Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1858)
- Date
- 1858-05-03
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
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259 Beides bis jetzt wenigstens nicht der Fall gewesen ist. Schließlich nehmen wir von dem Gebahren des Herrn I. «nd von den so häufig werdenden ähnlichen Reclamen gern Anlaß, allgemein vor einem Uebel zu warnen, welches droht in israelitische Beamtungen sich einzuschleichen und den sinnigen talmudischen Lehrsatz: vibsa^a un mrs»5 ,nüaba issn new» ■’» Va, vergessen zu machen. Wir meinen das Büreaukratenthum, welches die Einrichtungen, die es beherrscht, wie ein Schoßkind verzieht, die Zustände innerhalb seiner Herrschersphäre stets im rosigen Lichte nach Außen hin geltend machen möchte und in seinem Wichtigthun und seiner krankhaften Empfindlichkeit keinen Tadel vertragen will. Jeder Tadel muß schlechte Motive haben. Jeder Tadler muß ein Feind der Anstalt sein, deren Situation er der Kritik unterzieht. Wir Laien aber sind so beschränkten Sinnes, zu meinen, daß die öffentliche Rüge öffentlicher Institutionen eher Freundschaft als Feindschaft beweise, weil sie die Förderung ihrer Wohlfahrt erzielt, und eine Diskussion öffentlicher Angelegenheiten, welche Mängel aufdeckt, immer ehrenhafter und nützlicher ist, als eine psychische Polemik, welche sie vertuscht. Altona, 22. April. (Privatmitth.) Die Fortsetzung unsres Berichtes (No. 12. der Allg. Zeit. d. Jud.) über unsre Nachbarstadt haben wir geglaubt desto eher vor der Hand zurückhalten zu dürfen, als wir Gelegenheit hatten zu vernehmen, daß unsere Rügen auf die Gesinnungstüchtigeren unter denen, die sie angingen, nicht ohne Eindruck geblieben sind, und wir so herzlich gern hoffen möchten, es werde dort bald Mancherlei besser werden. Wenn unser Freimuth dem Einen und dem Andern in unsrer Nachbarstadt zu scharf hat scheinen können, so räumen wir ehrlich ein, daß eS uns nicht gegeben ist, mit Glacehandschuhen zu schreiben. Die Wahrhaftigkeit pflegt von dem Talent dieser Mode nur selten begleitet zu sein. Erlauben Sie uns daher, verehrter Herr Redacteur, heule einen Gegenstand aus unseren eigenen Landesverhältnissen zu berühren, dessen Natur' erquicklicher ist. Wir besitzen in Dänemark nur drei politische Zeitungen konservativen Charakters, und alle drei sind sie von Juden redigirt: die „Berling'sche Zeitung" von Herrn Nathanson, „Flyveposten" von Herrn Davidson und „Nord og Syd" von Herrn Meyer Goldschmidt. Nun hören Sie aber das Miraculum, daß die Berliner „Kreuzzeitung" jüngst das Bekenntniß einer schönen Seele ablegt und, trotz ihres kreuzzeitunglichen Bewußtseins, wehmüthig eingesteht, daß die konservative Presse Dänemarks just in Händen von Juden ist. Ja, um das Wunder voll zu machen, erkennt sie sogar den Rcdacteur deS „Nord og Syd", den Juden, als „den ersten dänischen Stylisten der Gegenwart" an. Die „Kölnische Zeitung", welche ihr jenes Geständniß nachdruckt, ist ihrerseits auch sehr verwundert über die Hochherzigkeit der Judenfresserin, und macht nur dabei den höher« Blödsinn geltend, die Zeitungen von jüdischen Redacteuren „jüdische Literatur" zu benamsen. Am Ende wird noch Ihr „Institut zur Förderung jüdischer Literatur" die politischen Blätter jüdischer Herausgeber in Verlag nehmen sollen. Was ist aber die politische Moral von der Sache, daß in Dänemark die Juden vielleicht mehr konservativ sind, wie in Deutschland? Macht in Deutschland die Juden frei, wie sie eS in Dänemark sind, so wird auch dort der Jude als Jude konservativ sein können, und wird man auch dort aufhören, nach der Glaubens- Verschiedenheit Partei-Eintheilungen zu machen. Dies soll nicht etwa heißen, daß dann alle Juden in. Bausch und Bogen zur konservativen Fahne schwören würden; das ist auch in Dänemark nicht der Fall. Aber sie würden nicht mehr wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem andern Glauben in die anderen politischen Lager gestoßen werden. Wann endlich wird man doch im Lande der erhabenen Theoreme und der poetischen Ideale den simpeln Erfahrungssatz, daß sich auch der Wurm krümmt, wenn er getreten wird, in Absicht auf die Juden beherzigen wollen? Ihr nehmt dem Juden das Theuerste, sein Vaterland, Ihr nehmt ihm das Heiligste, das gleiche Menschenrecht mit seinen Menschenbrüdern, und verlanget, er solle sich dazu conservativ verhalten! Die Partei der Kreuz zeitung hört schon auf, conservativ zu sein, wo es sich um den Verlust oder Gewinn ihrer Vorrechte handelt; der Jude als Jude fängt schon an, conservativ zu sein, wo ihm nur die Gleichheit der Rechte gewährt ist. Die Erscheinung, daß Juden und von Juden ge-