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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-19 · Heft 17 (19.4.1858) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 17 (19.4.1858)
Date
1858-04-19
Page
Seite 233 (sequence 9)
Language
German
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333 antreten könnte. Was wäre wohl erwünschter, als daß die edeln Männer unsrer Glaubensbrüder in Deutschland zu einer gemeinschaftlichen Thätigkeit sich vereinten und gemeinsam einen solchen Zweck, wie den von Benjamin verfolgten, förderten und unterstützten! Hunderte von christlichen Missionären und Reisenden werden jährlich ausgeschickt; sie finden, bei ihren Regierungen stets offene Hand. Roch ziehen diese sich zurück, sobald ein Jude der Reisende ist.und Zwecke verfolgt, die specicll die Juden interessiren. Jüdische Reisende sind einzig und allein auf ihre Brüder im Glauben angewiesen, und sollen auch diese theilnahmlos bleiben? K. Berlin, 7. April. (Privatmitth.) Daß die in Ihren Leitartikeln schon öfter ausgesprochene Ansicht, daß es mit der Obherrschaft der „kleinen aber mächtigen" Partei vorbei sei, eine völlig richtige ist, erwieS das Haus der Abgeordneten jüngst von Neuem, indem es in seinem Plenum wie in seinen Commissionen Anträge der Herren von Gerlach und Wagener einstimmig, mit Ausnahme des Antragstellers, verwarf. Berlin, im April. (Privatmitth.) ES liegen uns die Programme zur öffentlichen Prüfung der jüdischen Religionsschule, unter der Direktion des Dr. Rosin, und, der Religionsschule der Reformgemeinde, unter Leitung des Dr. Holdheim, vor. Die erstere zählt gegenwärtig 106 Schüler und 94 Schülerinnen , zusammen 200, in 8 Claffen mit 5 Lehrern; die zweite 128 Zöglinge in 2 Claffen mit 3 Lehrern. Wenn Man nun auch die, wenn wir nicht irren, circa 300 Schüler fassende Gemeindeschule, als eines besonderen Religionsunterrichtes nicht bedürftig, hinzuzählt, so geht aus den obigen Zahlen doch hervor: daß bei einer Bevölkerung, von 15,000 Juden demnach kaum ein Drittel dev schulpflichtigen Jugend Religionsunterricht hat, während zwei Drittel ohne denselben verbleiben. Wie man einen solchen Zustand zu bezeichnen hat und welche traurige Folgen dieser hohen muß, läßt sich mit Worten kaum ausdrücken. — Was den Unterricht im Hebräischen betrifft, so werden diesem Lehrgegenstande in der Rosin'- schen Religionsschule in sämmtlichen 8 Claffen zusammen 19 Stunden wöchentlich gewidmet, in der der Reformgenoffenschaft wird Hebräisch in den 4 Nassen zusammengenommen wöchentlich 2 Stunden (!!) gelehrt. Magdeburg, 7. April. (Privatmitth.) Am 5. d. fand die diesjährige Confirmation mit 11 Knaben und 9 Mädchen hier statt. Da eS gerade der zweite Ostertag war, so war die große Synagoge von einer außerordentlichen Menge Besucher aller Confesstonen bis auf den letzten Raum gefüllt, und dennoch folgte die Zuhörerschaft der zwei und eine halbe Stunde dauernden Handlung mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Warmbrunn, im April. (Privatmitth.) Der dreizehnte Rechenschaftsbericht der hiesigen jüdischen Bade- Armenkasse aus dem Jahre 1857 ist erschienen und zeigt eine Ausgabe von 378 Thlr., welche aber durch die Einnahme nicht gedeckt wurde, so daß ein Pfandbrief von 25 Thlr. verkauft und der Rest von 11 Thlr. aus dem vorigen Jahre verbraucht werden mußte. Um so dringlicher müssen wir die folgende Ansprache der edlen Männer, welche sich der Verwaltung dieser Kasse unterzogen haben, zur Berücksichtigung empfehlen. Sie lautet: Durch die vorstehend verausgabten 377 Thlr. 18 Sgr. 11 Pf. sind in vergangener Badesaison acht und dreißig jüdische, arme Badegäste aus der hiesigen jüdischen Badearmen-Kaffe versorgt worden mit freier Kur und den nöthigen Bedürfnissen zum Lebensunterhalt; und wir erfüllen hiermit eine angenehme Pflicht, wenn wir den edlen Wohlthätern, die unS mit milden Beiträgen unterstützt, den herzlichsten Dank aussprechen; da eS uns nur durch die reichlichen Spenden, wie sie bisher noch nie eingegangen, möglich geworden, dm dringendsten Ansprüchen der Armen genügen zu können. So reichlich aber auch die Beiträge, vorzüglich von Badegästen, in vergangener Saison waren, so hat eS doch nicht vermieden werden können, daß ein Deficit von circa 24 Thlr. entstanden, zu dessen Deckung ein 4 °/o Pfandbrief von 25 Thlr. verwechselt werden mußte. — Es ist sehr traurig, wenn ein wohlthätigeS Institut, das nur mühsam ein kleines Capital von 150 Thlr. (75 Thlr. 3 V» °/o Staatsschuldscheine sind Legate) durch mehrere Jahre zusammengespart, sich in die Nothwendigkeit versetzt sieht, diesen seinen kleinen Fond anzugreifen, um laufende Ausgaben, dringende Forderungen der Armen, die nicht abgewiesen werden können, zu decken. Wer aber trägt die Schuld dieser traurigen Erscheinung?— Einzig und allein die Vorstände der jüdischen Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten. 17

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