Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-08 · Heft 11 (8.3.1858) · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 11 (8.3.1858)
Date
1858-03-08
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226105--16755-3245625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

148 Ohne unS ein Urtheil über dies Unternehmen eines Blücher anzumaßm, welche Besprechung wir gern Fachmännern überlassen, erlauben wir uns dennoch im Interesse deS neuen Lehrplanes auf das Erscheinen dieses Werkes aufmerksam zu machen. Der schon seit Jahren auf dem philologischen Gebiete bekannte Name deS Verfassers bürgt schon im Voraus für die Vortrefflichkeit des Werkes und wird sich solches zuversichtlich, da insbesondere eine Vereinigung der hebräischen Grammatik mit dem Vibelunterrichte angeftrebt wurde, eng an das neue Lchrsystem anschließen. Schließlich noch die traurige Mittheilung von einem vor wenigen Wochen in unserm Gebirge verübten Selbstmorde eines Wiener Großhändlers. Der Unglückliche kam von einer Geschäftsreise aus S. a. Ujhely und machte in Folge einer unglücklichen Liebe im großen Gasthause in Tokay seinem Leben ein Ende. * Da dieser Fall entstellt in fast allen in- und ausländischen Jourvalen seine Runde gemacht hat, so wollen Ew. Hochwürden demselben in seiner einfachen und wahrdeitsgetreuen Gestalt in Ihrem so viel gelesenen Blatte einen Platz gönnen. » Oberlehrer Js. Rosen meyer. Szarvas, im Februar. (Privatmitth.) In dem Artikel „auS dem Banat" in No. 5. d. Bl. ist ein Gegenstand von größter Bedeutung angedeutet worden, den ich mir um so eher zu besprechen gestatte, als ich persönlich durch mein Verhältniß zu meiner würdigen Gemeinde durchaus nicht davon berührt bin. Es hat sich seit einer kurzen Zeit in der Nähe des Gefertigten ereignet, daß drei Nachbargemeinden ihren betreffenden Rabbinen gekündiget; eine derselben hatte für ihre Handlungsweise keinen andern Grund als den Buchstaben des Contractes, „daß nämlich die Zeit deS Rabbi — 3 Jahre — aus sei", und da der betreffende Seelsorger ein solider, jedes Processes unfähiger Mann war, so ging der Arme mit seiner Familie — Weib und 8 Kinder — seines Weges, und die Sache lief wenigstens ohne Skandal und Vibn DB ln ab, und sein Nachfolger, ebenfalls auf 3 Jahre acceptirt, trat das erledigte Amt an. Die zweite, welche schon mit dem dritten Rabbi so verfährt, und die überhaupt keinen Cultusbeamten, weder Vorbeter, noch Schächter, noch Lehrer, unangefochten lassen kann, ist schon seit 3 Jahren in einen hartnäckigen Proceß mit ihrem Rabbinen verwickelt, welcher die böswilligsten Anschuldigungen und fürchterlichsten Skandale zur Folge hat. Die dritte, vor ungefähr einem Jahre noch ihren Rabbiner hochverehrend und auf Händen herumtragend, stehet jetzt als die erbittertste Feindin desselben ihm entgegen, ihn denuncirend und verfolgend. Dies aus der hiesigen nächsten Umgebung, abgesehen von den zahlreichen traurigen Berichten, welche von allen Seiten Ungarns einlaufen, und worunter auch allgemein geachtete Namen — wir nennen nur z. B. Herrn Rabbiner vr. Z. zu Stw. — Vorkommen. Warum aber sehen die andern Rabbinen, die sich in ihrer sichern Ruhe wiegen, so theilnahmsloS und gleichgültig dabei zu? Warum sollten nicht die hervorragenden Seelsorger unseres Vaterlandes, welche die allseitigen Interessen des Judenthums und dessen Cultus zu vertreten ja eigentlich berufen sind, diesem Unwesen, welches die heiligsten Dinge in den Staub tritt, der Religion spottet, die Erniedrigung des Judenthums, Herabwürdigung des ganzen RabbincrstandeS, und Vi^n mein im umfassendsten Sinne dieses in einer andern Sprache nicht deutlich genug zu übersetzenden Wortes zur Folge hat, zu steuern suchen? O, wenn Ihr, meine Herren Amlsbrüder, die Ihr in den großem und bessern Gemeinden Euern Wirkungskreis habt, und Sorger edler Seelen seid, so einen überzeugenden Blick in eine derartige Landgemeinde werfen könntet, welche Ränke, Jntriguen und Pläne da gegen ihr geistliches Haupt gesonnen und gesponnen werden, wie da auf dem Markte, im Kaffeehause, bei der Unterhaltung, kurz wo nur einige Juden zusammenkommen, immer der Rabbi der Gegenstand des Gespräches und der Kritik ist; wenn Ihr nur einige der brutalen Aeußerungen hören könntet, welche dem Munde solcher Leute entfahren, die zwischen L und U nicht unterscheiden können, und dennoch sich ein Urtheil über den Rabbiner anmaßen und im Rathe Sitz und Stimme haben; ich weiß, Ihr würdet bis in Euer tiefstes Innere Euch wehmüthig ergriffen, würdet selbst in Eurer „glänzenden Lage" Euch nicht behaglich fühlen!... Freilich liegt nicht immer die Schuld an den Gemeinden einzig und allein und trägt mancher Rabbiner sein gut Theil daran; wie überhaupt so manche Gemeinden triftige Gründe zur Unzufriedenheit mit ihren Seelsorgern haben; aber warum gehen diese bei ihrer Wahl so plump und blindlings drein? Weil, wie der Referent auS dem Banat bemerkt, man einige Jahre ja „probiren" kann. Aber ich frage Euch Gemeinden, die Ihr so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.