Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1858)
- Date
- 1858-04-26
- Page
- Seite 246 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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246 M Inhaltes geblieben. Es fehlt ihnen gerade Das, was eben daS Charakteristische eines Kunstwerkes bildet. .Nicht so in der oben genannten Erzählung. Mit Recht spricht fich 'der deutsche Bearbeiter in seinem Vorworte dahin aus: „Es galt hier dem allgemeinen und ewigen Gedanken, daß die höchste und heiligste Wahrheit in des Menschen unerschütterlicher Selbsttreue liegt,- sinnlichen und individuellen Ausdruck zu geben, und das ist der liebenswürdigen, leider zu früh dahingeschiedenen Dichterin in seltener und fast vollendeter Weise gelungen. Wir Juden zeichnen uns durch die Zähigkeit, mit der wir an unserer historischen Vergangenheit festhalten und sie in uns nachwirken lassen, vor allen andern Völkerstämmen aus, sowohl vor denen des Alterthums, als auch vor denen, die gegenwärtig die große Bühne der Weltgeschichte inne haben. Der kurze Zeitraum, in welchem nach dem Untergange unserer politischen Selbstständigkeit ir/Spanien eine freie ungestörte Entwickelung in jeder Sphäre des menschlichen Wirkens und Schaffens uns gestattet war, übt in der Erinnerung noch heute seinen bedeutsamen, anregenden Einstuß auf uns aus, wie in dieser Fe.rne keine Geschichtsepoche des Mittelalters auf ein heute noch in Kraft und Thätigkeit stehendes Volk. Er bildet den einzigen Berührungspunkt, den wir je mit der Romantik hatten, er ist deshalb die unersch'öpstiche Quelle, aus der specifisch jüdische Romanschriftsteller mit besonderer Vorliebe schöpfen. Auch Graon Aguilar, wie es scheint, durch Familienerinnerungen besonders darauf hingewiesen, hat diese spanisch-jüdische Geschichtsepoche vortrefflich zu benutzen verstanden. Die ersten Regierungsjahre Ferdinands und Jsabellas bilden den Hintergrund ihres Gemäldes. Schon neigte sich das Mittelalter seinem Ende zu, aber noch führte ein ritterlicher König seine wackeren Mannen gegen den Feind, noch stand eine in Glanz und Hoheit strahlende Königin bereit, ihre treuen Kämpen mit den Zeichen ihrer Gunst zu schmücken, und zum letzten Male verklärte die scheidende Sonne des Ritterthums den Hof von Spanien mit ihrem rosigen Lichte." Auf diesem Hintergründe tritt uns die Heldin der Dichtung, die ihr den Namen gegebenem klaren, festen und doch lieblichen Zügen entgegen. Durch die mannigfachsten, schrecklichsten Verwickelungen.findet sie durch Treue gegen ihren Glauben und gegen sich selbst geleitet, ihren geraden Weg, übersteht die erschütterndsten Seelenkämpfe und gelangt, wenn auch ihr Körper unterliegt, zum geistigen Frieden. Wir stimmen von ganzem Herzen den Worten deS deutschen Bearbeiters, der in die Vorrede eine kurze Biographie der Verfasserin einflicht, bei: „Den Lesern wird die unverkennbare Geistesähnlichkeit der Verfasserin mit der Heldin ihrer Erzählung nicht entgehen. Wohl unbewußt übertrug sie die eigene hingebende Begeisterung für den angestammten Glauben auf die Trägerin ihrer Intentionen und schuf in Mariens Leiven und Märtyrerthum ein rührendes Al rld des eigenen Lebens, das trotz Körperschwäche und Krankheit einem großen Gedanken geweiht blieb und ob der rastlosen Thätigkeit eines unablässig aufstrebenden Geistes allzufrüh in den Staub sank." Ein so durch und durch wahrer Charakter kann nur einem wirklichen Vorbilde nachgezeichnet sein. Der Styl der Erzählung ist einfach und anziehend gehalten. Bei den landschaftlichen Schilderungen im Beginne derselben vermißten wir jedoch die erforderliche Anschaulichkeit, um zu einer klaren Vorstellung der geschilderten Gegenden zu gelangen, was zu erzielen für den Dichter allerdings eine schwere Aufgabe ist. Die Uebersetzung ist auf das Beste gelungen; der Unkundige würde schwerlich errathen, daß er eine Uebertragung aus einer fremden Sprache vor sich hat. Wir können nicht umbin, die besprochene Erzählung dringend der Seetüre des jüdischen Publikums zu empfehlen, um so mehr, da, obwohl die deutsche Bearbeitung bereits vor zwei Jahren erschienen, sie dennoch nicht die Beachtung gefunden zu haben scheint, die sie im vollsten Maße verdient und die vielen untergeordneten Produkten der ausländischen Literatur zu Theil wird. Dr. M. Zeitungsnachrichten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 8. April. Der Kaiser hat einem Israeliten in Schlesien, welchem die dortigen Landesbehörden ein im Wege einer Erbschaft ihm zugefallenes Stadthaus nicht zuerkennen wollten, den vollen und freien Besitz desselben gestattet. — In der A. A. Z. wird eine Statistik der österreichischen-Gymnasien mitgetheilt. Wir heben folgende Stelle heraus: „Die Vergleichung, nach den verschiedenen Religionsbekenntnissen gestellt, zeigt, daß die Anzahl der Gymnasialschüler sich zur Gesammtbevölkerung verhalt: bei der römisch-katholischen Bevölkerung wie 1 : 1327, bei der griechischnichtunirten wie 1:1869, bei der evangelischen Augsburger Confession wie 1:523, bei der evangelischen helvetischer Confession wie 1:577, bei der jüdischen wie 1:423." — Das Verhältniß ist also für die jüdische Bevölkerung des Kaiserstaate? ein ungleich gün-