Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1858)
- Date
- 1858-03-22
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 ©clc()pnl)iit. Die Lehrer scheinen eS überhaupt müde zu sei», jährlich beim Antritte einer neuen Stelle dem Gedanken — welche Stelle sie wohl nach Ablauf eines Jahres antreten werden— Raum geben zu müssen und wenden sich daher mit vollem Rechte, wenn auch mit blutendem Herzen, einem Wirkungskreise zu, worin sie wenigstens aufhörcn zur Classe der Zugvögel zu gehören. Nur hieraus läßt sich der faktische, in diesem Grade vielleicht noch niemals dagewesenc Lehrermangel erklären. Hier ist etwas faul, das beseitigt werden muß, wenn die Nachwelt die Gegenwart nicht anklagen soll, daß sie absichtlich, weil gleichgültig gegen alles jüdisch Religiöse, den Untergang der Religionsschule bewirkt, im allcrschonendsten Falle wenigstens nichts gethan habe, um diesem vorzubeugcn. ES gilt hier einer Zcitfrage, deren endliche Lösung immer unabweisbarer wird. Also ans Werk! Es ist hier eben so viel Ruhm als bei Erklärung eines vorsündfluthigen Wortes zu verdienen. — In Düsseldorf hat man auch eine kleine Befchneidungsfrage gehabt. Ein dortiger Vater ließ fein achttägiges Söhncken nicht beschneiden, verlangte aber dennoch, daß Di-. Feilchenfeld für seine Frau, als diese zum ersten Male nach dem Wochenbette die Synagoge besuchte, das von ihm zu diesem Zwecke eingeführte Gebet spreche. Rabbiner Feilchenfeld schlug dieses ab, weil das Söhnchen rite nicht beschnitten worden war. Die Consequcnz des Di-. Feilchenfeld hatte zur Folge, daß der Mann sein Kind, nachdem es sechs Wochen alt geworden war, beschneiden ließ, wodurch selbstredend die Sache ihre Erledigung fand. Österreichischer Kaiserstaat. Aus Galizien, Ende Februar. (Privatmitth.) Der Oberrabbiner zu Szegedin, Herr L. Löw, ist mittelst DccreteS der hohen Statthalterci-Abtheilung zu Ofen zum israelitischen Bezirksschulen-Aufseher ernannt worden. Es ist dies unseres Wissens der erste Fall im österreichischen Staate, daß israelitische Schulen unter Aufsicht eines Rabbiners gestellt werden, und scheint uns dies vereinzelte Factum besonders deshalb wichtig, weil cs die Geneigtheit der Regierung, den Israeliten innerhalb der Grenzen ihres cultucllen Lebens freien Spielraum zu gestatten, sobald sie Ursache hat, in die leitenden Persönlichkeiten volles Vertrauen zu sehen, deutlich zu erkennen giebt; mögen die Gemeinden bei der Wahl von Rabbinern solche Winke nicht unberücksichtigt lassen. Aus Prag wird uns mitgctheilt, daß sich daselbst gegenwärtig ein siebenjähriger Wunderknabe als schneller Kopfrcchner producire. „Er macht", versichert unser Correspondent, „die größten und schwersten Rechnungsaufgaben in einer Zeit von höchstens 5 Minuten, wie Ausziehen der Quadrat- und Kubikwurzel, Gleichungen mit zwei unbekannten Größen u. dergl. Bewundernswerth dabei ist aber die erstaunliche Präcisio» und Sicherheit des Rechnens. Derselbe ist jüdischen Glaubens,- aus Ungarn gebürtig, und wird von seinem Vater, einem Schneider, begleitet." Wäre es nicht viel wünschenswerlhcr, daß sich hochherzige Menschenfreunde, an denen cs in einer großen Gemeinde nie fehlt, des Kindes annähmen und diesem angebornen Genie eine angemessene Richtung gäben, als ihn für Geld zu bewundern und unter Begleitung seines beutelustigen Vaters zum sichern Bettler heranwachsen und verkümmern zu lassen? Unter dem Titel vbi-n romp “iso erschien vor Kurzem in der Officin von Ad. della Torre in Wien ein kurzer Abriß der allgemeinen Weltgeschichte in hebräischer Sprache, verfaßt von einem Herrn F. Goldstoff in Krakau. — In No. 2. d. Bl. stellt Herr Musterschulen-Dircctor A. Kohn in Temesvar eine dcmnächstige Mittheilung des Lehrplanes und der inner» Einrichtung der dortigen Musterhauptschule in Aussicht; dürften wir nun die Frage an ihn richten 'riyv Mta rnristt» ■wb yw: , tmb? Der als Pädagog bekannte Leone Tedesco in Venedig hat das Programm für die Errichtung eines ErziehungShauses für Kinder israelitischer Eltern in und um Venedig veröffentlicht. Austerlitz, l5. Februar. (Privatmitth.) Außer Saatz und Marburg ist es auch Wischau in Mähren, wo man eine Judenverweisung im kleinen Maßstabe und im modernen Style im Schilde führt, auch würde dieselbe bereits zur Ausführung gebracht worden sein, wenn nicht die hochweise und humane Regierung in väterlicher Sorgfalt ihren Schutz und Schirm angcdcihcn ließe. Es ist zwar ein einzelner Fall, aber immerhin von principiellem Interesse, und geeignet, einen Raum in diesem geschätzten Blatte einzunehmen.