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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-05 · Heft 15 (5.4.1858) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 15 (5.4.1858)
Date
1858-04-05
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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200 Cisterne: es ist ein ewig frischer lebendiger Quell, und darum ein ewig frischer Quell des Lebens — als solchen wollen wir es uns und unseren Nachkommen wahren. Dereinst werden dann die Dürstenden von allen Säumen der Erde zu ihm eilen, und ihn weder von der Gluth des Sommers versiegt, noch von dem Froste des Winters erstarrt finden. Großbritannien. Wir haben schon in voriger Nummer das Resultat der Abstimmung des Unterhauses über die Eidbill und hiermit über die Zulassung der Juden ins Parlament mitgetheilt, die diesmal eine so bedeutende numerische Stärke für uns zeigt, daß, obgleich die ganze Verhandlung kaum noch eine Wichtigkeit besitzt, dieser energische Ausspruch des Unterhauses als bedeutend anerkannt werden muß. Im Uebrigen können wir über diesen Vorgang nur wiederholen, was wir bei den früheren derselben Art stets geäußert haben, einerseits, daß das Oberhaus doch die Bill wieder verwerfen wird, noch dazu, da unterdeß, wie früher schon einmal, ein Tory-Ministerium eingetreten, welchem gegenüber das Votum des Unterhausesschon als eine Schlappe bezeichnet wird; zweitens daß von Lord John Russell angenommen werden muß, er treibe wirklich durch seine Bills nur ein Spiel mit dem Unterhause und den Juden zugleich, wenn er nicht endlich sich entschließt, die Angelegenheit als eine einfache Resolution vor das Unterhaus zu bringen. Wir heben hierüber aus einem langen Leitartikel der Times Folgendes hervor: „Es ist fast überflüsflg, das Schicksal der Bill im Oberhaus vorauszusagen. So lange jedes Ministerium einen oder zwei Lords enthält, welche geschworne Feinde des jüdischen Stammes sind, und so lange es Peers zu Dutzenden giebt, die gegen eine Judenbill in jedweder Form stimmen, wenn fie auch sonst parlamentarisch gar nichts thun, würde es Affectation sein, viel von Lord I. Ruffells Maßregel zu erwarten. Ihre einzige Chance läge in einer billigen Besorgniß der Lords, daß es einmal den Gemeinen einfallen könnte, ihr Haus ebenso für sich allein zu bestellen, wie jene (die Lords) sich nichts in ihren Haushalt einreven lassen. Ließe das Haus der Gemeinen die Juden, anstatt durch eine Bill, durch eine einfache Resolution zu, so bliebe den Lords nichts übrig, als in ihren Kutschen nach dem Buckinghampalast zu fahren mit einer langen Adresse, welche der jetzige Lordkanzler (Lord Chelmsford, der als Sir Fred. Thefiger noch unlängst die Opposition des Unterhauses gegen die Eids-Bill führte) gewiß Ihrer Majestät mit großem Vergnügen vorlesen würde. Aber das würde an dem fait accompli im Unterhause nichts mehr ändern. Es giebt im Oberhause einige, die klug genug sind, einzusehen, daß dies ihrer Würde, vielleicht ihrer Macht im Staat Abbruch thun könnte, und die daher Bedenken tragen, ihr Gewissen um so hohen Preis zu erleichtern; aber im Unterhaus selbst hat noch niemand auf jenen Ausweg hingedeutet als Hr. Duncombe, der ihn alsbald eingeschlagen sehen will. Indessen vor der Hand ist es wohl taktvoller, die Sache nicht so zu übereilen; und ein Bißchen Tact hat den Juden schon in mancher Schwierigkeit durchgeholfen. Was ihnen bei der vorliegenden Frage entgegensteht, ist nichts als brutale Gewalt, da kein einziges vernünftiges oder religiöses Argument angeführt werden kann für ihre Ausschließung von einer legislativen Versammlung, die, der Natur der Sache nach, in ihren Hauptbestandtheilen immer eine christliche bleiben wird; gegen brutale Gewalt aber braucht der Schwache besser Besonnenheit als Hinterlist." Das Blatt wiederholt hier eine Reihe bekannter Gründe für vollständige Emancipation der Juden, und argumentirt: am Ende ließe sich noch mehr für eine erclufiv christliche Volksgemeinde sagen als für ein erclufiv christliches Parlament. Nachdem Juden unbeanstandet in England wohnen, und ihre Rechte und Pflichten als englische Unterthanen haben, wäre es nur billig, daß auch einige Männer dieses Glaubens im Parlament sitzen, um erforderlichen Falls die Interessen dieser Volksclaffe vertreten zu können. Dann kommt folgender Hieb auf Lord Jyhn Russell: „Se. Lordschaft macht sich nachgerade lächerlich, da er immer als treuester Freund der Juden auftritt, ohne etwas für sie auszurichten. Meint er es ernst? Manche bezweifeln es. Es giebt gewisse Unkosten und andere Unannehmlichkeiten, der sich ein Mann unterwirft, um im Parlament zu sitzen, und Lord John besitzt vielleicht eine permanente Bestallung für Baron Rothschild als Preis für seinen Sitz. Das Arrangement besteht schon ziemlich lange, und der würdige Baron hat bereits viele Jahre seiner verheißenen parlamentarischen Carriöre verloren. Möglich, daß er einst zudem Seinigen kommt, aber eine kurze Zukunft entschädigt nicht immer für eine lange Vergangenheit. So ist es denn die Pflicht Lord Johns, für seine Clienten endlich einmal etwas Tüchtiges zu thun. Er braucht nur all seinen Einfluß auf die liberale Partei aufzubieten, und der Erfolg kann ihm kaum fehlen. Wir

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