Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1858)
- Date
- 1858-05-10
- Page
- Seite 277 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226114--16893-3245772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
L77 Bereitwilligkeit der Privaten einen neuen Impuls geben und die .beabsichtigte yothwendige Vergrößerung de^ LWllk^t ,in DUde möglich machen. Correfpon-enz. Meine Reift über Galizien nach Deutschland. Von Asaae Rdsenmeyer, Oberlehrer in Homonna. (Siehe No. 16. d. Bl.) (IV. Schluß.) Wir fetzen unsre Streif- und Querzüge fort und erwähnen hier nur noch einige insbesondere mederhesfische Gemeinden. Unter den Landstädten zeichnet sich Eschwege aus und leistet in der That der Kreisrabbiner Goldmann Vorzügliches. Im Kreise Fritzlar fungirt der Kreisrabbiner Wetzlar, welcher seinen Rahbinerfitz in Gudensberg hat. Auffallend ist die heterogene Gesinnung der Gemeindegljeder. dieses Rabbinerbezirkes. Während Fritzlar als Neu ch'ekfchrien ist, gilt wiederum Felsberg und insbesonhex^ Dhd^nsDeM als Drthodor und müssen sich in Niedenstein^ einer kleinen, meistens von Juden bewohnten Stavt^ dke Männer, um sich zu rafiren> auf den Boden flüchten, so stark ist das hyperorthodore Gefühl der Frauen und die Herrschaft des schönen Geschlechts. Auf.unfern Wanderungen in Hessen fanden wir fast überall ein reges jüdisches Leben, vortrefflich eingerichtete israelitische Volksschulen, gut geschulte Chöre mit tüchtigen' Cantoren, strebsame Lehrer und für ihren Berus begeisterte Rabbinen. Nur hier und da, insbesondere dort, wo ungebildete Gemeindevorsteher das Ruder ergriffen haben, hat das israelitische Schulwesen Rückschritte gemacht. Es ist -iÄNabend und wir wiederum im Kreise der lieben Ellern. Uns zu Ehren hatten sich die Anverwandten aus Rgh und Fern hier eingefunden und bald auch die Chebreleute der Gemeinde, und so wurde herkömmlicher Sitte gemäß dieser Abend durch Gebet zugebracht. Die Gebete werden von den Mitgliedern der Brüderschaft in größter Ordnung vorgetragen und wird beim Anbruch des Tages vom Lehrer der Gemeinde eine entsprechende Abhandlung gesprochen. Das Chebrewesen erfreut sich in Wolfhagen der Theilnahme sämmtlicher Gemeindeglieder und verdienen die dahier vom Herrn Japhet, dermalen Lehrer in Frankfurt am Main, gestifteten Vereine, wovon der eine sich zur Aufgabe stellt, mme Jünglinge im Studium zu unterstützen, der andere wiederum atme Jungfrauen ausheirathet, um so mehr öffentliche Anerkennung, da durch sie schon so manches Gute gestiftet worden ist. Meine freien Tage sind vorüber, die angenehmen Stunden in dem elterlichen Hause zu Ende, ich verlasse die Meinigen verstimmt und versetze mich, indem ich die Strecke von Cassel bis Myslovics mit Stillschweigen übergehe, auf das Dampfschiff nach Szolnok. Nur einige der interessanten Beobachtungen, die wir auf der Strecke von Leipzig bis Dresden gemacht, seien hier gedacht. Da die Leipziger Messe zu Ende ging, so war die Anzahl der Passagiere sehr groß und unter ihnen Wallachen, Polen, Moldauer rc. in großer Zahl. Mehrere Mitreisende zeigten uns die vom Literaturverein herausgegebenen Piutem von Wolf und versicherten, daß in ihrer Heimath die orthodoxesten Rabbinen die Piutem schon längst abgeschafft hätten, wenn das gemeine Volk an dem Altherkömmlichen nicht so festhalten möchte. Es entspann sich dann eine lebhafte Unterhaltung über jüdische Religion und jüdisches Leben, und wir hatten Gelegenheit, zu erfahren, mit welchem Interesse diese Männer von den Werken des Literaturvereins und von der Zeitung des Judenthums sprachen. Es war an einem Freitag, als wir das Dampfboot in Szolnok bestiegen, und da das Wetter windig und unfreundlich, die Gegend an und für sich noch wenig Interessantes bot, so hielten wir uns meistens in der Cajüte auf. Wir hatten nette interessante Mitreisende, welche, obwohl Ungarn, Slaven und Deutsche, doch so gut wie nur immerhin möglich mit einander plauderten. Da sitzt ein Magyar und spricht recht gemüthlich mit einer Dame aus Deutschland, die ihm erzählt von Deutschlands Auen und freundlichen Städten. Dort stehen junge Kaufleute aus Pesth, die nach Tokay fahren und mit ihrer magyarischen Landsmännin von den Wundern der Hauptstadt reden. Unten in der Cajüte stehen schwarzäugige Deutsch-Magyaren in mbü gehüllt, welche das Sabbathgebet mit Minjan verrichten und nach Beendigung desselben conversiren. Da heute unter den Passagieren mehrere Gemeindevorsteher sich befinden, so müssen selbstverständlich die Rabbinen und Lehrer herhalten. Am meisten wurde die Pesther Gemeinde mitgenommen und eifrig debattirt, ob Löv oder Fasse! der würdigste Nachfolger Schwab's fei. Bald kamen auch die Rabbinen Fischmann, Weiße, Zipfer K. an die Reihe und wurden selbige insbesondere als Schuldirektoren gerühmt; nicht so gut kamen die Lehrer weg und wurde über Uneinigkeit im Lehrerpersonal so mancher Gemeinden sehr geklagt. 20 **