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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-05-10 · Heft 20 (10.5.1858) · p. Seite 276

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 20 (10.5.1858)
Date
1858-05-10
Page
Seite 276 (sequence 10)
Language
German
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276 Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 22. April. (Privatmitth.) Der Vorstand deS israelitischen Taubftummeninstitutes hatte die Ehre, von Sr. Majestät in einer Audienz empfangen zu werden, um den Dank für die gewährte Unterstützung abzustatten. 10,000 Fl. wurden nämlich zum Bau des Hauses von Seite des ungarischen LandesmaffefondS geborgt und 5000 Fl. geschenkt. Wie jetzt bestimmt ist, wird die Grundsteinlegung des Tempels Dienstag aiu ■'S den 11. Mai stattfinden; jedoch dürfte die Einweihung in späterer Zeit geschehen, da sämmtliche Arbeiten bis dahin noch nicht vollendet sein werden. Das von der seligen Frau Fanny Jeiteles dotirte Armenhaus wird auch in diesem Jahre eröffnet werden. Das Jahr 1858 wird daher jedenfalls einen sehr bedeutenden Abschnitt in der Entwickelungsgeschichte der hiesigen Gemeinde bilden. Der Bericht des israelitischen Spitals ist erschienen. 502 Personen wurden ärztlich behandelt, 395 wurden geheilt, 82 im gebesserten Zustande und 17 ungeheilt entlassen, 35 starben und 33 blieben in weiterer Behandlung. Das Verhällniß der Behandelten zu den Verstorbenen ist daher wie 100 zu 6,2. — Die Kosten waren 12,297 Fl. */« ckr. Großbritannien. London, 12. April. In Jerusalem ist ein Streit zwischen dem englischen Bischof und englischen Consul ausgebrochen. Dies ist etwas, waS unS durchaus nicht interessirt. Bekanntlich ist das anglikanische Bisthum in Jerusalem nicht sowohl aus Bedürfniß für die Handvoll Protestanten dort, als vorzüglich zur Bekehrung der Juden gestiftet worden. Der Streit dreht sich nun wirklich um einen getauften Rosenthal. Die „Times" läßt sich des Ausführlichen darüber aus. Bei der Gelegenheit wird auch der Wahn, daß ein protestantischer Bischof zu Jerusalem ein längst gefühltes religiöses Bedürfniß sei, schonungslos verspottet. In England täusche man sich nicht mehr darüber, daß es eine Abgeschmacktheit gewesen sei, einen protestantischen Bischof über eine Stadt zu setzen von ungefähr 12,000 Einwohnern, meist Juden, denen sich ohne beleidigende Absicht nachsagen lasse, daß sie in Jerusalem fester als irgendwo auf Erden an ihrem Glauben hängen. Es frage sich, ob es überhaupt der Mühe lohne, die Bekehrung der Juden zu versuchen; sicherlich habe aber der Versuch nirgends weniger Aussicht auf Erfolg als in Jerusalem. — Dieses Zugeständniß von englischer Seite überhebt uns jeder weiteren Bemerkung. Wenn die vielen 100,000 Lstr., welche Engländer bereits für diese nichtigen Zwecke ausgegegeben, für wirkliche Bedürfnisse, namentlich für daS Schulwesen in England, das so schauderhaft beschaffen ist, verwendet worden wären, welcher Segen! Aber die Vernunft erhält überall vor dem Wahne erst spät ihr Recht. Frankreich. Mühlhausen, im April. (Privatmitth.) Wir fühlen uns glücklich, aus dem so eben erschienenen Rechenschaftsbericht der israelitischen Arbeitsschule allhier aus dem Jahre 1857 sowohl den günstigen Zustand dieses überaus nützlichen Instituts, als auch die großen Hoffnungen zu erkennen, mit welchen die Leiter desselben in die Zukunft blicken. Vor Kurzem besuchte der Präfect des Departements die Schule, und prüfte sie sorgfältig. Er gab hierauf einen äußerst günstigen Bericht im General-Rath des Departements ab und erhielt die beantragte Erhöhung deS jährlichen Beitrages aus der Departementalkaffe von 300 auf 1000 Francs. Nicht minder beantragte er einen Beitrag vom Staate, so wie der Municipalrath von Mühlhausen nach dem Beispiele des von Straßburg, welcher 2000 Frcs. jährlich der dortigen gleichen Anstalt gewährt, nicht zurückbleiben wird. Noch kann die Schule nicht Alle ausnehmen, welche eine Stelle in ihr nachsuchen. Mit dem Ende des Jahres 1857 haben wieder 16 Schüler, welche zugleich eine Kunst oder ein Handwerk erlernten, ihr Triennium beendet und die Schule verlassen. Der neue Concurs brachte 42 Bewerber, aber die Anstalt vermochte nur 12 aufzunehmen. Die Schule zählt jetzt 28 Schüler und außerdem 11 Zahlende. Die Einnahmen beliefen sich, einschließlich des Bestandes von 4000 Frcs., auf 20,800 Frcs. Die Ausgaben auf 12,400 Frcs, so daß 8400 FrcS. Bestand blieben. Seit 16 Jahren besteht die Anstalt und hat bereits 150 Zöglinge ausgebildet, welche mit geringer Ausnahme ihr erlerntes Gewerbe ausüben. Sicher werden diese großen Erfolge, so wie die Anerkennung der Orts- und Staatsbehörden der

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