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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-05-17 · Heft 21 (17.5.1858) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 21 (17.5.1858)
Date
1858-05-17
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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288 ger, Sprudelnder, Reigentanz, und von Kunstgegenständen entlehnt: Weberkamm, Schminkbüchse, Fläschchen. Man erkennt aus dieser Ueberstcht, daß das israelitische Volk nur sehr wenig an jenen orientalischen Schwulst anstreifte, welcher sich insbesondere in dm Namen bei allen alten, mittelalterlichen und modernen Völkern des Morgenlandes übermäßig kund that. Vielmehr hat es auch in seinen Namen jene Mittellinie zu bewahren verstanden, welche zwischen der. ausschweifenden Ueppigkeit der Phantasie und der dürren Nüchternheit hindurchgeht. Nach diesem Ueberblick über die verschiedenen Gruppen, welche die in derBitel vorkommenden Namen bilden, kommen wir zur chronologischen Betrachtung unsres Gegenstandes. Hamburg, im Mai. Einige Demerkungcn über jüdische Namen. So wie es auch in' der Bibel fast keinen einzigen weiblichen Namen mit religiöser Beziehung giebt, haben auch die alten deutschen und anderen Juden die weiblichen Namen nur bei den Charitinnen gesucht. Daß die Namen Liebchen, Perlchen, Veilchen, Schönchen rc. sich blos bei den deutschen Juden finden, das ist kein Ruhm für die tausenden Priester. Ich habe neulich die Entdeckung gemacht, daß der weibliche Name Peier, Peirchen (geschrieben in Nachlath Schib'ah das italienische Fior, Blümchen, ist, nach jüdisch-italienischer Orthographie, gerade so wie der Name von dem die deutschen Juden erst vor wenigen Jahren bemerkten, daß er nichts Anderes sei als Senior, was aber, beiläufig gesagt, nicht Monsieur bedeuten sollte, sondern Erstgeborener. Ich Halle mehrere orientalisch jüdische Documente gesehen, auf denen mehrere Unterschriften mit der Hinzufügung ^122 standen. Wenn übrigens italienische und spanische Juden ihre Namen modernisirten, so übersetzten sie den Sinn, machten aus Josua Salvador, aus Juda Leon, aus Selomoh Pacifico, während die deutschen Juden (selbst wenn sie sich laufen ließen) blos die Anfangsbuchstaben zu retten bestrebt waren. Die Aufnahme des Namens Alerander unter die jüdischen Namen ist eine nicht zu verachtende Stütze für den sonst völlig isolirten Bericht des Flav. Josephus über Alexanders Besuch der Stadt Jerusalem. Dabei ist einerseits die jüdische die einzige orientalische Nation, die den Namen Alerander uncorrumpirt conservirt hat, und andererseits ist Alerander der einzige fremde Name, den die alten Juden citiren, ohne ihn zu corrumpiren. Auch dürfte der Umstand, daß dieser Borname sich meines Wissens nicht unter den jetzigen orientalischen und portugiesischen Judey vorfindet, eine Stütze für gewisse Behauptungen der Sefaradim sein. Indessen kann der Name auch durch den König Aler. Jannai eingeführt sein, um dessen fremde Abkunft zu verwischen. Die Ur-Makkabäer hatten biblische Vornamen; das hörte aber gleich auf und es kommen meist griechische ohne allen religiösen Anklang zum Vorschein, blos daß Jason eine Uebersetzung von Jesu sein soll. Allein in der religionseifrigsten Zeit, nämlich der langen Epoche der Tauaim, Amoraim und Geonim kommen fast ausschließlich fremde Namen vor. Woher Akiba, Hunna, Hillel, Soma, Sutra, Hanina, Sammaay, Jochaay rc. kommen, weiß wohl Niemand, aber eine jüdisch religiöse Beziehung haben fie gewiß nicht. Bei Jesus und den Aposteln finden sich dagegen nur hebräisch biblische und griechische Namen, da diese nur in Palästina lebten. Der Gebrauch, Kinder nach den Großeltern zu benennen, welchen die deutschen Juden dahin beschränkten, daß diese Großeltern erst verstorben sein mußten (damit Niemand in den Fall komme, von dem Vornamen seines anwesenden Vaters rc. einen respectwidrigen Gebrauch zu machen), ist wohl nur aus dem mnemonischen Bedürfniß bei mangelnden oder veränderlichen Stammnamen entstanden und das schwerlich vor dem 14. Jahrhundert, etwa um dieselbe Zeit, wie das Kaddischlesen für Verstorbene. Ein ganz sonderbares Capitel bilden die kanonischen ha-mechuneh’s für die alten jüdisch deutschen Namen und es ist meist unmöglich, irgend einen Zusammenhang herauszufinden. Zunz, dessen Werk über die jüdischen Namen natürlich die Autorität bleibt, hat sich, so weit ich mich erinnere, gar nicht auf diese Erklärungen eingelassen. Aber warum heißt z. B. Lipmann (Liebmann) in der Synagoge Elieser, Uri und Jomtob? Warum heißt Selig Jizchak und Abihaesri? warum Gottschalk Eljakim? warum Süfikind Alerander u. s. w.? Im Orient sind Namen wie Nißim (der an Purim Geborene) und gar der Name Masaltob gang und gebe. Letzterer wäre ein besonderer Stein des Anstoßes, wenn wir es nicht täglich erlebten, daß Leute, die sich einbilden, recht fromme Juden zu sein, uns nicht anders gratuliren, als indem fie uns eine „gute Constellation" Masol tob wünschen. Zu der Zeit, als alle Juden, den Rambam mit eingeschlossen*), an Astrologie glaub- *) Dies ist ein Jrrthum. Maimonides erklärt die Astrologie für verderblich und Unvernunft. Redact. 21*

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