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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-22 · Heft 13 (22.3.1858) · p. Seite 171

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 13 (22.3.1858)
Date
1858-03-22
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 kratische Partei eristirte, oder wenigstens als eristirend geglaubt wurde, nahm jene Partei der alleräußersten Rechten eine Machtstellung ein. Nachdem aber jene verschwunden oder als verschwunden erkannt worden, und die „kleine" Partei mit ihren eigentlichen Zwecken hervortreten mußte, war es auch um ihre Macht gethan. Mochte sie sich auch lange noch mit dem Nimbus ihrer schnell vorübergegangenen Macht umgeben, mag sie noch immer ihre vermeintlichen Verdienste in die Welt hinausschreien, ihre Herrschaft ist längst zu Ende. Dies kam zum ersten Male zum Vorschein, als sie die Glaubensfreiheit aus der Verfassung Preußens ausstreichen wollte; die schmähliche Niederlage, die fie damals erlitt, war der Todesschein, der ihr öffentlich ausgestellt und von einer großen Anzahl früherer Anhänger selbst unterschrieben wurde. Den zweiten Todesstoß erlitt fie, als der große Monarch, welcher jetzt auf dem Throne des umfangreichsten Staates der Erde sitzt, die Grundsätze dieser Partei als die gefährlichsten und schädlichsten eines Staates verurtheilte. Seitdem hat sich die Unfähigkeit und Unsittlichkeit dieser Partei in so vielfachen Facten dargethan, daß man von ihr gar nicht mehr zu sprechen brauchte, wenn sie sich nicht immer noch, um sich doch irgendwie geltend zu machen, gerade die schwächeren Theile der Gesellschaft, die sich weniger zu vertheidigen vermögen, und gegen welche die Vorurtheile leichter geweckt und ausgebeutet werden können, aussucht, um gegen sie in gewohnter Weise zu Felde zu ziehen. Gegen solche Leute kann zwar der Starke seine Verachtung in Schweigen hüllen, weil er Nichts zu fürchten hat, nicht aber der Schwache, gegen welchen die Menge so leicht aufzuregen ist. Daß wir unter Denen, gegen welche diese Partei der äußersten Rechten unermüdlich ihre Angriffe richtet, insonders die Juden zu verstehen haben, ist dem kundigen Leser bewußt. Die Juden sind dieser Partei ein willkommener Gegenstand der Freibeuterei, weil sie schwach sind an politischem Einfluß, so sehr sich auch ihre Gegner bemühen, einen Popanz von unsichtbarer Herrschaft aus ihnen zu machen, und weil gegen sie immer noch am leichtesten die Leidenschaft einer größeren Zahl anzuregen ist. Welch' Verfahren hat nun jene Partei gegen uns Juden eingehalten? Zuerst wandte sie sich an den Fanatismus der Masse und gerade in einer Zeit, wo die Leidenschaften der Masse zu bewältigen und zu beschwichtigen waren, suchte sie dieselben zu einem Kreuzzuge gegen die Juden anzusachen. Es ist bekannt, wie fie die Verfolgung der Juden predigte und gern die Masse sich auf fie werfen gesehen hätte. Ser es, daß sie in den Juden einen Ableiter der Volksleidenschaft zu finden glaubte, sei es, daß sie ihre eigene Wuth auf irgend einen Gegenstand entladen wollte: sie scheute es nicht, die kaum beruhigten Wogen wieder aufzuregen, um sie über die Juden herzustürzen. Als diese Versuche an dem gesunden Sinn unsrer Mitbürger gescheitert, richtete sie ihre Bemühungen auf die hohe Staatsregierung, sie zu der ungünstigsten Interpretation der Gesetze gegen die Juden zu veranlassen. Nachdem fie auch hiermit nicht durchdrang, wandte fie sich an die Landesvertretung und suchte den Artikel, der allen Preußen, auch jüdischer Confession, die bürgerliche Berechtigung garantirt, streichen zu lassen. Aber auch hier blieben ihre Anstrengungen erfolglos, und ihre Fanfaronaden und Grobheiten waren Hiebe in die Luft. Was seitdem geschah und was jetzt geschieht, sind Nachläufer, welche im großen Ganzen um so weniger zu fürchten sind, als die eigentlichen und Hauptangriffe machtlos abgeprallt. Allein man weiß, daß, wenn ein feindliches Hauptheer auch abgeschlagen ist, die Nachzügler dennoch oft großen localen und individuellen Schaden zufügen, gegen welchen man auf der Hut sein muß. — Herr Wagener ließ vor einem Jahre ein Buch erscheinen, in welchem er sich, allerdings mit Hülfe „eines Freundes", zu einem Gerichtshöfe über Judenthnm und zu einem Ketzergericht über Juden constituirte. Er erreichte aber nicht einmal damit, Sensation zu erregen; es wurde sein Machwerk nicht für würdig erachtet, eine Polemik dagegen zu eröffnen; nicht das geringste Scharmützel diente dazu, es noch ein- und das andere Mal dem Publikum ins Gedächtniß zu rufen; es ist vergessen, und die größte Anzahl der Eremplare wahrscheinlich schon eingestampst. Da auch dieses Feuerwerk verpuffte, wird ein anderer Weg versucht. Ein aus Lutomirsk in Polen eingewanderter ehemaliger Schächter in Polnisch-Crone tritt als Verfechter des altstabilen Judenthums auf, schreibt, oder läßt schreiben Pamphlete in der Kreuzzeitung und richtet Petitionen an das Haus der Abgeordneten, das Gesetz vom 23. Juli 1847 aufzuheben. Aber auch diese Schreibereien sind von solcher Haltungslosigkeit und in so unangemessener Weise verfaßt, daß das hohe Haus der Abgeordneten nur über die grenzenlose Anmaßung und Geschmacklosigkeit, mit welcher solches Gewäsch vor das gesetzgebende Tribunal gebracht wird, erstaunen könnte, wenn man nicht an dergleichen Machwerke aus denselben Quellen schon genug gewöhnt wäre. Auch diese Ausfälle und Ergüsse einer verächtlichen Zank- und Streit- 13*

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