Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1858)
- Date
- 1858-04-26
- Page
- Seite 247 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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247 stigereS als bei allen übrigen ConfefsioneN, und wenn mit Recht die erlangte Gymnasialbildung einen Maßstab für Geist und Gestttung abgiebt, so können wir mit Vergnügen hinsichtlich unserer österreichischen Glaubensgenossen darauf Hinweisen. Czernowttz, im März. (Privatmitth.) ES ist in diesen Blättern von der Opferbereitwilligkeit Bericht erstattet worden, mit welcher vor einiger Zeit bedeutende Summen zur Erbauung einer großen Synagoge gespendet wurden: Seitdem ist die Begeisterung für diesen bedeutungsvollen Gegenstand gänzlich wieder erloschen, und durch Zerwürfnisse über unwesentliche Punkte scheint die ganze Bestrebung unerledigt zu bleiben. Möchte doch daS verehrliche Comite jene Hochsinnigkeit bewahren, mit welcher man über Particularitäten hinwegsieht und allein daS große Ziel im Auge hat: dann wird eS durch die Flamme seines edlen EiferS auch die Gemeindemitglieder immer von Neuem entzünden. 8. Gross-Becskerek, im März. (Privatmitth.) Wir können bereits über die Wirksamkeit unsres neuen Rabbinen Herrn D. Oppenheim die erfreulichsten Mittheilungen machen; insonderS geht fein Bestreben dahin, wohlthätige Anstalten ins Leben zu rufen, wohl wissend, daß diese außer dem Wohl, welches sie verbreiten, auch den edelsten Theil des Gemeindelebens auSmachen. So sucht er einen Vorschußverein zu begründen, einen Kreuzerverein für verschämte Arme, Wöchnerinnen u. s. w., für welchen bereits ein Fond von 400 Gulden gesammelt worden; endlich eine Kinderbewahranstalt, wozu bereits 50 Kinder eingeschrieben sind. Möge mit diesem Feuereifer sich auch eine unermüdliche Ausdauer verbinden, und unsre Gemeinde wird bald der musterhaften Anstalten viele besitzen. Brün«, im April. (Privatmitth.) Die Hauptstadt dcS kleinen Mährcnlandes unterscheidet sich unter Anderm auch dadurch von den Hauptstädten der übrigen Kronländer Oesterreichs, daß, während in den andern Hauptstädten Juden von jeher sich concentrirten und Gemeinden bildeten, wie dieses seit Jahrhunderten in Prag und Ofen, in der neuesten Zeit auch in Wien und Pesth der Fall ist, hat Mährens Hauptstadt keine eigentliche Judengemeinde, sondern blos eine israelitische Religionsgenoffenschast, deren Mitglieder zwar zu andern Cultuögemeinden gehören, und dorthin ihre Cultuösteuer entrichten; hier in Brünn jedoch von einem gemeinsamen Bande umschlungen werden. Dieses Band ist der im schönsten Styl erbaute neue Tempel, wo ein tüchtiger Cantor einen gut organisirten Chor leitet. Wie der Tempel die Lebenden, so vereint jetzt der jüdische Friedhof die Todten, und brauchen jüdische Leichen nicht mehr wie sonst nach ihren Cultusgemeinden gebracht zu werden, sondern ist seit einigen Jahren von der hiesigen Religionsgenossenschaft auch ein Gottesacker angekauft worden. Leider fehlt unserem Tempel daS lebenspendende Element, daS begeisternde Gotteswort. Vor zwei Jahren hat unsere Repräsentanz mehrere Versuche gemacht, diesem fühlbaren Mangel abzuhelfen. Aber sie schlugen fehl. Und , so stehen wir heute ohne geistliches Oberhaupt. Auch ein anderes Element fehlt unS ganz, ich meine die Schule. Während die Landgemeinden eine jede nach Kräften sich eifrigst bestrebt, Schulen anzulegen, sind wir ohne eine solche, und wird das Hebräische so wenig gepflegt, daß man nicht selten Gymnasialschüler findet, die nur mit vieler Mühe Hebräisch lesen können. Daß es für die Sprache Mosis und der Propheten kein Surrogat giebt, brauchen wir nicht zu erhärten, so daß wir, so lange die Kinder nicht dieser in zartester Jugend schon horchen, nichts erhoffen. Wie verlautet, hat der Landrabbiner sich in demselben Sinne geäußert, und ist auch hohen OrteS um die Bewilligung eingeschritten, eine Lehrerversammlung abhalten zu dürfen, um hier vor Allem eine allgemeine Norm anzubahnen, wie weit die Jugend Israels im Hebräischen vorbereitet werden soll, bevor sie inS Gymnasium eintritt. So viel Achtung wir für Herrn Landrabbiner Platzes haben, und so sehr wir uns überzeugt halten, daß eine Lehrerversammlung Ersprießliches leisten würde, so fürchten wir doch, daß die Concession etwas zu spät kommen wird. Bereits haben Boskowitz und Gewilsch tüchtige Lehrer an Ungarn abgegeben. Prosnitz, Nicolsburg, Trietsch und Eibenschitz haben im vorigen Semester theils Ober-, theils Unterlehrerstellen ausgeschrieben, die noch nicht besetzt sind. Wie viel oder wie wenig läßt sich noch zur Lehrerversammlung erwarten? Doch der Gegenstand ist zu wichtig, als daß wir nicht noch einmal darauf zurückkommen sollten. I. D. Broby in Galizien, im April. (Privatmitth.) Am 13. d. M. um 8 Uhr Abends ereignete sich hier 18