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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-22 · Heft 13 (22.3.1858) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 13 (22.3.1858)
Date
1858-03-22
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 mehr, wo nicht schon einige oder mehrere Familien unseres Stammes anzutreffen wären. In vielen Dörfern schon wird mit Minjan gebetet, mehrere haben besonders eingerichtete Betstuben und einige sogar massiv gebaute Synagogen, wie z. B. Königshütte, Gogolin, Scheschowa, Boguschütz u. dgl. m. An der Synagoge in Boguschütz (bei Myslowitz) — welche erst (vergl. unfern Bericht in No. 37. v. I.) im vergangenen Sommer eingeweiht wurde — sollen über 60 jüdische Landfamilien (theilS aus dem Dorfe selbst, theils aus den umliegenden Ortschaften) Antheil haben. — Die Synagoge zu Scheschowa (Kr. Lublinitz) hat ein Alter von mehr denn hundert Jahren und ist äußerlich wie innerlich weit mehr einem christlichen als einem jüdischen Gotteshause ähnlich. Sie ist — noch vor dem Jahre 1750 — ganz auf Kosten der Gutsherrschaft erbaut worden, welcher damals sehr viel daran gelegen gewesen sein muß, daß die Juden, deren in Scheschowa und dessen Umkreise nicht wenige wohnten, beisammen blieben und sich nicht da- und dorthin zerstreuten. Zu der Zeit, als Lublinitz noch keine eigene Synagoge hatte, gingen die jüdischen Einwohner dieser Stadt nach dem ganz nahe gelegenen Scheschowa, um hier an dem öffentlichen Gottesdienste Theil zu nehmen. Nicht selten soll eS geschehen sein, daß — namentlich an den hohen Festtagen — in den Räumen der Synagoge zu Scheschowa über 200 Beter und Beterinnen versammelt waren. — Jetzt ist dies natürlich ganz anders; aber das alte Gotteshaus in Scheschowa steht noch, und es wird in demselben an Sabbathen und Feiertagen noch immer gebetet. — In sehr vielen Dörfern Schlesiens halten sich die Juden ihren eigenen Schächter, welcher in der Regel auch als Rcligionslehrer sungirt; da und dort trifft man aber auch schon eine jüdische Privatschule an, welche — da ihr ein geprüfter Lehrer vorsteht — den jüdischen Kindern des Dorfes den Besuch der christlichen Schule ganz entbehrlich macht. — Bei dieser Gelegenheit können wir die Bemerkung nicht zurückhalten, daß man in den meisten schlesischen Städten — wenn auch die gut organisirte jüdische Schule und der bewährte jüdische Lehrer nicht fehlen — noch immer so viele jüdische Kinder die christlichen Schulen des Ortes besuchen sieht. Und läßt man sich'S angelegen fein, nach dem Grunde dieser auffallenden Erscheinung zu forschen, — waS erfährt man? — Entweder, daß die betreffenden Eltern noch immer von dem thörichten Wahne besangen sind, eine jüdische Schule könne — selbst bei der besten Disciplin und der bewährtesten Tüchtigkeit der Lehrer — durchaus Das nicht leisten,, was ihre christliche Schwester zu bieten im Stande; oder sie (die Eltern) halten eS für eine größere Ehre, ihre Kinder auf den Schulbänken mit den Söhnen und Töchtern der christlichen Mitbürger des OrteS, als mit denen der Glaubensgenossen, der Mitglieder ihrer Gemeinde vereinigt zu sehen. Wir sagen absichtlich: „auf den Schulbänken." Denn über diese hinaus geht die Vereinigung nicht. Dies hat die Erfahrung schon allzu oft bestätigt, als daß es noch irgendwie bewiesen zu werden brauchte. Und daß eS so ist und nicht anders, wem aus unserer Mitte möchte es noch einfallen, sich darob zu härmen? — Doch was die oben angeführte auffallende Erscheinung und die derselben gewöhnlich zu Grunde liegenden zwei Entschuldigungen anbelangt, so sind dies Punkte, welche in dieser Zeitung, zwar schon häufig, ja sehr häufig, aber unseres Bedünkens noch lange nicht erschöpfend besprochen worden. Wir meinen, daß sich darüber noch gar so manches sagen ließe, und wir meinen auch, daß Rüge und Tadel in dieser Beziehung gar nicht oft genug wiederholt werden könne. Und weil wir dies meinen, so behalten wir unS vor, dieser Angelegenheit nächstens noch einen ganz besondern Artikel zu widmen. — Für heute noch einige Notizen anderer Art. — Grünebcrg hat unter mehr als 10,000 Einwohnern noch kaum 300 Juden. — Die mittelschlesischen Kreise Guhrau, Wohlau und Steinau sind von der Königl. Regierung zu Breslau zu einem Synagogen-Gemeinde-Bezirk vereinigt und in letzterm unlängst neun Repräsentanten, so wie ein gemeinsamer Vorstand gewählt worden. — Das Gesetz vom 23. Juli 1847 ist nun schon überall eingeführt, und in den meisten Gemeinden wurden am Schluffe vorigen Jahres schon zum zweiten Mal Repräsentanten gewählt, d. h. eS wurde das Collegium — nach Ausscheidung der größern Hälfte — wieder ergänzt. Wo dies noch nicht geschehen, steht's in baldiger Aussicht. Die Wähler sollten sich nur etwas lebhafter für die Sache interessiren. Es herrscht noch zu großer JndifferentiSmus in unfern Gemeinden. — Eine alte Klage. — Autz Schlesien, 1. März. (Privatmitth.) Wie verlautet, sieht die Gemeinde Breslau binnen Kurzem der Errichtung eines neuen Lehr-Instituts ent-

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