Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1858)
- Date
- 1858-03-15
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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159 tilgen. Einst ließ er die Juden ins Gefängniß werfen, obwohl sie nichts verbrochen hatten, raubte alle ihre Habe und vertrieb sie dann ikus seinem Lande. Auch mit den Rehen und dem Gewilde verfuhr er sehr grausam, so daß es von Tag zu Tag weniger wurde." Wir muffen hier zuerst den chronologischen Fehler des Chronisten berichtigen, indem der Herzog Heinrich, von dem hier die Rede ist, am 30. Juli 1450 und nicht 1440 gestorben ist und die Vertreibung der Juden durch seinen Nachfolger Ludwig fand statt am 5. October 1450 (Buchner's Gesch. von Bayern 6, 368). Die sonderbare Zusammenstellung von Juden und Gcwild könnte ferner manchen Leser zu der Vermuthung verleiten, daß der Chronist unter Rehen und Gewild in seiner üblichen Bildersprache etwa Raubritter gemeint habe; allein dem ist nicht so und es sind diese Ausdrücke im natürlichen Wortstnne zu nehmen. Die Quelle des Chronisten ist hier wahrscheinlich Arenpeck, ein Schriftsteller aus jener Zeit, bei dem sich dieselbe Zusammenstellung findet. Derselbe tadelt nämlich den Herzog Heinrich wegen seiner großen Jagdliebe, daß er das Rothwild so sehr liebte, daß er den Bauern zur Abwehr desselben selbst Hunde und Zäune verbot und daß er die Juden zu sehr begünstigt habe. Von seinem Sohne, dem Herzog Ludwig sagt er (Vit. V. 64., citirt von Büchner): „Sein erster Regierungsact war Vertreibung des Wildes aus den Aeckern der Bauern, sein zweiter Verbannung der Juden aus dem ganzen Lande." — Als Ergänzung zu der kurzen Biographie, die Wiener in seinem Vorworte von unsrem Chronisten giebt, wollen wir noch die Notiz beifügen, daß derselbe auch eine Geographie der vier Welttheile und eine Geschichte der Entdeckung Amerikas geschrieben hat, die wir handschriftlich bei Aschkenasi gesehen und die wahrscheinlich nach Orforv wandern wird. R. Kirchheim. Jebenhausen in Württemberg, im März. Der jüdische Familienvater ist in Verlegenheit, wenn er seinen Kindern eine literarische Gabe spenden will; der Büchermarkt ist nicht arm an Kinderschriften, aber gewöhnlich sind sie von Christen für Christen geschrieben; wir freuen uns deshalb, die jüdischen Familienväter auf Kinderschriften aufmerksam machen zu können, die von einem Juden nicht ausschließlich für seine Glaubensgenossen geschrieben worden, aber so schön ethisch gehalten sind, daß sie sich trefflich, wie keine anderen, für die israelitischen Kinder eignen.- Herr Hilberth hat ganz das Zeug zum Jugendschriftsteller, eine kindlich gemüthliche Sprache, pädagogischen Scharfblick, Erfahrung in der Schule, wie in der Kinderstube. Unter den 12 trefflichen Kinderbüchlein wollen wir die trefflichsten nennen: „Ein Tag in Herrn Biedermanns Hause, oder die glückliche Familie"; „Erzähle, liebe Mutter"; „Das Kind im Spiel und Leben"; „Blüthen und Früchte." Das neulich erschienene „Dichterspiel, oder die Kunst, Deutschlands größte Dichter spielend kennen zu lernen", enthält auf 24 Täfelchen die Bilder von 24 Dichtern, unter dem Bilde stehen einige Fragen, die auf der Rückseite beantwortet sind und ein Büchlein bringt auf 29 Seiten die Biographien dieser berühmten Deutschen. Das Ganze ist nett in einem Etui beisammen und kostet nur 30 3£r. Solche Schriften sehen sich als leichte Arbeiten an, wenn sie fertig sind, eS ergeht Einem dabei, wie mit dem Ei des Columbus. Sämmtliche Schriften sind in Stuttgart erschienen, aber auch von dem Verfasser selbst, A. Hilberth, Israel. Lehrer in Niederstetten bei Mergentheim zu beziehen. Auf die Fibel von demselben Verfasser haben wir schon in diesen Blättern aufmerksam gemacht. — Herr Lammfromm in Buchau erklärt uns brieflich, er habe von der Metamorphose seines Lesebuchs in eine israelitische Familienstube nichts gewußt und es sei eine ohne sein Wissen unternommene buchhändlerische Speculation seines Verlegers. Alexander Elsässer. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Württemberg, im März. (Privatmitth.) In Folge der Wiedergencsung unseres vielgeliebten Königs „Wilhelm des Gütigen" wurden in den Synagogen des Landes Dankgebete angeordnet. Das ganze Land wiederhallt von dem Jubel, daß der Herr Jahre zu den Tagen des Königs gelegt hat; möge das segensvollc Leben unseres Monarchen noch lange zum Heile Israels und aller Unterthanen heiter hinfließen. — Der Gemeinde Oberdorf wurde von Sr. Majestät dem Könige ein ansehnliches Beitrag zu den Kosten der Restauration ihrer Synagoge überwiesen. — Das Bczirkörabbinat Lehrensteinsfeld ist dem Rabbinen Kallmann in Buttenhausen übertragen worden. Die Gemeinde Jebenhausen hat, wie Buchau, ihrem Rabbinen Herz, um denselben zu erhalten, eine Gehaltsaufbesserung und eben so auch ihrem Lehrer eine