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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-19 · Heft 17 (19.4.1858) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 17 (19.4.1858)
Date
1858-04-19
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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234 Während sich die Beiträge der jüdischen Badegäste hier von Jahr zu Jahr steigern, — ein freudiger Beweis für uns, daß Diejenigen, welche unser Wirken in der Nähe zu betrachten Gelegenheit haben, unser mühevolles Streben anerkennend nach Kräften zu unterstützen suchen, — bleiben unsere Bitten, die wir von Jahr zu Jahr wiederholen, von den meisten Vorständen jüdischer Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten unbeachtet; und es ist merkwürdig genug, daß von mehr als 200 derselben, an die unsere Bitten um Beiträge jährlich direct ergehen, nur durchschnittlich 25 bis 30 Beiträge einfenden, und auch von diesen nur wenige alljährlich. Wir fragen uns verwundert, woher kommt dies? — Daß hier eine große Wohlthat, und zwar gegen fremde arme Glaubensgenossen, geübt wird; daß die Verwaltung sich seit Gründung des Instituts unter strenger Controlle des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde zu Hirschberg, einer vollkommen hierbei unbetheiligten Behörde, gestellt, zeigen die jährlich ausgegebenen Rechenschaftsberichte; und doch dieses Nichtbeachten von Seiten Derjenigen, die nur allein helfen können, helfen sollen, und zu helfen moralisch verpflichtet sind? — Wenn jüdische Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten für die armen Glaubensgenossen ihres OrteS im Orte sorgen, und ihnen helfend zur Seite stehen, so ist dies wohl rühmend anzuerkennen; allein der oft gerühmte, stets bewährte jüdische Wohlthätigkeitssinn verlangt mehr; er fordert, daß auch der arme Glaubensbruder, der in der Fremde in Noth und Elend schmachtet, nicht vergessen werde; daß auch ihm hülfreiche Hand geleistet werde; und hier um so mehr, als er krank und verlassen im fremden Orte dasteht, und ihm, wenn nicht Hülfe von auswärts kommt, am Orte selbst keine geleistet werden kann. Hier haben wir, Gott sei Dank, keinen Armen, der an unsere Badearmen-Kasse Ansprüche machen könnte; wir sind also eben so wenig als irgend Einer bei unserem Institute betheiligt; uns dauert und erbarmt nur der arme, kranke Glaubensgenosse, der auS der Fremde hierher kommt, um seine Gesundheit, sein köstlichstes und einziges Gut, zu suchen; und wir weihen gern unsre Kräfte, sparen keine Mühe, um ihm hier so viel wie möglich zur Erlangung seiner Gesundheit behülflich zu sein, und ihn vor Noth zu schützen. Haben wir nicht die gegründetsten Ansprüche an unsere Glaubensgenossen, daß auch sie hülfreiche Hand leisten, und unser Streben durch Geldbeiträge unterstützen?— Dabei dürfen ja diese Beiträge nur gering sein. Einige Thaler jährlich beizusteuern, ist für eine Gemeinde oder Wohlthätigkeits-Anstalt nur ein sehr geringes Opfer, das sie den leidenden Glaubensgenossen wohl gern bringen sollte; der hiesigen Badearmen- Kasse aber würde dadurch eine bedeutende Einnahme erwachsen, so daß sie. nicht nur ihre Hülse allen jüdischen, armen Badegästen angedeihen lassen, sondern auch unbesorgt um ihre Existenz in die Zukunft blicken könnte. An die wohllöblichen Vorstände der jüdischen Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten, die bisher unsere Bitten unbeachtet gelassen, ergeht zunächst unser eben so dringendes als ergebene? Gesuch: unsere Bitte um milde Beiträge für die hiesige jüdische Badearmen-Kasse nicht diesmal wieder unberücksichtigt ad acta zu legen, sondern wohl zu erwägen, ob nicht unsere Bitte eine sehr gerechtfertigte ist, und der Gewährung, wenn auch nur durch einen kleinen Beitrag, verdient. Die wohllöblichen Vorstände jüdischer Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten aber, die uns bisher durch Beiträge unterstützt, so wie wohlhabende Glaubensgenossen bitten wir: auch ferner unser wohlthätiges Institut unterstützen zu wollen. Und ^endlich bitten wir die Herren Rabbiner und Prediger, so wie einflußreiche Personen, in ihrer Gemeinde durch ihr gewichtiges Wort dahin wirken zu wollen, daß unser Gesuch nicht unberücksichtigt bleibe. Dankend müssen wir hier noch einer edlen That erwähnen. Es ist ein Geschenk deS HüttenbesitzerS Herrn I. I. O r g l e r in Peißkretscham an die hiesige Badearmen-Kasse, bestehend in einem 3'/r °/o Staatsschuldschein von 25 Thlr., der als eiserner Fond bleiben, dessen Zinsen aber den jährlichen Ausgaben zufließen sollen; und wir können diese edle That unfern wohlhabenden Glaubensgenossen nicht besser zur Nachahmung empfehlen, als wenn wir den Schluß deS Anschreibens des edlen Gebers hier wörtlich anführen, welcher lautet: „so gering auch dieser Beitrag im Einzelnen ist, könnte er dennoch von segensreichen Folgen fein, wenn viele, viele edeldenkende Männer ein Gleiches thun würden." Warmbrunn, im April 1858. Die Verwaltung der jüd. Badearmen-Kasse. W. Fränkel. Herrmann Schlesinger. Scheimann Schneller.

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