Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1858)
- Date
- 1858-04-05
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Juden, nach der alten bewährten Regel: „Schlägst Du meinen Juden, schlag ich Deinen Juden." Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im März. (Privatmitth.) DaS in diesen Blättern bereits öfter erwähnte, in Kurzem in trefflichster Ausstattung erscheinende Werk des vr. Kämpf „Die zehn Makamen aus dem Tachkemoni" wird in einem erweiterten Plane veröffentlicht werden. Unter dem Titel: „Nicht-andalusische Poesie andalusischer Dichter aus dem Ilten, 12ten und 13ten Jahrhundert, ein Beitrag zur Kenntniß der Poesie deS Mittelalters", wird es aus zwei Theilen bestehen. Der erste wird die deutsche Bearbeitung der betreffenden Dichtungen mit biographischen und literärischen Ercursen, und zwar die zehn Makamen des Tachkemoni, die Dichtungen von Jbn Gabirol, M. Jbn Esra, Jehuda Halevy, Jos. Jbn Sahal u. A., der zweite Theil den Urtert mit deutschem Commentar enthalten. Die zahlreichen humanistischen Institute, welche sich in unserer Gemeinde befinden, werden am 19. k. M. um ein großartiges bereichert werden. Durch die Hochherzigkeit der verstorbenen Frau von Lämel wird an diesem Tage eine Versorgungsanstalt für ohne ihr Verschulden herabgekommene Individuen beiderlei Geschlechtes eröffnet werden. Ob zwar es im Plane liegt, 30 Personen beiderlei Geschlechts in dieselbe unterzubringen, so werden vor der Hand nur 8 Männer und 7 Frauen am genannten Tage, dem Geburtsfeste des Kaisers Ferdinand deö Gütigen, in dieselbe einziehen. Diese Anstalt, zu welcher ein eigenes Haus in der Kreuzgasse angekauft wurde, an welchem sich auch ein kleiner Garten befindet, ist derart eingerichtet, daß den Aufgenommenen nicht nur Nahrung und Kleidung, sondern auch ein Theil der Behaglichkeit und deS Comfort geboten wird, an den sie in ihrem Vorleben gewöhnt waren. Unter dem Vorsitze des Cultusrepräsentanten Herrn Ernst Wehli leitet ein eigenes Comite diese Anstalt, und ein dazu angestellter Hausverwalter hat die Versorgung der Aufgenommenen unter seiner Obhut. — Aus dem Rechnungsbericht des Privat-Fraucnvereins zur Erziehung armer israelitischer Waisenmädchen ist ersichtlich, daß das Vereinsvermögen am Schlüsse des Jahres 1857 aus 7190 Fl. in Obligationen und 2714 Fl. 383/4 3£r. in baarem Gelde bestand; ferner besitzt der Verein für bestimmt angegebene Zwecke zum Besten der Stiftlinge 380 Fl. in Rational-Anlehen-Obligationen. In diesem Institute, dessen Seele die Direktorin Frau von SalomSfeld, erhalten jetzt acht weibliche Zöglinge den Unterricht und die gänzliche Verpflegung und mit der Zunahme der Vereinsmittel, die durch Spenden und Jahresbeiträge herbeigeführt werden (erstere betrugen im vorigen Jahre 341 Fl. -24 Xr., letztere 1346 Fl.), wird auch die Zahl der Zöglinge vermehrt werden, zu welcher immer einige sich in Vormerkung befinden. So blühend nun dieses Institut mit seinen verhältnißmäßig geringen Mitteln dasteht, so verfallen ist das Institut der Waisenknaben, das sogenannte Beth hamidrasch bei seinen reichen Mitteln, und dies einzig darum, weil es eine ZÄ1 lang, nein — eine lange Zeit in seinen verknöcherten Institutionen des ZopfthumS fortlebte; erst in jüngster Zeit versuchte man eS, an diesen zu rütteln, aber auch dies reicht nicht hin. Dieses Institut muß vom Grund aus umgeändert, der Jetztzeit und ihren Verhältnissen angepaßt werden, dann dürfte sich sehr zweckmäßig die seit dem begonnenen Schuljahre errichtete Talmud-Thora-Schule für hebräischen Unterricht damit verbinden lassen. Die vor Jahren nicht unbedeutende Zahl der Zöglinge diese- Waisenhauses ist nun (wie ich erfahren) bis auf vier zusammengeschmolzen. Prag wäre glücklich, wenn eS nicht mehr arme Waisenknaben hätte, denen ein öffentliches Asyl zu-Gute käme; allein welchen Vormund nicht der Grad seiner Bildung, den hält ein Jnstinct zurück, seine Mündel diesem Institute zu überlassen, indem die letzteren vielleicht dann sich selbst überlassen wären. Eine radicale Reform dieses Institutes thut dringend noth, und — sie muß kommen. Möge dies also bald geschehen, eingedenk, daß die Zukunft vieler Menschen davon abhängt, welche durch dieses Institut zu den glücklichsten herangebildet werden können. — Der von Israeliten gegründete und durch sie bestehende Verein zur Unterstützung unbemittelter, er. werbsfahiger Individuen ohne Unterschied der Religion hielt am 21. v. M. seine zehnte Generalversammlung, welche von dem neuen Protektor dieses Vereins, dem Herrn Statthaltereirathe Rieger, Ritter von RiegerShofen, im israelitischen CultuSgemeindehause feierlich eröffnet wurde. Auö dem Geschäftsberichte ersah man, daß im vorigen Jahre 82 Darlehenswerber mit 2840 Fl. belehnt und 10 Arme am Genesungsfeste Sr. k. k. apost. Majestät mit Spen-