Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1858)
- Date
- 1858-03-15
- Page
- Seite 160 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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160 persönliche Zulage verwilligt. Wir registriren diese Thatsachen, um damit darzulegen, daß treue Berufserfüllung von Seiten der respectiven Gemeinden auch klingende Anerkennung findet und wenn auch die Gehalte der Synagogen- und Schulbeamten immer noch dürftig genug gestellt sind, so ist doch der Anfang zum Bessern gemacht. Der Ständekammer sind auch Gesetze zur Besserstellung der finanziellen Lage der Lehrer unterbreitet. — Das Novemberheft der „Volksschule", einer pädagogischen Zeitschrift, bringt den Nekrolog des seligen Maison-Frankfurter, Schulmeisters zu Oberdorf. — Die Königl. Württembergische Regierung hat in Anbetracht dessen, daß andere deutsche Staaten die Aufnahme von würltcmbergischen Israeliten in ihr Staatsbürgerrecht erschweren, die Repressalie angeordnet, Israeliten aus solchen Ländern die Erlangung des württembergischen Slaatsbürgerrechts zu versagen. Besonders sind viele bayerische Israeliten in den letzten Jahren nach Württemberg übergesiedelt und es war für dieselben leichter, in Württemberg sich zu etabliren, als in Bayern, wo das Matrikelunwesen noch wuchert. — Die Frankfurter Rabbinervcrsammlung wird für unsere synagogalen Zustände wenig ersprießlichen Erfolg bieten, denn wohlweislich hat sich das theologische Mitglied der Königl. israelitischen Oberkirchenbehörde, Kirchenrath Maier, nicht bei der Reform des historisch geheiligten Gebetbuches bctheiligk, weil solches einseitiges Vorgehen nur Mißtrauen gegen die kirchliche Centralbehörde auf dem Lande erzeugt hätte und selbst die Einheilsbestrebungen in der musikalischen Liturgie werden für die Landgemeinden wenig Bedeutung haben, weil die musikalischen Kräfte fehlen. Solches läßt sich wohl in Stadlgemeinden, wie Mannheim und Frankfurt sind, ausführen, wo, wie in Mannheim, dem strebsamen Di-. Präger ausgezeichnete musikalische Dilettanten zur Seite stehen; aber auf dem Lande, wo, wie man zu sagen pflegt, „das Klopfen und Blasen" dem Lehrer obliegt, dürfte zuerst ein Universalelirir von Justus Liebig für jüdische Lehrer und Vorbeter erfunden werden, wenn sie die in der Schule gehörig angestrengten Lungen noch in masorem Dei gloriam als Solosänger in der Synagoge gebrauchen sollen. ES ist genug, wenn die Gebete sprachrichtig recilirt werden. Wenn wir wieder die Myriaden Levitensänger haben, dann sollen sie kunstgerecht bei Harfe, Psalter und Orgel singen, bis dahin aber sollen sich dir musikalischen Synagogen- Unitarier noch gedulden. — Christoph Hoffmann, Bruder des Hofpredigers in Berlin, hat mit noch zwei Genossen eine Kuntzschafterreise nach Palästina unternommen, um das Volk Gottes, d. h. die ihm gleichgesinnten Scctirer, nach dort auSzuwandern. 6000 Fl. hat er zu seiner Reise ersammelt, die seine Spesen decken werden. Wir möchten diesen Messias auf die Worte Numeri 14, 42. aufmerksam machen. Auö dem Rabbinatöbezirke Merchingen (Baden), im März. (Privatmitth.) Das Rabbinat Merchingen ist nun wieder definitiv besetzt. Bei der am 27. December v. I. stattgehabten Berathung der 17 Vorsteher des Bezirks wurde Herr Dr. Julius F ü r st, z. Z. Rabbiner in Endingen in der Schweiz, einstimmig zum diesseitigen Bezicksrabbiner gewählt, welche Wahl nun auch bereits Großherzogl. Oberrath und hohes Ministerium genehmigt hat. Diese Wahl hat im ganzen Lande Sensation erregt, denn man glaubte sicher, daß der diesseitige Bezirk einen Mann von altem Schrot und Korn, d. h. der nur Lamdcn und Chusid ist, wählen würde. Allein das alle lateinische Sprüchwort: die Zeiten ändern sich und mit ihnen ändern auch wir uns, hat sich auch hier wieder bewährt. Jede Zeit macht ihre Anforderungen geltend, und dringt, trotz aller Hindernisse, endlich durch. Auch bei uns ist man zur Ueberzeuguilg gelangt, daß ein Rabbiner mehr als Talmud kennen muß, wenn er seiner hohen Aufgabe zeitgemäß entsprechen soll. In dem Gewählten glauben wir den Mann gefunden zu haben, der mit gediegenen talmudischen Kenntnissen auch ein anderweitiges gründliches Wissen verbindet, und der bei seinem sanften Charakter, so Gott will, recht segensreich wirken wird, wozu ihm ein weites Feld geboten ist. Altona, im Januar. (Privatmitth. Verspätet.) Hätte auch der Tempel in Hamburg, wie Stern (in seiner Geschichte des Judenthums h.) sagt, selbstverschuldet seine Bedeutung verloren, so bilden wir unS doch ein, daß er wegen seiner Vergangenheit die Theilnahme unserer Glaubensgenossen verdiene. Da Seiten des Tempels aber im Anfänge des vorigen Jahres eine Vacanz im Predigtamte ausgeschrieben wurde, so glauben wir andererseits der Candidatcn wegen, die leider in unserm neuen Geschlechte immer rarer