Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1858)
- Date
- 1858-04-26
- Page
- Seite 240 (sequence 2)
- Language
- German
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240 ner inneren Zustände in den verschiedenen Perioden höchst wünschenswerth ist, so daß wir jeden Aufschluß, der unS geboten Ed, linkt gtdßew Dankd äüzlM'hrnen haben. Die geschichtlichen und prophetischen Bücher der Bibel Heben uns doch nur Andeutungen über den Charakter und die Verhältnisse des Volkes in jenen Zeiten, und sind weit davon entfernt, uns ei-n vollständiges Bild zu entwerfen. Es bleiben uns hierin erstaunlich viele Fragen unbeantwortet; wir begegnen Gegensätzen und oftmaligem Umschwung, die eben nur factisch für uns dastehen, ohne die genetische Entwickelung zu verrathen; wir sehen das Volk auf tausend Abwegen sich verirren, und doch immer wieder zu dem großen Resultate zurückgekehrt und zurechtgefunden, die Lehre Moscheh's, die Religion des Einzigen mit allen ihren Konsequenzen zu bewahren und fortzubilden, ohne daß es uns meist klar ist, wie dies doch erreicht worden ist. Von diesem Standpunkte aus bietet ein sorgfältiges, bis in die Details verfolgtes Studium der in der Bibel vorkommenden Namen großes Interesse und mannigfaltige Aufschlüsse, und wir versuchen es hier, in einigen allgemeinen Umrissen diesen wichtigen Gegenstand zu behandeln, der bis in die feinsten Specialitäten hinein zu den fruchtbarsten Combinationen veranlaßt. Die Besprechung folgt einem zwiefachen Faden. Man betrachtet zuerst den ganzen vorhandenen Namensschatz in seinen mehrfachen Gruppirungen; dann aber verfolgt man die chronologische Entwickelung und sucht in dem in jeder Zeit besonders vorherrschenden Charakter der gangbaren Namen den Ausdruck für den Charakter der Zeit. Denken wir uns, daß uns die heilige Schrift verloren gegangen und wir von ihr nichts weiter als das Verzeichniß der in ihr vorhandenen Namen, das onoms8tieum biblieum, hätten, daß wir demnach von der Geschichte und dem Lebensinhalte des israelitischen Volkes Nichts wüßten, und es träte uns die Beobachtung entgegen, daß unter den gangbaren Namen dieses Volkes 140 mit dem Worte btt „Gott", und 195 mit mir, ,,Ewiger", zusammengesetzt find, abgesehen von der Zahl derer, welche andere Bezeichnungen des göttlichen Wesens, z. B. *>^5, Allmächtiger, in sich enthalten, so müßte uns dies über das ganze Leben dieses Volkes einen klaren Aufschluß geben, wenn wir vergleichen, wie bei allen anderen Völkern, antiken wie modernen, sich kaum ein Dutzend solcher Namen auffinden lassen (die meisten der griechischen Namen mit frzog stammen aus der christlichen Zeit). Wir werden uns sagen müssen, daß dies ein Volk gewesen, dessen innerster Lebenskern die Religion war, das in dem religiösen Elemente sein Dasein fand, das sich mit Gott national und individuell in den nächsten übd dnMett Wztdhudgen fühlte und dachte, das in dem theuersten Verhältniß, in seinen Kindern, immer wieder einen Ausdruck und eine Ausprägung für seine religiösen Empfindungen suchte, das das Leben durchaus religiösanschaute und überall einen Rester seiner religiösen Gesinnung fand. Umgekehrt aber muß uns diese außerordentliche Erscheinung überzeugen, daß, so oftmalige und vielfache Verirrung wir auch bei den Israeliten während ihres ersten Bestandes im heiligen Lande treffen, dennoch das Volk wesentlich vom religiösen Leben erfüllt war, wodurch denn der Verlauf der Geschichte um so erklärlicher wird, daß auch in Babel Israel sich nicht ungetreu ward und gerade von dieser Zeit an der Lehre Moscheh's sich ganz zuwandte. Wersen wir nun einen Blick auf die Details dieser Volksnamen, welche den Gottesnamen enthalten, so finden wir nicht allein die reinsten und höchsten Begriffe von Gott ausgedrückt, sondern auch in allen menschlichen Beziehungen wieder. Zuerst Gott selbst in seinen Eigenschaften und Thätigkeiten, wie*): der Ewige ist Gott, der Ewige ist Vater, Gott ist Richter, Gott ist Zeuge, Gott ist Woblthäter, Gott Wunderihäter, Gott Versorger, Gott Ernährer, Gott Stützender, Gott Schöpfer, Gott Bewirker, Gott Geber, Gott Erhörer, Gott Vergelter, Gott der Huld, Gott das Glück, Gott der Stärke, Gott die Hülfe, Gott Erlöser, Gott Erretter, Gott ist König, Gott Mehrer, Gott Schützer, Gott Erhalter, Gott Freund, Gott des Trostes, Gnade Gottes, Milde Gottes, Zorn Gottes, Vollkommenheit Gottes, Gott ist Schauender, Gott Streitführer, Gott Belebender, Gott ist Friede, Gott mit uns, Gott der Fels, Gott der Aufrichter. — Eben so wird das religiöse Verhältniß zwischen Gott und Mensch an sich in den verschiedensten Nüancen durch Namen zum Ausdruck gebracht, wie: Gottes Verehrer, Gott ist mein Blick, Vertrautheit mit Gott, Kunde Gottes, Anschauen Gottes, Leben Gottes, Gluth Gottes, Wiederherstellung Gottes, Zusammenkunft Gottes, Erhebung Gottes, Gericht Gottes, Finger Gottes, Erhörung Gottes. — Noch mannigfaltiger endlich ist die Bezeichnung der einzelnen Menschen in besonderen Beziehungen zu Gott, wie: Sohn Gottes, Tochter Gottes, Gesegneter Gottes, Werk Gottes, Held Gottes, *) Es ist hier nicht der Ort, die sprachlich schwierigen Namen zu erörtern. Wir haben daher der Gleichmäßigkeit wegen das Onom38lieum saerum in der Concordanz von Fürst zu Grunde gelegt.