Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1858)
- Date
- 1858-03-15
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Ligen Geschlechtern Nachricht zu Hintersassen, so gehört dazu ein gewisses Behagen an der Gegenwart —, daß es ein verdienstvolles Unternehmen ist, die wenigen vorhandenen Chroniken, deren Chronographen gr'ößtentheils die Leiden der Juden in der Zeit der Parbarei, d. h. der vereinigten Herrschaft von Faustrecht, Unwissenheit und Pfaffenthum, wie Zunz das Mittelalter charakteristrt, beschreiben, in denen aber oft Personen- und Städtenamen bis zur Unkenntniß verstümmelt find, mit erklärenden Noten und correctem Tert zu ediren. Der Werth vorliegender Ausgabe liegt mehr in den Noten, als in der Uebersetzung, in so fern man die jüdischen Leser vor Augen hat, und zunächst nur diese hat das Institut bei seinen Editionen zu berücksichtigen. Der Vers. R. Joseph schrieb diese Chronik in einem so rein hebräischen Mufivstyl, daß der hebräische Tert, den Lettens vor einigen Jahren ziemlich correct herausgab, jedem nur mit der heiligen Schrift Vertrauten verständlich ist. Als Volksschrist für die des Hebräischen Unkundigen hat sie den secundären Werth, unsrer im Vollgenuß der Freiheit erzogenen Jugend das Bild ihrer glaubensstarken Vorfahren vorzufübren*), die in jenen Leidensperioden nur zwischen Abfall und Knechtschaft, zwischen dem erlösenden Kreuze und dem martervollen Tode des Scheiterhaufens zu wählen hatten und mit wenigen Ausnahmen in ihrer Wahl nicht zweifelten und nicht wankten und bei allen Marterqualen dem väterlichen Glauben nicht untreu wurden. Um diesem Zwecke zu genügen, hätte der Uebersetzer etwas freier übersetzen dürfen und nicht mit einer so skrupulösen Genauigkeit jede Metapher, jede schmerzliche Ausrufung des Chronisten wiedergeben und hierin den sachgemäßen R-ath Jost's (S. 13.) durchweg würdigen sollen. Das Sachliche würde hierdurch nicht beeinträchtigt worden sein und die vorgeführten Schlacht - und Mordscenen nichts von ihrem schauerlichen Kolorit verloren haben.**) Der Zwang, dm sich Herr Wiener durch seine wortgetreue Uebersetzung selbst auflegte, hat aber keineswegs die Verständlichkeit des Tertes benachtheiligt und seine *) Dieser „secundäre" Werth ist für uns der Hauptzweck, denn die jetzige Jugend, in Sicherheit und Ruhe erwachsen, mit Anstand und sogar Achtung behandelt, hat keinen Begriff mehr von Dem, was ihre Väter gelitten, und mit welchen Opfern sie den Besitz und die Vererbung ihrer Religion erkaufen mußten! Redact. **) Doch können wir nicht vergessen, daß diese unmittelbare Entladung des gepeinigten Gefühls Dessen, der Aehnlichem selbst beigewohnt und die Wiederholung noch immer zu fürchten hatte, doch etwas tiefer Ergreifendes har, als alle abgeschliffene Umschreibung. Redact. Meisterschaft gerade dadurch beurkundet, daß er die bildlichen Ausdrücke immer dem GeschichtSstoffe anzupassen suchte. Nur an einigen Stellen hätten wir eine andere Uebersetzung gewünscht unv gerade weil es nur wenige sind, dürfen wir solche, ebne uns den Vorwurf einer Kleinlichkeitskrämerei zuzuziehen, hervorheben. S. 11. übersetzt Wiener na iabtt irirnn „auch die Frauen übten das Schlächterhandwerk", während er S. 12. denselben Ausdruck übersetzt „brachten sich zum Opfer" (besser: auch die Frauen thaten ihre Pflicht, oder sie unterstützten sie). S. 17. lesen wir ö^mon „die schelmischen Wallbrüder". S. 75. ist der Ausdruck ann ma ab Jes. 31, 8. entnommen und müßte übersetzt werden „nicht durch eines Mannes Schwert". S. 85. übersetzt Wiener ab üip?:rj ''nra „weil jene ihnen nicht schmeichelte") dieser Ausdruck ist aber Gen. 19, 21. nachgekildet, und sollte hier heißen: sie haben die Ortsbewohner nicht darum angesprochen. — Als eine Satyre auf die menschliche Unfehlbarkeit bezeichnen wir die Correctur (auf S. 'a der Beilage 1.) in der Ezech. 23, 47. entnommenen Stelle DmmPD öma anm in ■nprn. — Als den Glanzpunkt dieser Edition haben wir schon die sehr lehrreichen Anmerkungen bezeichnet. Der Vers, hat hier den bezüglichen Vorarbeiten von Rapoport, Zunz, Jost, Cassel u. A. gebührend Rechnung getragen, die Relationen des Chronisten mit andern Geschichtsquellen verglichen, viele bis jetzt unermittelt gewesene Ortsnamen bestimmt angegeben und mehrere falsche Daten im vorliegenden Terte und sonstige Fehler berichtigt. Zu seinen Datenemendationen auf S. 24. Anm. 98. und S. 31. Anm. 135. können wir auf das alte Mainzer Memerbuch (im Besitz Carmoly's) als beistimmende Quelle verweisen. Eine Relation des Chronisten hat jedoch der Vers, wahrscheinlich nicht für wichtig genug gehalten sie zu erläutern, die wir aber doch hier erklären zu müssen glauben. S. 61. schreibt nämlich der Chronist: „Im Jahre 5200 -----1440 starb der Herzog von Bayern. Jener Mann war bieder und rechtlich rc. Es hatten sich die Juden in den Städten sehr vermehrt und auch die Rehen und sonstiges Gewild des Feldes war zahlreich geworden rnm rrvan, und er hatte nicht gestaltet, ihnen ein Leid zuzufügen. Als aber sein Sohn an seine Stelle kam, wandelte er nicht in den Wegen seines Vaters und er begann die Juden, die Rehen und das sonstige Gewild des Feldes aus seinem Lande zu ver-