Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1858)
- Date
- 1858-03-29
- Page
- Seite 193 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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193 Zeitungen erklären mag: wir haben nur zwei Elemente in der Synagoge, das ägyptische, die Mumie, und das babylonische — ein immer sich bewegendes Chaos. Die Mumie zerfällt wieder in zwei Theile. Die Russen, die haben, was sie nennen, ihr Beth Hamibrasch; ihre Absicht ist, daS russische Judenthum selbst in Calisornien in seiner Integrität zu bewahren. Sie haben daher ihr Zimmer in einem hölzernen Gebäude, wo, wenn ich nicht irre, an Montag und Donnerstag und Sabbath, Fest- und Fasttagen „ge dawent" wird; da werden auch einige Sepharim gehalten. Im Innern des Zimmers sieht's aus, wie in einem russischen Chewrazimmer; die Lampen und Sitze tragen keine Spuren von modernem Fortschritt in der Mechanik. Die Lampe steÜt eine Krone dar; die aber vorsätzlich nicht lackirt ist (daS würde ihr ja ein profanes Ansehen geben), und die Abtheilungcn zwischen den Männer- und Weibersitzen, in einem niedrigen Zimmer, erinnerten mich an eine Menagerie. — Leider spreche ich nur gar zu ernst. Ich scherze nicht mit dem Unglück meines Volkes. Die polnische Synagoge, die tritt schon einen Schritt näher der europäischen Cultur. Die hat schon durch Zufall einen Hazan mit einem Salair von 100 Dollaren monatlich auf ein Jahr engagirt. Nun die Synagoge Emanuel, die will durchaus als Reformgemeinde betrachtet werden. Sie hatte vor drei Jahren den jetzigen Redacteur des „Olesner" und des „California Family Visitor“ engagirt. Wir enthalten uns eines Urtheils über den moralischen Charakter jenes Mannes; er ist in Berlin, wo er neun und ein halbes Jahr rite studirt hat, und von dessen Rabbinal er auch die hat, wie auch in Breslau und London wohlbekannt, und in Amerika wohl — ich meine hart — geprüft worden; was dessen Wissen anbelangt, auch darüber mag ich nicht urtheilen. Jedoch so viel ist gewiß, daß keine Zeitung in California von der allgemeinen wie von der christlich religiösen Presse bei ihrem Erscheinen mit solchem Lobe empfangen worden ist. „The Gleaner“ wird von Juden und Christen mit großem Beifall gelesen, und The California ■Visitor ist noch zu neu, um darüber ein völliges Urtheil fällen zu können. Der Redacteur etablirte gleich bei seiner Ankunft eine Religionsschule, die Vortreffliches leistete; aber zum Unglück fand es sich, daß er aus dem Herzogthum Posen gebürtig, also ein „Polak" sei. Das wäre schon genug, ihn dem Deutschen verhaßt zu machen, wenn er auch nicht die Abneigung des Vorstandes durch zwei unbesonnene Schritte, die er begangen, sich zugezogen hätte; nämlich er wollte einem Schochat keine pHnp geben, der am Sabbath öffentlich im Scharren servirt und Fleisch austrug, und auch einige Monate vor der Application um Kabbalah im christlichen Logis wie auf dem Schiffe gespeist. Und zweitens, weil der Rabbi seinen Unwillen in etwas ungemessenen Ausdrücken in der zweiten Neujahrspredigt kundgab. Das gab Anstoß; der Vorstand meinte, daß der Widerstand des Rabbi hierarchische Anmaßung wäre; daß freie Bürger für ihr Geld sich keine Schranken setzen lassen wollten, und so wurde das Verhaltniß aufgelöst, und die Gemeinde ist nun feit zwei Jahren ohne wirklichen Lehrer. Dieselbe sieht jetzt der Ankunft des Hrn. Dr. Grunbaum aus Landau entgegen, der, als ihr Landömann, vielleicht besser sortkommen wird. Vom Gemeindewesen gehen wir aufs Schulwesen über. Auch da spiegelt sich der Nationalismus ab. Die Russen haben ein “iin, ein russischer junger Mann ohne alle Schulkenntnisse „lernt mit Kindern im nnn", welches im Beth hamidrasch gehalten wird. Die polnische Schule, die unter englischem Einflüsse steht, hat eine Art Halb -nnn, das etwa von 18 jüdischen Kindern besucht wird, und aus Mangel an Sachkenntnissen von Seiten der regierenden Macht in einem unterirdischen Gemache, das feucht und ziemlich dunkel ist, gehalten wird. Außer diesen giebt's noch eine jüdische Schule eines Herrn Levy, der an der Synagoge Emanuel zu gleicher Zeit als Religionslehrer engagirt ist; eine andere eines Herrn Bien oder Bein und eine dritte, die eben von einem Unglücklichen, dessen Schicksal ihn neulich auch hier mißleitet hat, eingerichtet wird. Diese Schulen wirken alle zum Nachtheile der Kinder, da unsere Freischulen bessere Lehrer, bessere Einrichtungen haben und unter besserer Verwaltung stehen, während der jüdische Lehrer vom Kinde und von dessen Eltern abhängt. Außer diesen Schulen hat Dr. Eck noch eine Religionöschule, der er aber in Folge seiner Publicationen nicht mehr jene Aufmerksamkeit zuwenden kann, die er der Erziehung der Jugend in den ersten Jahren seines Hierseins zuwendcte. — Anzeigen. Für unsere Filial-Gemeinde KYritz wird sogleich oder (zum zur) Mitte April c. ein Lehrer, der zugleich das Vorbeter- und Schächteramt versehen muß, gesucht. 14**