Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-22 · Heft 13 (22.3.1858) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 13 (22.3.1858)
Date
1858-03-22
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226107--16781-3245653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

172 sucht dürfen allein nur mit Jgnorirurig bestraft werden. Sie sind die letzten Pistolenschüsse eines abziehenden Hausens, die man ruhig entladen lassen kann. Die Juden werden sich von.allen diesen Leuten in keinen Kampf hineinziehen lassen. Dies könnte allein erst dann räthlich werden, wenn, wie durchaus nicht zu erwarten, wirklich irgend eine Beachtung von gewichtiger Seite her erfolgen sollte. Wir finden es von der „Kreuzzeitung" sogar sehr folgerecht, wenn sie, welche auch die Unterschrift sei, die ihre Pamphlete tragen, auch uns nicht übergeht, die wir zur rechten Zeit ihren Plänen gegen die Juden entgegenzutreten verstanden. Wenn sie ihre Geschosse in bunter Reihe gegen Tiktin, Geiger, Holdheim, Sachs und uns losschießt, so kann sie sich versichert halten, daß kein einziger dieser Männer den Schild erheben wird, um sie abpratten zu lassen, da sie doch nur stumpf und unschädlich sind. Herrn Wageners aber wird man nur gedenken als eines Solchen, der mit aller Kraft die Dekadenz seiner eigenen Partei herbeigeführt hat. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im März. (Privatmitth.) Daß Geld und Gut, ja selbst der Credit keinen Werth haben gegen höhere Güter, das hat bei der erlebten HandelskrisiS der KaufmannSstand aller Orten und namentlich auch hier, in seiner immensen Mehrzahl glänzend bethätigt. Keiner war, der nicht mit Freuden sein Letztes hergegeben, um nur seinen Stand, seinen Namen, seinen Charakter zu behaupten; und selbst die wenigen Unrechtfertigkeitcn, die hier und da ans Licht kamen, wurden nur dann verübt, als jene Hoffnung schon gänzlich erloschen war. Daß die jüdischen Kaufleute hier, so wie in Dänemark, Schweden, Mecklenburg u. s. w. verhältnißmäßig wenig Insolvenzen erklärten, was ihnen sehr hoch angerechnet wird, das liegt, mindestens hier in Hamburg, zumeist in der Natur ihres Geschäfts, zum Theil aber auch darin, daß unsere größeren Kauflcute nicht wie ihre christlichen Collegen, von Staatöämtern in Anspruch genommen und zur standesmäßigen Repräsentation genöthigt sind. Auf unsere jüdischen Angelegenheiten machen diese Zustände in so fern Eindruck, als die Einkünfte der Gemeinde einige Jahre lang um eine jetzt noch nicht zu übersehende Summe geschmälert werden durch die Reduction mancher Beiträge, durch die Minderung der Einkäufe einwandernder Fremder, durch verminderte Heirathen und vor Allem durch den schlechten Eingang der Gelder. Es ist gut, daß wir die gute Zeit benutzt haben, um eine schöne Synagoge (die aber erst in 1859 eröffnet wird) und das Talmud-Tora- Schulhaus zu erbauen; denn gegenwärtig dürsten wir uns fürs Erste diesen Lurus nicht gönnen; auch ist der Bau einer eleganten Mikwa, zu der wir den Platz schon besitzen, und zu der die Vorarbeiten schon in Angriff genommen sind, auf das nächste Jahr ausgesetzt worden. Eben so hat eine kostspielige Renovation des neuen Tempels hinsichtlich Erwärmung, Heizung und Orgelreinigung für jetzt nicht zu Stande kommen können, und wir sind froh, wenn wir die vermehrte Ausgabe für den Gesang — die merklich gute Früchte trägt — fortdauern lassen können. Bei dieser Gelegenheit muß ich berichtigend anführen, daß Herr Meyerbeer nicht erst neulich zum ersten Mal um eine Synagogen-Musik angegangen worden. Wir haben ihn 1843 von hier aus um eine Composition zur Einweihung des Tempels ersucht und von ihm prompt eine sehr freundliche und in die Sache eingehende Antwort erhalten, in welcher er wegen Ueberhäufung und gestörter Gesundheit ablehnte, uns aber den Herrn Julius Stern in Berlin empfahl. Wir schrieben damals auch an die Herren Halevy und Felix Mendelssohn — an Letzteren um eine Psalmencomposition auf die deutschen Tertworte seines berühmten Großvaters — erhielten aber von Beiden gar keine Antwort. Im Innern geht Alles bei uns seinen gewohnten Gang, und kaum nennenswerth sind die kleinen Conflicte: ob auch, gegen den Buchstaben der Stistungsurkunde, Hiesige zu der Klausnerstelle an der Löb- Schaul'schen Stiftung concurriren können; ob die Leichen unbeschnittener Kinder mit in den Reihen anderer Leichen begraben werden u. dgl. m. Der Synagogen-Verein setzt seine Bestrebungen mit Eifer fort, vielleicht mit allzu großem; denn je mehr er sich consolidirt und den Stempel deS Provisorischen verliert, desto schwerer wird es ihm, später mit armes et bagage in die wirkliche Synagoge zu dringen. In den beiden Mädchen-Freischulen sind große Veränderungen bezüglich Leitung und Lehrpersonal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.