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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-08 · Heft 11 (8.3.1858) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 11 (8.3.1858)
Date
1858-03-08
Page
Seite 150 (sequence 10)
Language
German
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150 dings nehmen die meisten schweizerischen Blätter ihren genügenden Antheil daran — noch immer ihren alten Judenhaß bewäbren, und jede noch so weit hergeholte Gelegenheit benutzen, um unsre Glaubensgenossen herunterzusetzen, wird mir eben wieder durch ein, wenn auch an sich unwichtiges Beispiel ersichtlich. Die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 19ten bringt von hier einen Bericht über den Criminalproceß einer gewissen Anna Schneider, welche sich außerordentlicher Betrügereien schuldig gemacht. Es heißt da: „Sie lebte mit ihren Kindern in Bern auf großem Fuß und stand im Ruse, durch bedeutende Gewinnste im Lotto reich geworden zu sein, in Bern wohnende Juden drängten sich an sie heran und anerboten ihr Gelb zu hohen Zinsen —Gewiß denkt doch nun Jeder, daß in diesem Processe „in Bern wohnende Juden" figuriren. Allein nichts dergleichen. Es kommt da ein Fräulein von Bomstctten zu Tage, welches der Schneider 2000 Frcs. aus 14 Tage gegen 2000 Frcs. Zinsen leiht, und die daher billiger Weise um Capital und Zinsen geprellt wird; dann wieder ein Drechsler Hartmann, welcher ihr 7000 Frcs. gegen die Hälfte eines unermeßlichen Gewinnstes borgt. Warum die Schneider, da die Juden mit dem Gelde sich „an sie drängen", zu solchen Prellereien ihre Zuflucht nimmt, ist gar nicht abzusehen. Doch nein! die Juden haben gar nichts damit zu thun! Man will die Verbrechcrin in ihren cigenthümlichen Bermögensverhältnissen bezeichnen, und holt zu diesem Zwecke wuchernde Juden bei den Haaren herbei. Aehnliches findet man täglich in den öffentlichen Blättern. Aber mögen diese ihr bereits in Gährung übergcgangenes Gift behalten, wenn nur unsre Glaubensgenossen Tag für Tag in Ehrenhaftigkeit und Gesittung fortschreiten. Man wird dann die Judenpopanzercien nur noch in den deutschen Blättern finden, wo man so Vieles findet, was man nicht sucht und wo man so Vieles nicht findet, was man zu suchen berechtigt wäre. Frankreich. Luneville, im Februar. (Privatmitth.) So eben kommt uns der Rechenschaftsbericht des Verwaltungsrathes des israelitischen Spitals, gegründet durch einen Wohlthätigkeilsverein israelitischer Damen, zu. Wir können nicht anders als über Inhalt und Gegenstand deffelben unsre aufrichtige Bewunderung auszusprechen. Im December 1856 wurde der Verein gegründet und jetzt, also nach kaum 14 Monaten, steht ein HauS mit vollem Mobiliar da, welches bereits 8 Greise und 1 Waise zur vollen Versorgung ausgenommen hat; der Verein besitzt über 25,000 Frcs. Fond, 184 FrcS. lebenslängliche Rente, 307 Frcs. jährlicher Zeichnung auf Zeit und fast 6000 Frcs. Geschenke, und dies im Schoße einer Gemeinde, welche an Seelenzahl kaum zu den mittleren gerechnet werden kann! Ein solcher Erweis israelitischer Wohlthätigkeit muß das Herz wahrhaft erheben, noch dazu, wenn wir bemerken, daß die Damen des Comites sich unausgesetzt der Beaufsichtigung des Spitals unterziehen. Mit Freude heben wir jedoch hervor, daß auch von christlicher Seite schöne Gaben dargebracht worden. Der Rechenschaftsbericht beginnt mit einer ausgezeichneten Rede dcö Herrn Rabbiners Levy, Präsidenten des Comites, welche dieser schönen Thatsache und dem in ihr waltenden Segen Gottes die gerechte Würdigung zu Theil werden läßt, und die Verdienste gerade dieses Zweiges der Wohlthätigkeit, das schwache und einzelnstehende Alter zu versorgen, hervorhebt. Hieran schließt sich der Bericht des Herrn Trenel über die glückliche finanzielle Lage deS Instituts. Schon betheiligen sich die umliegenden Ortschaften, um durch Bezahlung des Kostenaufwandes auch ihre Alten in dem Hause zu versorgen. So können wir nur den Wunsch aussprechen, daß die nachfolgenden Berichte fort und fort das Wachsen der Mittel und Erfolge dieser Anstalt aufweisen, und daß dieses edle Vorbild recht viele Nachahmung in den israelitischen Gemeinden finde. ES ist hier erwiesen, daß es nicht allein die großen Gemeinden sind, in welchen durch die Größe der vorhandenen Mittel solche Altersspitäler entstehen können, sondern daß auch die zusammenwirkenden Kräfte kleiner Gemeinden dazu hinreichen, wenn ein frommer und entschiedener Wille sie beseelt. Rußland. Mitau, im Februar. (Privatmitth.) Der Ukas des dirigirenden Senats aus der Plenar-Versammlung des St. Petersburger Departements vom 24sten Juli v. I. No. 2321. enthält das Allerhöchst bestätigte Gutachten des Reichsrathes, folgenden Inhalts: Der Rcichsrath hat im Gesetz-Departement nach Durchsicht der Verfügung der Plenar-Versammlung der ersten drei Departements und des Departements der Heroldie deS dirigirenden Senats, in der Frage über die Competenz-Hingehörigkeit der Rabbiner, im Falle von ihnen begangener Verbrechen und Vergehen, in Uebereinstim-

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