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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-12 · Heft 16 (12.4.1858) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 16 (12.4.1858)
Date
1858-04-12
Page
Seite 217 (sequence 7)
Language
German
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217 ihr Vermögen sich um SOS Thlr. gegen das Vorjahr erhöht hat. Die Einnahmen an Eintrittsgeldern und Beiträgen der Mitglieder h. betrugen mit Einschluß deS vorjährigen baaren Bestandes von 137 Thlr. 23 Sgr. und den Zinsen der Fonds der Gesellschaft 1478 Thlr. 8 Sgr. Die Ausgaben belaufen sich nach Abrechnung von 487 Thlr. 24 Sgr. 9 Pf., welche zinsbar angelegt worden sind, auf 990 Thlr. 13 Sgr. 3 Pf., wovon allein 445 Thlr., außer den nicht unbedeutenden Kosten für Arzneien, Bäder re., zu direkten Geldunterstützungen verwendet worden sind. Bestand blieben ult. December v. I. baar 7 Thlr. 24 Sgr. 9 Pf. und 2300 Thlr. in Fonds. Die Vereinsärzte haben im abgelaufenen Jahre 101 Patienten behandelt, von denen 94 geheilt und 7 noch in Behandlung sindt Der Vereinswundarzt hat 32 Besuche gemacht. — Das Vorstandsmitglied Herr A. H. Heymann berichtete alsdann über das von ihm in's Leben gerufene und von dem Verein dankbar aufgenommene HülfSinstitut der Gesellschaft zur Unterstützung für Wittwen und Waisen der Mitglieder. Es wurde in dem Bericht hervorgehoben, daß der Grundstein auch für dieses Institut gelegt sei und,dasselbe sich, wenn das jetzt herrschende Interesse dafür nicht erkaltet, auch baldigst segensreich entwickeln werde. Theils durch einmalige, theils durch die laufenden Beiträge, welche für daS Institut gezeichnet worden, theils durch sonstige außerordentliche Zuwendungen ist es möglich gewesen, einen Fonds von 600 Thlr. in zinsbaren Papieren zu gründen. Unter den außerordentlichen Zuwendungen befinden sich 76 Thlr. als Ertrag zweier Bälle, welche zu diesem Zweck im vorigen Jahre stattfanden, wovon aber der eine in eine sehr ungünstige Zeit fiel. Es gereichte dem Vortragenden zu einer ganz besondern Freude, die durchaus würdige Haltung der schlichten Handwerker, welche der edle Zweck und der Eifer für denselben bei diesen Bällen zu einem geselligen Vergnügen vereinigt hatte, anzuerkennen, und er sprach den Vereinömitgliedern Herren Loewenthal,Lauenbur g?r und Gold bäum, welche sich um das Zustandekommen der Bälle mit dem regsten Eifer wohlverdient gemacht, den Dank des'Vorstandes auS. Es wurde schließlich beantragt, zur Entwerfung des Statuts für die HülfSanstalt im Verein mit dem Vorstande eine Commission von sechs Mitgliedern zu ernennen, welcher Antrag auch nach einigem Widerspruch angenommen warb. AuS Schlesien, 31. März. (Privatmitth.) Während deS Jahres 1857 sind in der Synagogen-Gemeinde Breslau 250 Kinder (122 Knaben und 128 Mädchen) zur Welt gekommen, 181 Personen >92 männliche und 89 weibliche) mit Tode abgegangen und 80 Paare getraut worden. — Die Polemik, welche Ende vorigen JahreS durch Geiger'S Brochüre: „Ueber den Ausritt auS dem Juventhume — ein aufgefundener Briefwechsel", hcrvorgerufen worden, scheint noch immer kein Ende nehmen zu wollen.. So ist erst vor wenigen Tagen wieder — bei Dülfer in BreSlau — ein Schriftchen erschienen, welches „vr. Geiger's Reform-Judenthum in seinem ausgefundenen Briefwechsel" betitelt ist. Der anonyme Verfasser nennt sich einen „Freund des biblischen Judenthums". Des Schriftchens Inhalt ist uns noch nicht bekannt. — Am 15. d. M., als am rh"y, wurde, — wie alljährlich an diesem Tage — von der Synagogen-Gemeinbe Breslau die „Todtenfeier auf dem Friedhöfe" begangen. Obwohl der neue Friedhof der Gemeinde bereits eingezäunt, mit den nöthigen Gebäuden und Hallen verseyen, ja sogar schon mit manchen reichenhügeln bedeckt ist, so hat man sich diesmal doch noch auf dem alten Friedhofe versammelt, um die üblichen Gebete re. abzuhalten. Aber selbst hier bei den Todtcn, wo man so recht daran gemahnt wird, wie thöricht die Unterschiede sind, die wir Menschen im Leben machen, — hier, wo die Gebeine des freisinnigsten Reformers neben denen deS stabilsten Orthovor.n, wie die des reichsten Gcldfürsten nebeil denen des, bescheidensten Almosenempsängers ruhen — auch hier hat der CultuS nicht verfehlt, in zweierlei Gestalten aufzulreten, im alten und im neuen Gewände sich zu zeigen. Wenn man indeß der jetzigen Zeit gar noch so Vieles vorwerfen kann, die „Unhöflichkeil" kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht, der „Taktlosigkeit" kann sie nicht geziehen werden. Das „Neue" wird nie vergessen, baß es aus dem „Alten" hervorgegangen, und daher diesem — wo es nun einmal gilt, beide Richtungen repräsentirt zu sehen, — auch immer den Vorrang lassen. Was Wunder also, daß auch hier zuerst die „Altgläubigen" und nach ihnen die „Freunde der Reform" in der Todlenhalle sich versammelten? — Die Elfteren mitmen Psalmen und hörten eine Draschah von ihrem Geistlichen, Herrn Landrabbiner Tiktin, um sich dann über baö weite Leichenfeld zu zerstreuen und an den Gräbern verstorbener Verwand-

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