Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1858)
- Date
- 1858-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Jahrgang. Allgemeine 13. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her aus ge geben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. Leipzig, den 22. März 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen nnd darüber in Quart incl. des Titels, r)lcgisters u. s. w. umfassen. Fn Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 V2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter nnd Zeitnngs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Rußland. — Die ehemalige ,,kleine, aber mächtige" Partei in Preußen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Preußen: Magdeburg, Peckelsheim, aus Schlesien, aus Schlesien, vom Rhein. Oesterreich isch er Kaiserstaat: Aus Galizien, Austerlitz, aus demTokayergebirge, Horic, Großwardein. Holland: Amsterdam. Leitende Artikel. Magdeburg, 14. März. Rußland. Mit dem höchsten Interesse haben wir den Umschwung der Dinge, welche in Rußland unter dem glorreichen Scepter Aleranders II. auch hinsichtlich unsrer Glaubensgenossen vor sich gehet, Schritt vor Schritt zu verfolgen, und mit Begeisterung die Regierung dieses großherzigen Kaisers als den Beginn einer neuen Aera zu rühmen. Es ist hier nicht der Ort, die merkwürdigen Thatsachen zu verzeichnen,' durch welche dieser Monarch seinen Namen in die Geschichte der Humanität und Civilisation, und hiermit in die Gechichte der wahrhaften Religiosität zu unverlöschlichem Andenken einträgt; wir sind aber glücklich genug, ihm auch hinsichtlich der russischen Hebräer als einem gerechten und wohlwollenden Fürsten huldigen zu können. Wir glauben dies mit besonderem Rechte gussprechen zu können. Man schlage die früheren Jahrgänge dieser Zeitung nach, und man wird uns zugestehen müssen, daß wir in einer Zeit, die wir jetzt, Gott sei Dank, als vorübergegangen bezeichnen können, mit unerschütterlichem Muthe, mit unbeugsamer Offenheit die Geschehnisse darstellten, und ihren Geist und Zweck charakterisirten; daß wir niemals dienstbereit mildernden Korrespondenzen, deren Absichten wir erkannten, unsre Spalten geöffnet; daß wir vorsichtig erst dann die glückliche Wendung anerkannten, als sie in vollkommen beglaubigten Facten uns entgegentrat. Um so inniger begrüßen wir sie jetzt; um so williger geben wir uns nunmehr den beglückendsten Hoffnungen hin; um so dankbarer feiern wir den Namen dieses Regenerators Rußlands und seiner weisen Näthe. Nach den neuesten Nachrichten ist jetzt jener Ukas, welcher die Juden hundert Werste von den ehemaligen Grenzen des Königreichs Polen verbannte, ein Ukas, der wegen der Ungeheuerlichkeit seiner Wirkungen niemals vollständig ausgeführt werden konnte, der aber auch in seinem milderen Maße unsägliches Elend über die zahlreichen Inden dieses Landstriches gebracht hat, nunmehr gänzlich wieder aufgehoben worden. Aus einer uns eben zugekommenen Correspondenz aus Moskau vom 14. Februar, in welcher über die stufenweise Emancipirung der Juden in Rußland gesprochen wird, heben wir folgende Stelle hervor: Im Jahre 1855 ist den Juden gestattet worden, in den Dörfern zu wohnen; im Jahre 1856 bekamen die jungen Leute jüdischer