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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-05 · Heft 15 (5.4.1858) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 15 (5.4.1858)
Date
1858-04-05
Page
Seite 201 (sequence 5)
Language
German
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201 hoffen die Zeit zu erleben, wo einem jüdischen Unterhaus- Mitglied, oder auch einem jüdischen Peer, nichts mehr im Wege stehen wird als die natürliche Vorliebe der Christen für Christen. Aus den, über das Maß des Gewöhnlichen nicht hinausschreitenden Debatten heben wir in Kürze Folgendes hervor: Ein Amendement Cogan's, welches bezweckt, der Eidesformel eine solche Fassung zu geben, daß sie für Mitglieder aller Confessionen dieselbe sei, wird mit 345 gegen 66 Stimmen verworfen. Newdegate beantragt die Auslassung des 5. Artikels, welcher bestimmt, daß, wenn ein Jude einen Eid zu leisten hat, die Worte: „und ich gebe diese Erklärung auf den wahren Christenglauben ab," wegfallen sollen. Er entwirft ein Bild von dem gegenwärtigen Judenthum, das sich auf den Talmud stütze und dessen Lehren unmoralisch, anti-social und antinational seien.*) Drummond betrachtet die Frage als eine rein religiöse. Wofern die Zulassung der Juden nicht aus religiösen Gründen verwerflich sei, liege überhaupt kein Grund vor, die Juden vom Parlament auszuschließen. Foictescue hält es für des Parlaments würdig, einer kleinen Körperschaft, wie den Juden, ein Zugeständniß zu machen, das man ihnen nicht verweigert haben würde, wenn sie mächtiger wären. Walpole setzt auseinander, weshalb er die Zulassung der Juden zum Parlamente bekämpft. Nicht die Fassung der Eidesformel stehe ihr entgegen, sondern die Unfähigkeit der Juden, sich mit dem englischen Volke zu verschmelzen. Die Juden seien einfach deshalb nicht durch eine besondere Verfügung ausgeschlossen, weil man es als etwas sich ganz von selbst Verstehendes betrachtet habe, daß ihnen der Zutritt zum Parlament nicht gestattet werden könne. Maguire, Roebuck und Sir R. Bethell sprechen für die in Rede stehenden Artikel der Bill. Lord I. Russell bemerkt, Walpole brauche als Argument für die Ausschließung der Juden die Behauptung, daß sich alle Gesetze Englands auf das Christenthum stützten. In ähnlicher Weise habe *) Es ist ergötzlich zu sehen, wie die Ultramontanen ihre Verdammungsurtheile je nach den Umständen modificiren. Ander Themse erklären sie die Juden für antinational, weil sie dem Talmud anhängen; an der Spree, weil sie vom Talmud abgefallen; und an der Donau wieder, weil die Juden nach dem Talmud leben und sterben. Die einzige Rechtfertigung ist, daß diese Leute weder an der Themse, noch an der Spree, noch an der Donau den Talmud kennen, und sich um so mehr berechtigt fühlen, daraus zu machen, was sie wollen. Redaction. man früher die Ausschließung der Katholiken durch daS Vorgeben zu rechtfertigen gesucht, daß sich die englischen Gesetze auf den Protestantismus stützten. Alle diese religiöse Intoleranz jedoch sei als Basis der öffentlichen Politik zusammengebrochen. Weit entfernt davon, dem Geiste des Christenthums zu widersprechen, werve die Zulassung der Juden eine christlichere Handlungsweise sein, als die bisher beobachtete. Bekanntlich entschied das Unterhaus mit einer Majorität für die Bill, welche daS Doppelte der Opposition zählte. Das Blatt des Tory-Ministeriums, der Morning-Herald, ist furchtbar erbittert und läßt sich sogar zu der Behauptung herab, daß Lord I. Russell hinterlistiger Weise die Comit6berathung über seine Bill auf den Mittwoch anberaumt habe, wo in Folge des ersten Levers der Königin unter dem Tory-Ministerium viele Regierungsmitglieder in der Sitzung des Unterhauses fehlen mußten. Es erweist sich dies um so mehr als eine Falschheit, da am 22. März, wo kein Lever stattfand, das Unterhaus die Comit6abstimmung mit gleicher Majorität angenommen hat. Wir glauben allerdings, daß bei der sicheren Verwerfung der Bill durch das Oberhaus es die Ehre des Unterhauses, Lord I. Ruffels und der ganzen liberalen Partei verlangt, den Weg der Resolution zu betreten. Da das Unterhaus bereits siebenmal die Bill votirt hat, so kann die Gegenpartei, in einer Handvoll Lords bestehend, gegenüber der immensen Majorität der Volksvertretung, wahrlich nicht über Hinterlist und Zwang klagen, da es wohl nicht mehr an der Zeit ist, daß ein paar Feudalherren über die inneren Angelegenheiten des Unterhauses eine unbeschränkte Herrschaft üben sollen. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, im Marz. „Die Geheimnisse der Juden, von Herrmann Reckendorf. Leipzig, 1857. 8." Unter diesem einem Werke Sue's ,,^8töre8 du peuple“ nachgebildeten Titel giebt der Verfasser „einen Auszug der Geschichte der jüdischen Nation, seit dieselbe ihre Selbstständigkeit verlor, bis auf die neueste Zeit." Mit vielem Geschick sind die merkwürdigsten Momente dieser Geschichte hervorgehoben, in einer ansprechenden Weise als Stoff einer Reihe von Novelletten benutzt, die durch den Rahmen einer Familienchronik der Abarbanels zusammengehalten werden. Es reiht sich diese Arbeit den in neuester Zeit

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