Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1858)
- Date
- 1858-05-17
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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285 könnten hochlöbliche Vorsteherämter leicht dadurch bewerkstelligen, wenn dieselben den sämmtlichen Synagogenältesten ihrer Provinzen aufgäben, mit Hinzuziehung der betreffenden israelitischen Lehrer in ihrer nächsten Umgebung über die betreffenden speciell zu bezeichnenden Punkte authentische Erkundigungen einzuziehen und das Ergebniß an das betreffende Vorsteheramt alsbald einzusenden. Wenn wir nach dem Stande der Sache in hiesigem Kreise auf die übrigen Kreise Kurhesfens schließen dürfen, so kann das Ergebniß nur ein für uns günstiges sein. Es wird sich dann auch eine bewährte Feder finden, welche das gewonnene Material zu einem Ganzen verbindet und beleuchtet, und glauben wir alsdann von der Gerechtigkeit des hohen Ministeriums eine Aenderung der Sache erhoffen zu dürfen. Die hochlöblichen Vorsteherämter, welche die Interessen der ihnen untergebenen Gemeinden nach innen und außen zu wahren den Beruf und, wie vielfach bewiesen, auch den Willen haben, würden dadurch ihren vielen Verdiensten um uns ein neues von den weitgreifendsten Folgen hinzufügen. Ich stelle daher das ergebene Ansuchen: „Hochlöbliches Vorsteheramt wolle in dieser hoch- „wichtigen Angelegenheit das Geeignete veranlassen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, muß ich noch bemerken, s>aß ich nicht im Mindesten und die hiesige israelitische Gemeinde fast gar nicht materiell von jener Verordnung berührt werden, indem die hiesige Stadt das Privilegium vollständiger Concesfionsfreiheit hat, bei diesem Schritte meinerseits daher nur die moralische Seite der Angelegenheit und das allgemeine Interesse maßgebend war. Es verharrt in tiefster Ergebenheit Kurfürstlichen Vorsteheramtes gehorsamster I. Bachrach, Kreisvorsteher. Man ist begierig zu erfahren, was die Vorsteherämter in der Sache thun werden. Man würde indessen irren, wenn man den Grund dieser Maßnahmen gegen die Juden in dem „gemeinschädlichen Wirken" derselben suchte. Der Grund liegt wo anders. Rußland. Odessa, 24. April. (Privatmitth.) Unter der glorreichen Regierung unseres erhabenen Monarchen fangen die Israeliten endlich an freier zu athmen; und in der That geht die Regierung jetzt ernst ans Werk, das Schicksal der Israeliten zu verbessern, so wie überhaupt das Zuventhum zu heben. Hier hören wir von Auszeichnungen, die sie verdienstvollen Israeliten zu Theil werden läßt, dort lesen wir von Erleichterungen bei Niederlassung der Israeliten; bald von Begünstigungen, die sie Juden und Christen gleich genießen läßt und bald von der Beseitigung gewisser Mißbräuche, die für die Juden drückend waren. Kurz wir sehen und erkennen es auch dankbar an, daß die jetzige Negierung nur das Wohl der Juden will und daß sie ihnen nach allen Seiten hin förderlich ist. Es ist ihr auch wohl bekannt, daß nur, wie schon in Ihren geschätzten Blättern oft die Rede war, die Bildung das erste und nothwendigste Mittel sei, ihre Lage zu verbessern, um theils durch ihre Sprache und theils durch ihr Benehmen den andern Nationen nicht nachzustehen; deshalb ist jetzt ihr Augenmerk auf die Schulen gerichtet. Leider aber giebt es hier zu Lande unter den Israeliten noch keine Pädagogen. Jeder, der hier die Bibel übersetzt, ist Lehrer aller Sprachen und Wissenschaften; er übernimmt in der Schule dasjenige Fach zu unterrichten, welches ihm gerade auferlegt wird. Im Gegensatz zu Diesem, erkennt die Regierung Schulen von guter Leistung öffentlich an und thut das Ihrige, um tüchtige Pädagogen zu erhalten. Hiervon ein Beispiel. Die hiesige Talmud-Thora war in einem verwahrlosten Zustande, wie man sich hiervon gar keinen Begriff machen kann, und gelernt wurde gar nichts. Da beschlossen einige aufgeklärte jüdische Bürger, diese Schule zu heben und entwarfen ein Programm, um dessen Bestätigung der Curator des hiesigen Lehrbezirkes, Se. Ercellenz Herr Geheimrath Pirogoff, der zu allen löblichen Unternehmungen Jeden mit offenen Armen empfängt, beim Ministerium der Volksaufklarung nachsuchte. Zum Director dieser neu umgestalteten Freischule wurde der preußische Unterthan, Herr Dr. Goldenblum aus Breslau, vom Ministerium bestätigt. Herr en. Goldenblum ist ein vielseitig gebildeter Mann und ein ausgezeichneter Pädagog und haben seine Leistungen nach Ablauf des ersten Schuljahres unfern Erwartungen nicht nur vollkommen entsprochen, sondern nockweit übertroffen. Die Odeffaer Gemeinde weiß ihm vielen Dank. Daß wir hier nicht übertreiben, beweist ein Artikel im hiesigen Stadtblatte (Odecki westnik No. 26.), in welchem der Herr Geheimrath Pirogoff selbst, nachdem derselbe diese Armenschule mit seiner Gegenwart einige Male beehrt hatte, einen ausführlichen Bericht über diese Anstalt veröffentlichte und alle Ehre und alles Lob unserm erwähnten Direktor llr. Goldenblum zu Theil werden läßt und ihm hiermit öffentlich volle Anerkennung zollt. Herr Geheimrath Pirogoff stellt in demselben Bericht