Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1858)
- Date
- 1858-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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22 Jahrgang. Allgemeine Zeituag des Zudcnthums. Sin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Magdeburg. Leipzig, den 26. April 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Re« gifterS u. s. w. umfassen. In Gemäßheit deS Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22lk Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Gächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ueber die biblischen Namen. — Noch einmal die Petition der ehemaligen, „kleinen aber mächtigen" Partei gegen daS Judmthum. — Lesefrüchte von C.n. — Rußland. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Oefterreichischer Kaiserstaat: Wien, Czernowitz, Gros-Becskerek, Brünn. Brody. Italien: AuS Oberitalien. Frankreich: Paris. Großbritannien: London. Holland: Amsterdam. Persien: London. China. Indien: Calcutta. Leitende Artikel. Magdeburg, 19. April. Ueber die biblischen Namen. Wir haben vor Kurzem in einer flüchtigen Bemerkung auf die culturhistorische Wichtigkeit der Namen in der Geschichte der Juden aufmerksam gemacht, und wie sich aus den in den verschiedenen Perioden bei ihnen gangbaren Namen, den hierin eingetretenen Veränderungen und Entwickelungen über den Culturzustand derselben, über ihre Stellung zu den Völkern u. s. w., die wesentlichsten und folgerichtigsten Schlüffe ziehen lassen. Wir greifen heute denselben Gegenstand von einer anderen Seite auf. ES ist eine anerkannte Wahrheit, daß, wenn wir von einem Volke, namentlich in seinen ersten Geschichtsepochen alle historischen Nachrichten verlören, nur eine beträchtliche Anzahl seiner Namen und zugleich deren sprachliches Perständniß behielten, der Charakter dieses Volkes und der Gang seiner Culturentwickelung uns dadurch doch zu vielfachen Einblicken eröffnet blieben. Andererseits bietet auch das Studium dieser Namen selbst bei sonst vorhandenem geschichtlichen Material mannigfaltigen Aufschluß dar. So hat man z. B. in neuerer Zeit den Namen, welche bei der deutschen Nation ungefähr bis zum eilsten Jahrhundert gebräuchlich waren, viele Aufmerksamkeit zugewendet und den ganzen Schatz derselben, wie er sich aus vielen zerstreuten Urkunden herausfinden läßt, gesammelt, geordnet, sprachlich erklärt und culturhistorischen Betrachtungen unterlegt. Mit gutem Grunde mag man hierbei nicht über das eilste Jahrhundert hinweggegangen sein. Denn allerdings kommt es hierbei darauf an, daß die Nation noch in ihrer ursprünglichen schöpferischen Kraft sei, mit* welcher fle die in ihr vorherrschenden Begriffe, Gesinnungen und Tendenzen in ihren Namen, seien es Personen -, seien es Orts-, Berg-, Städte-, Flußnamen u. s. w., auszudrücken sich gedrungen fühlt. Späterhin, wo dieser Namensschatz kaum noch stark vermehrt wird, ist es gewissermaßen nur noch ein ästhetisches Interesse außer dem sprachlichen, welches den Namen einwohnt, wie ein Theil der früheren Namen fallen gelassen, ein anderer vorzugsweise in Gebrauch gesetzt wird, wie sie abgeschliffen und verändert worden u. dgl. Sind uns auch von der Urgeschichte der Israeliten an beträchtliche Schriftdenkmäler geblieben, so lassen diese doch noch mannigfaltige Lücken, deren theilweise Ergänzung für die Geschichte dieses merkwürdigsten Volkes, namentlich sei«