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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-26 · Heft 18 (26.4.1858) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 18 (26.4.1858)
Date
1858-04-26
Page
Seite 248 (sequence 10)
Language
German
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248 ein ungehörter tragischer Fall. Ein Mann, der sich Dominik von Borzemski, auS Tarnopol gebürtig, nannte, schlich sich unter vornehmer Haltung in daS Comptoir deS achtbaren HandlungShaufeS HauSner und Violland hier ein, traf den Chef, einen ehrenwerthen Greis, in dem Bureau beim Zeitunglesen, und eröffnete ihm, wie eö scheint, sein Vorhaben ganz kurz „Is vie ou la bourse“. Erschrocken mußte der schwache GreiS um Hülfe gerufen und geklingelt haben, denn als ein Geschäftsarbeiter dieses Hauses, der allgemein geachtete Herr C. Hauswald, von seinem Arbeitszimmer gestürzt kam, mußte er den Mörder, welcher den Chef bereits mit einem zweischneidigen Messer bearbeitete, angepackt und ihn an seinem freventlichen Vorhaben gehindert haben, er bekam aber dafür einige Messerstiche und rang mit ihm verzweifelt, um dem alten Brotherrn Zeit zu lassen, um Hülfe zu rufen. Der GreiS erlag aber den Stichen und sank, als er sich flüchten wollte, auf den Stiegen todt zusammen. Noch rang der muthige, treue Hauswald, als ein HauSbedienter das Klingeln hörte und ins Comptoir eintreten wollte. Er wurde aber an der Thür von einem Pistolenschuß, den der Mörder auf ihn abfeuerte, getroffen und sank zusammen. Der Mörder sah, daß HauSwald sich durch die Thüre flüchten wolle, und feuerte auch auf ihn ein Pistol ab. Dieser siel also auch todt hin. Die Schüsse allarmirten die Stadt. Der Schrecken war unbeschreiblich, zu dem sich ein namenloser Schmerz um den Verlust so achtbarer Menschen gesellte. Ein armer jüdischer Lastträger, Vater dreier Kinder, Gatte eines hochschwangeren kranken Weibes, und Sohn einer alten gebrechlichen Mutter, der diese Alle von seinem nicht besondern peinlichen Tagewerke zu ernähren hatte, ging zu seinem Unglück vorbei, um sich zu einer Nachtwache bei einem Kranken zu begeben, wofür ihm für seinen verkauften Schlaf, für seine entsagte Ruhe ein Lohn beschieden war, den er leider bei Tage in seinem mühevollen Lastenschleppen nicht gefunden hatte. — Er ging und hörte den Lärm, welcher durch den Raubanfall verursacht worden war und eilte hinein, um zu helfen. Der Bediente rief ihm zu: ein Räuber ist d'rin, welcher Alles um. sich schießt. Er drang hinein zur offenen Thür, ohne sich an den Mahnruf zu kehren, und entflammt vom bessern Gefühl zu helfen — stürzte er sich auf den Räuber, der ihn aber mit Dolchstichen in der Länge empfing, daß der Arme röchelnd zu Boden fiel und der Räuber aus dem Comptoir flüchtete. Der Räuber ist zwar dann gepackt worden, aber vier Opfer fielen seiner Raubsucht anheim, unter welchen man den armen Juden, den Lastträger Mosche Soan, gewahrt — den man so eben nach gerichtlicher Obduction zu Grabe trägt. Ihm folgen die Thränen seiner hülflosen Kinderchen, seiner Gattin, seiner gebeugten Mutter nach und ein unabsehbares Geleite der Brodyer Bevölkerung — die gewiß Sorge tragen wird, daß dieselben bald getrocknet werden und sie wird wie immer dem Gefallenen einen Leichenstcin setzen, der stets von der Aufopferung eines Juden und seiner Hingebung zeugen wird. Italien. Aus Oberitalien, 12. April. (Privatmitth.) Es geschieht öfters, daß jüdisch-deutsche Literaturhistoriker und Bibliographen von ihren Correspondenten in Italien über Männer, Zustände und Leistungen in diesem Lande irregeführt werden, da jene sie je nach ihrer Zu¬ oder Abneigung für die bezüglichen Personen zu schildern pfleg'cn. Aus der Culturgeschichte von Jost und aus der Libliotbecs rabbiniea von Fürst besonders erhellt es, daß solche Berichterstatter von naheliegenden, aber ihnen unbeliebten Männern und Werken gern schweigen, indem sie die unbedeutendsten Schriften Hochpreisen, deren Verfasser ihre Gunst zu gewinnen wußten, oder ihnen wenigstens nicht im Lichte stehen. Aber ein größeres Erstaunen erregt eS, daß Stern in seiner „Geschichte des JudenthumS von Mendelssohn bis auf die Gegenwart" über die Paduaer Rabbinerschule in wenigen Zeilen in so viele Ungenauigkeiten gerathen konnte. Er sagt (S. 224.): „Neben der bedeutenden Schule zu Mantua, (?) deren wir bereits gedacht haben, wurde hier besonders die 1829 zu Padua gegründete Rabbinerschule unter der Leitung des Oberrabbiners Ghirondi zur Stätte einer höheren und freieren wissenschaftlichen Entfaltung. Unter den Professoren dieses Instituts zeichneten sich vornehmlich Reggio und Luzzatto aus." Reggio hat nie seine Geburtsstadt Görz verlassen, hat nie ein jüdisches Lehramt bekleidet. Als Lehrer in dieser Rabbinerschule wirken seit ihrer Entstehung nur zwei Professoren, und zwar, wie allgemein bekannt, Della Torre und Luzzatto. Unrichtig ist auch, daß dieses Institut unter der Leitung deS Oberrabbiners Ghirondi (gest. 1852),

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