Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1858)
- Date
- 1858-03-22
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Konfession das Recht, außer der medicinischen, auch die anderen Facultäten zu beziehen und nach Erlangung der Doctorwürde in den Staatsdienst mit dem Range eines Collegienaffessors einzutreten; in demselben Jahre erhielt der erste Jude (Dr. Goldschmidt in Mendzibor, Podolien) den Rang eines Collegienrathes und im vorigen Jahre wurde den jüdischen Aerzten in Odessa: Bertensohn, Drey, Morgulis, Rosen und Schorstein zum ersten Male der Stanislausorden 3. Claffe als Belohnung für die während des Krieges geleisteten Dienste verliehen. In dem kaiserlichen Decrete über diese Verleihungen heißt es ausdrücklich: „für das von ihnen gegebene und vom Generalgouverneur von Neu-Rußland und Bessarabien bezeugte Beispiel von Uneigennützigkeit und Aufopferung, mit denen sie beim letzten Kriege ihre Privatpraris verließen und in den Kriegshospitälern erschienen, um die Stelle von Ordinatoren bei höchst ansteckenden Fiebern zu versehen." Daß bei diesem Geiste auch die öffentlichen Blätter sich in ganz anderer Weise aussprechen, als früher, läßt sich leicht denken. So wird uns ein Artikel aus der Petersburger sierernaja ptschela (die nordische Biene) vom 30. Dccember v. I. mitgetheilt, in welchem dieses so oft judengehässige Blatt die Bewunderung ausspricht über die dem jüdischen Stamme einwohnende Kraft, mit welcher er allen Verfolgungen der Jahrhunderte widerstand; wie er, während er durch Druck und Hintenansetzung in zahllose kleine Theile zerfiel, im Geiste sich zu vereinigen verstand, dem allgemeinen Hasse gegen ihn eine allgemeine Liebe in sich entgegenstellte, .so daß er, wie die „nordische Biene" schließt, gleich einer Heerde Schafe beim Angriffe eines Wolfes nur um so fester sich zusammenschaarte. Schon eine solche Erpectoration eines russischen Blattes ist für die russischen Juden eine neue Erscheinung und vom höchsten Interesse, und erweckt in ihnen den Wunsch, daß dieses Blatt fortfahre, die Seufzer von Millionen würdigen zu lernen, und in das Dunkel, das über diese gebreitet ist, Licht zu bringen. Wie ehemalige „kleine, aber mächtige" Partei in Preußen. In einem früheren Artikel dieser Zeitung haben wir bereits auseinandergesetzt, wie die Partei, welche von sich selbst und Anderen die „kleine, aber mächtige" genannt wird, in Preußen sowohl wegen ihrer Zwecke und der Mittel, die sie zur Erreichung dieser Zwecke anwendet, als auch nach den natürlichen Gesetzen der politischen Bewegung zur Nullität geworden und immer mehr wird. Der Z weck dieser Partei, die ganze Menschheit in socialer Beziehung in Junker und Leibeigene, in religiöser Beziehung in Altstabile und Atheisten zu theilen, liegt so fern von jeder Entwickelung der Gesellschaft und von jeder Berechtigung, wie sie Religion, Geschichte und Vernunft begründen, daß er von selbst scheitern muß, sobald man wieder aus dem Chaos der ertremsten Parteileidenschaften herausgekommen ist, und daß er von den Gliedern dieser Partei, mit Ausnahme ihrer Spitzen, die in ihrer Persönlichkeit den Grund ihrer Parteibestrebungen finden, aufgegeben werden muß. Aber auch die Mittel, deren sich diese Partei bedient, müssen zu ihrer Auflösung dienen. Sie ist es, welche den bekannten Satz: „Der Zweck heiligt die Mittel" noch weiter geführt, indem sie schloß: „wenn schon unheilige Mittel zu heiligem Zwecke verwendet werden können, um wie viel mehr zu unheiligem Zwecke", so daß also alle Mittel erlaubt seien, die zu irgend einem Zwecke führen, was diese Partei denn auch reichlich bethätigt hat. Solchem Treiben können aber wohl einzelne Personen anhangen, auf die Länge jedoch widerspricht es der menschlichen Natur zu sehr, um nicht zuletzt die Partei zu desorganifiren und ihre eigenen Anhänger ihr abwendig zu machen. Ist es doch den öffentlichen Organen dieser Partei gelungen, es so weit zu bringen, daß kein ehrlicher Mann ihren Verleumdungen und Lügen entgegenzutreten mit seiner Ehre vereinbar hält, und daß das Lob, welches sie Jemandem beilegen, mindestens schon als eine Verdächtigung gilt. Und hierzu gesellte sich nun die Wirkung der natürlichen Gesetze. Eine ertreme Partei kann nur so lange eristiren, als sie einen ertremen Gegensatz zu bekämpfen hat. Ist dieser letztere stark, oder ist eine große Furcht vor demselben vorhanden, so wird die „kleine" Partei bald einen großen Zulauf haben, sie wird den Gegensatz beseitigen, hiermit aber ihre eigene Eristenz verloren haben. Durch den Verlust ihres Gegensatzes verliert sie ihre Macht, durch das Zuströmen von Anhängern hört sie auf „klein" zu sein, und verliert damit ihre Concentration, in welcher ihre Kraft bestand. Ihr-Sieg ist ihre Niederlage, denn da sie mit dem Verschwinden ihres Gegensatzes die Erreichung ihres eigentlichen Zweckes anstreben, diesen also der Welt enthüllen muß, hiermit aber ihre Unfähigkeit, ihre Irreligiosität und Unsittlichkeit offenbart, so muß sie zur Nullität werden. Dies Alles hat sich denn auch hinreichend in Preußen bewährt.. So lange hier eine demo-