Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1858)
- Date
- 1858-03-22
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 auch der erste jüdische RegimenlSrath in der österreichischen Armee und ihn trifft nun abermals das glückliche Loos, der Erste zu sein, an dem daS schöne Princip der confessionellen Gleichberechtigung von Seiten unseres erhabenen Monarchen in einer den Herrn und den Diener gleich ehrenden Weise zur Wahrheit geworden. Wenn nun das ganze österreichische Judenthum in dieser Ernennung einen neuen-erfreulichen Beweis der rühmlichen VorurtheilSlosigkeit unserer hohen Regierung, und daher auch eine Garantie für die Verwirklichung seiner Hoffnungen findet, so haben wir in Hone hier doppelt Ursache, unS dieses Ereignisses zu freuen, da die Auszeichnung eins unserer würdigen Gemeindeglieder trifft; Herr Dr. S. Hirsch ist nämlich der älteste Sohn unseres allgemein verehrten Gemeindevorstehers; dieser mit seltenen Geistes- und Herzensgaben ausgerüstete Greis sieht nun mit Freuden in dieser Ernennung den Sohn und den Juden geehrt. Großwardein, im Februar. (Privatmitth.) Dem Pesther Lloyd wird von hier geschrieben: DaS lithographirte Portrait deS in Großwardein verstorbenen verdienten ArzteS Dr. med. Friedrich soll in Ocl gemalt und in der Galerie deS Nationalmuseums aufgestellt werden. Holland. Amsterdam, 16. Februar. (Privatmitth.) Selten findet man in Zeit- und Literaturschriften Aufsätze über die holländischen Juden, ihr Thun und Streben; und wenn im Auslande etwas geliefert wird, ist eS gewöhnlich so oberflächlich, daß der Leser sich kaum einen richtigen Gedanken davon machen kann. Ich schreibe diesen für die holländischen Juden sehr zu bedauernden Umstand der Thatsache zu, daß ihre Landessprache, eben wie die aller kleinen Völker, nur sehr Wenigen bekannt ist, und die meisten Autoren daher nur nachschreiben, was ihnen durch Dolmetscher oder Uebersetzungen nur verstümmelt mitgetheilt wird. Diese Bemerkung machte ich wieder beim Lesen deS Aufsatzes deS gelehrten Herrn Mar Grünbaum im Jahrbuch der Israeliten für 5618 von I. Wertheimer in Wien, unter dem Titel: Amsterdam von der westöstlichen Seite. (S. 106—13.)* *) *) Herr Mar Grünbaum, jetzt in New-Dork, wohnte einige Jahre in Amsterdam, wo er ein fleißiges Mitglied Ich habe jetzt weder Lust noch Muße, Alles aufzugeben, was sich auf diesen schön geschriebenen, doch mangelhaften Aufsatz ließe beibringen; beschränke mich für heute also nur auf eine einzige Note (S. 126.), lautend: „Im Jahre 1851 starb in Amsterdam ein an- „gesehener Mann der portugiesischen Gemeinde, „Namens Ferrara, der, — man weiß nicht, „warum, — in seinem Testamente verordnet „hatte, man solle alle spanische Bücher seiner „Bibliothek mit ihm begraben, was denn auch „geschah." Mancher Leser spöttelt gewiß über diesen letzten Willen und seine Ausführung. Zur Ehrenrettung eines ausgezeichneten ManneS gestatten wir uns daher folgende Mitthcilung: Weiland Jacob von Eliazer FerrareS (nicht Ferrara) ward geboren in Amsterdam 1. Tamus 5531 (13. Juni 1771). Von dem Ursprung dieser Familie ist nur bekannt, daß sie aus Gibraltar nach Amsterdam gekommen und hicrselbst großen Handel führte; einige Mitglieder derselben wurden selbst zu Gesandten bei Höfen gebraucht. Die finanziellen Umstände des Eliazer (oder wie er schrieb Elihezer) FerrareS müssen später gesunken sein, denn als der Vater in der Blüthe seines LebenS Tamus 5544 (1784) starb, ward Jacob, 14 Jahre alt, und noch einer seiner Brüder 1785 in daS portugiesische Waisenhaus d^mm T3N ausgenommen, wo er sich bis 8. TiSri 5551 (16. September 1790) der besten Versorgung zu erfreuen hatte.*) Jacob scheint schon damals Anlage zum Studium der Theologie gezeigt zu haben. Denn im nämlichen Jahre 1785 ward er nach einem Eramen in das kleine »fi» (Einrichtung für d^ind) ausgenommen, wo er die drei Elasten nicht geschwind, aber mit eifrigem Studium durchlief, bei R. Juda und R. Moses Pisa. 15. Elul 5554 (10. September 1794) erhielt er eine Stelle im großen »“hm, wo er die Oberrabbinen R. David und Daniel d'Azevedo zu Lehrern hatte; auch die Rabbinen M. Josua Alvarez und Samuel MendeS da Solla. Beim Tode des Letztgenannten ward einer National «Literatur-Gesellschaft war, und wo ich die Gelegenheit hatte, ihn kennen und schätzen zu lernen. Corresp. *) ES gereicht diesem Waisenhause zur Ehre, daß viele gelehrte Männer darin erzogen worden. Corresp. IS**