Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1858)
- Date
- 1858-05-10
- Page
- Seite 274 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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274 (1857), alle seine Vorgänger sowohl an Anzahl der Unterstützungen, alS an Höhe der Unterstützungssumme bedeutend. Jene hat sich nämlich im letzten Jahre fast verdoppelt; sie stieg von 6 auf 10, diese vermehrte sich von 342'/, Thlr. auf 460 Thlr. Im Ganzen betrug während dieses 5jährigen Zeitraums die Anzahl der Unterstützungen 13, wovon 5 hiesige und 8 auswärtige, welche zusammen während dieser Zeit mit der Summe von 1345 Thlr. unterstützt wurden. Erfreulicher Weise stieg aber auch, trotz der nachgewiesenen gesteigerten Unterstützungen, dennoch zu gleicher Zeit das Vermögen des Vereins in dem zehnjährigen Abschnitt seines bisherigen Bestehens in ununterbrochener jährlicher Folge. Das ursprüngliche Vermögen des Vereins, das im Juli 1848 überkommene Legat des CulturvercinS im Betrage von etwa 1000 Thlr., war bis zum Beginn der Wirksamkeit deS Vereins am 1. April 1853 durch Ansammlung der Beiträge auf 3003 Thlr. 23 Sgr. gestiegen; bis Ende 1853 vermehrte es sich auf 3171 Thlr. 1 Sgr., bis Ende 1854 auf 3324 Thlr. 4 Sgr. 6 Pf., bis Ende 1855 auf 3608 Thlr. 27 Sgr., bis Ende 1856 auf 4135 Thlr. 29 Sgr. 6 Pf. und endlich bis Ende 1857 auf 4645 Thlr. 9 Sgr. 3 Pf."^..... So viel als Auszug aus dem Berichte, in so weit er für die auswärtigen Vercinsmitglieder und für solche, die eS werden wollen, von Interesse sein kann, dem ich für diesmal nichts weiter hinzufüge, und bemerke ich nur noch, daß Zuschriften, den Verein betreffend, entweder an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn I. Loewenherz, Klosterstr. No. 68., oder an den Schriftführer, Lehrer S. Piek, Rosenstr. No. 12., portofrei zu richten sind. Berlin/21. April. Im Hause der Abgeordneten kam heute die Verhandlung (s. No. 16. S. 212.) über die Petition zweier jüdischer Rittergutsbesitzer, über den Zutritt zum Kreistage, welche durch nichtbeschlußfähige Anzahl deö Hauses ausgesetzt werden mußte, zum Abschluß. Die Petitionen werden von Lette wiederholt dringend empfohlen. Er berichtet, wie der Eine dieser Petenten, aus dem Soldiner Kreise, die angesehensten Rittergutsbesitzer selbst für sich habe betreff seines Gesuches. Die Juden seien seit Ertheilung deS Staatsbürgerrechtes sehr nützliche Bürger geworden, und der Geld- und Creditverkehr auf dem platten Lande könne, so lange nicht die Bank-Institute sich bis in die kleinen Städte verzweigten, ihrer guten-Dienste nicht entbehren. Er selbst kenne eine Reihe der tüchtigsten und bravsten Männer unter den Juden u. s. w. — von Gerlach. Die Majorität werde darin mit ihm einig sein, daß die Juden auf die Kreistage nicht gehörten. *) Man treffe in dieser Beziehung auf die größten Unklarheiten; habe doch eine juridische Autorität wie Herr Mentzel sogar behauptet, die Juden hätten ein unbeschranktes Recht auf Richterstellen. In England gehe es noch weiter; während das Parlament die Juden von sich ausschließe, würden sie sogar zu christlichen Kirchenvorftehern gewählt und hatten als solche die Geistlichen und ihre Lehre zu überwachen. — Daß diese Unklarheit auch in Preußen noch eristire, sei die Schuld Derer, welche Phrasen, einer Clubrede würdig, zu Grundlagen der Gesetzgebung gemacht hätten. — v. Mallinckrodt beantragt Schluß der Debatte, der auch, nachdem der Minister des Innern wiederholt erklärt, daß er nach reiflichster Berathung der Sache dem Gesuche sich nicht geneigt zeigen könne, angenommen wird. Die beiden Petitionen werden, dem Coinmissiousantrage gemäß, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, und demselben Anträge folgend, die Erwartung ausgesprochen, daß die Frage baldmöglichst im Wege der Gesetzgebung geregelt werden solle» Berlin, 28. April. (Eingesandt.) Wie uns Umstände und Verhältnisse oft bestimmen, andere Wege einzuschlagen, als die, welche wir uns zur Erreichung unseres Zweckes vorgesteckt, habe ich, der Unterzeichnete, jüngst in einer Weise erfahren müssen, die mich gewissermaßen den Lesern dieser Zeitung gegenüber zu einer Erklärung verpflichtet. In der No. 12. dieses Blattes habe ich vermittels meines Artikels „Zur Würdigung des Aussatzes: die Reformjudcn und Israel von A. M. Lewin" es gern gemocht, daß der angebliche Verfasser für vollständig abgefertigt zu betrachten sei; ich habe meine Glaubensgenossen auf die Spur geführt, auf der sie den wirklichen Urheber jener judenfeindlichen Anklagen finden sollten und habe den in erwähnter Schmähschrift so unglimpflich angegriffenen Ehrenmännern in Israel zugerufen, sie möchten es nicht der Mühe werth Hallen, ein Individuum mit ihrer Ent- *) Und warum nicht? Auf diese Frage weiß Herr v. Gerlach sicher keine rechte, nicht-sophistische Antwort zu geben, wie er dies bei den meisten seiner Behauptungen nicht weist Redact.