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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-22 · Heft 13 (22.3.1858) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 13 (22.3.1858)
Date
1858-03-22
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 gegen, welches — merkwürdig genug! — keinen andern Zweck haben soll, als jüdischen Jünglingen, die sich dem Studium des Talmuds und der rabbinischen Wissenschaften widmen wollen, die Gelegenheit zu bieten, diese ihre Absicht zu realisiren. Mit andern Worten, es soll inmitten der Gemeinde Breslau ein Bethhamidrasch gegründet werden. Die Mittel hierzu liefert ein Fond von nicht weniger als 20,000 Thlrn., welcher vor etwa 20 Jahren von dem Banquier More Leipziger in Breslau zu diesem und keinem andern Zwecke letztwillig bestimmt worden. Da aber nach dem ausdrücklichen Willen des Fundators nur der sel. Oberrabbiner Sal. Tiktin mit der Errichtung und Leitung deS quäst. Instituts betraut werden sollte, Letzterer jedoch starb, ehe noch irgendwie an die Verwirklichung des Planeö hat gedacht werden können — eine Eventualität, welcher im Testamente auch nicht im Geringsten vorgesehen war, — so mußte die Frage, ob überhaupt und durch wen alsdann die Bestimmung des Legats auszuführen sei, der hohem und später sogar der allerhöchsten Entscheidung vorgelegt werden. Nach einer nunmehr eingegangenen Cadinets-Ordre aber ist die Vollstreckung des Leipziger'schen Legats dem Herrn Landesrabbiner G. Tiktin in die Hand gegeben — und wird derselbe, wie wir hören, recht bald ans Werk schreiten. — In Gleiwitz hat der so segenreich wirkende „Verein zur Unterstützung der Waisen und Förderung der Handwerke und Künste unter den Israeliten" neulich das 25jährige Jubiläum seiner Gründung gefeiert. — In Schrau, Oberschlesien, soll eine dreielassige Gemeindeschule errichtet werden. Vom Rhein, 28. Februar. (Privatmitth.) Schon aus dem Rückblicke in Klein'S Jahrbuche von diesem Jahre geht hervor, daß im Allgemeinen die Localrabbinen eine rüstigere, segensreichere Thätigkeit entwickeln, als manche Consistorialrabbinen, da diese ihre Thätigkeit in der Regel durch schöne, aber leere Worte, jene hingegen durch im hohen Grade beachtenswerthe Thatsachen an den Tag legen. Keinem Zweifel kann es aber unterworfen sein, daß eine schöne That hundert und mehrere schöne, leere Worte aufwiegt. Von einer solchen Thatsache, die in Preußen unseres Wissens vereinzelt dasteht, wollen wir berichten. Denn aus zuverlässigster Quelle haben wir erfahren, daß die Ortsbehörde zu Cöln dem dortigen Rabbiner Herrn Dr. Schwarz auf sein desfallsiges Gesuch als Religionslehrer, gleich den Geistlichen der beiden christlichen Consessionen, an der dortigen höhern Bürgerschule angestellt hat, freilich vorläufig ohne Gehalt. Wir sagen „vorläufig", weil mit Recht zu erwarten ist, daß die eben so humane als intelligente Behörde auch den Arbeiter des Lohnes werth halten und hiervon den Israeliten als solchen nicht ausschließen wird. Viele von den israelitischen Schülern der Bürgerschule, die deren wohl 50 zählen dürfte, haben vielleicht noch niemals jüdischen Religionsunterricht genossen und werden es einst dem Herrn Di-. Schwarz Dank wissen, daß sie von den trostreichen Wahrheiten und erhabenen Sittenlehren ihrer Religion einige Kenntniß erhalten haben. Möge das Beispiel des Herrn Dr. Schwarz seine Kollegen, denen ein ähnliches Gesuch von den OrtSbehörden höchst wahrscheinlich nicht abgeschlagen werden dürfte, zur Nacheiferung anspornen, damit nicht durch Nachlässigkeit der Hirten die Heerde Verluste erleide. Denn wohl werden sie wissen, daß 'ai nrn wvr Vd. Ueberhaupt läßt das Schulwesen und die Ertheilung des Religionsunterrichts noch Manches zu wünschen übrig und sollte dieses bei Zeiten Veranlassung sein, daß man Maßregeln ergreife und Mittel ausfindig mache, die hinreichend wären, die israelitische Schule vor Verwaisung oder gänzlichem Untergange zu bewahren. Fährt man aber auf dem betretenen Wege fort, so dürfte dieser Fall schneller eintreten, als man erwartet. Denn das wird wahrscheinlich dem Lehrerstande keine neuen Kräfte zuführen, wenn man-erfährt, daß sogar der intelligente Vorstand einer größer» Gemeinde eS nicht tief unter seiner Würde gefunden hat, sich von rohen Menschen seiner Filialgemeinde zur Verfolgung eines völlig unschuldigen Lehrers gebrauchen zu lassen. Daher können selbst ganz mittellose Eltern sich nicht mehr entschließen, ihre Kinder, für die sie auch gar keine Aussicht haben, für das Lehramt ausbilden zu lassen. Daher ist es aber auch kein Wunder, daß in Westphalen und Rheinprovinz nicht nur unbedeutende, sondern auch größere Gemeinden — man kann sagen, zu Dutzenden — seit Jahren trotz aller ausgeschriebenen Concurrenzen nicht zur würdigen Wiederbesetzung ihrer vacanten Lehrerstellen gelangen können, wenn sie nicht irgend ein verlaufenes Subject, das in seiner Person einen Anachronismus darstellt, engagiren wollen. Aber auch hierzu giebt es nur selten

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