lazarus in einem Alter von 100 Jahren und 6 Monaten. Hannover, im Mai. (Privatmitth.) In der „Gothaischen Zeitung" lesen wir aus Gotha vom 17. April: „Seit einigen Tagen verweilt der als geschmackvoller Dichter wie als pikanter Tourist schnell bekannt und beliebt gewordene Schriftsteller 0r. Julius Rodenberg hier und hat in den höchsten Kreisen unsrer Stadt, bei Hof, dem Fürsten von Hatzfeld u. s. w. die zuvorkommendste Aufnahme gefunden. Sein von der deutschen Kritik einstimmig mit der größten Anerkennung beurtheiltes neuestes Werk: „Ein Herbst in Wales" wird so eben inS Englische übersetzt; seiner „Geschichte des englischen Theaters", an welcher er setzt arbeitet ilnd zu deren Vollendung er noch in England selbst weitere Studien zu machen gedenkt, wird jene Uebersctzung bei unsren Nachbarn jenseits des Canals nur zur Empfehlimg dienen können." — Wir können dieser Mittheilung noch hi'nzufügen, daß sein zuletzt mit großem Beifall in Weimar aufgeführtes Stück: „Ehen werden im Himmel geschlossen", demnächst auch hier, so wie in Berlin, Leipzig und Hannover zur Darstellung kommen wird.