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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-19 · Heft 17 (19.4.1858) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 17 (19.4.1858)
Date
1858-04-19
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 drängt aber immer mehr darauf, daß es anders werde. Die neuen Bedürfnisse sind vorhanden, und wollen befriedigt werden. Andererseits bedarf es ungewöhnlicher Kraftanstrengung, um der Strömung, welche alles Positive hinwegzuschwemmen droht, welche nicht blos das Gesetz, sondern auch Erkenntniß und Pflicht aufzulösen strebt, entgegenzutreten. Dazu bedarf es einer gewissen Verbindung, einer gewissen Solidarität unter den Rabbinen eines Staates, und diese ist es, welche vor Allem durch die beabsichtigte Versammlung der preußischen Rabbinen begründet und angestrebt werden soll. Fiterarischer Wochenbericht. Magdeburg, 7. April. Die neue Auflage des Pentateuchs auS dem Bibelwerke des Di*. Philippson ist so eben im Druck fertig geworden. Die Verlagsbuchhandlung hat Specialtitel für jedes der fünf Bücher Moscheh drucken lassen und legt sie der letzten Lieferung bei, so daß jedes der fünf Bücher besonders gebunden werden kann. Außerdem ist dem Werke eine Tabelle über den dreijährigen CycluS zugefügt worden. Der Druck des Buches der Haph- Etvroth hat begonnen. — Paris, 7. April. Das erste Heft des von dem jetzt in Paris weilenden Senior Sachs herausgegebenen irrnnln ist nunmehr vollständig geschloffen. Der Schluß enthält unter Andern: auch Parallelen zwischen Gabirol und Aben Esra, Form und Materie betreffend. Ferner der 2te Abschnitt des mit Nachweisungen, daß er dem Zsaac Latif angehört und nur irrthümlich dem Aben Esra vindicirt worden ist; endlich noch eine Erklärung einer sehr dunkeln Midraschstelle. Die Besitzer der irrrin, so weit sie bereits seit mehreren Jahren erschienen war, können sich den Schluß derselben für 5 Sgr. und das ganze Merkchen vollständig für 20 Sgr. entweder vom Verfasser, gegenwärtig in Paris, unter Adresse: 8enior LaeliL k Paris, Rue Fivoli No. 170, chez Mr. Gunzbourg, oder von dessen Frau: Mad. Bertha Sachs, Bade-Straße No. 85 in Gesund- Brunnen bei Berlin, oder von den Buchhändlern Herren O. Leiner, Fritzsche in Leipzig verschaffen. Da nun das erste Heft geschlossen ist, so steht jetzt dem Erscheinen des 2ten Heftes (das bereits über ein Jahr fertig liegt) nichts im Wege. Preis desselben wie der des ersten Heftes. Jedoch ist der Preis des 2ten Heftes (da dieses subventionirt ist) für die Mitglieder ves Instituts zur Beförderung der jüdischen Literatur nur 10 Sgr.. Zeitungsnachrichten. Deutschland. AuS der Provinz Fulda. (Privatmitth.) Der selige Levisohn war ein stiller, frommer Mann mit gediegener Lehrerbildung, sein Wissen reichte weit hinaus über das Gebiet des gewöhnlichen Lehrers und mit vielem Nutzen und Segen wirkte er in seiner Schule. Doch hat er in der jüdischen Gemeinde zu Fulda nie die Anerkennung gefunden, die einem still wirkenden und bescheidenen Lehrer gebührt; denn in dieser Gemeinde darf nur Der das Haupt emporheben, nur Der auf Achtung und Liebe Anspruch machen, der durch fleißiges „SchulengehenV, durch den Zwickbart und durch andere Werkheiligfeit seine Frömmigkeit zur Schau trägt. Wer sich öffentlich Morgens und Abends mit seinem Gotte abfindet, der wird als ebenbürtig „in der Gemeinde der Frommen" betrachtet. In sittlicher Beziehung stand der sel. Levisohn als ein Muster da, in der äußeren religiösen Praxis hat er nie Anstoß gegeben; dennoch zuckte man die Achsel über ihn, weil er die nii'dn nicht nach dortiger Weise zu ererciren verstand. Levisohn hatte eine sehr schwierige Stellung; denn als öffentlicher Religionslehrer an der Schule für Mädchen und Knaben sollte er neben einem methodischen Religionsunterricht wo möglich alle Knaben so weit in Gemara und Mischnah unterrichten, wie dieses früher durch die vielen Privatlehrer der wohlhabenderen Familien dortselbst ermöglicht wurde. Doch ist dies eine alle Erfahrung, daß inaa und mato» nur in eigens dazu eingerichteten Schulen, nie aber in einer mehrclassigen von Mädchen und Knaben besucht werdenden Religionsschule, an welcher nur ein Lehrer wirkt, mit Erfolg betrieben werden kann. Der Grund hiervon wurde aber nicht eingesehen oder beachtet, und darum hatten alle Leistungen dieses braven Lehrers auch keinen Werth bei den Fuldaern; denn die Jungen haben kein Blatt 8-,m gelernt. Der weiland hochwürdige Rabbiner hpsr 'n wußte eS wohl zu schätzen, wenn die Knaben in einer Gemeindeschule ein Capitel im Pentateuch mit Verständniß übersetzen konnten; aber die folgenden hochgelahrten Herren habend wahrschein-

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