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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-08 · Heft 11 (8.3.1858) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 11 (8.3.1858)
Date
1858-03-08
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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146 selbst bedarf keiner Waisen - Anstalt. Die meist unter einander verschwägerten Familien unterstützen ihre unbemittelten Waisen liebreich und freigebig, und scheuen es, dieselben in einer besondern Anstalt erziehen zu lassen, und die aus der Umgegend gehören fremden Staaten an, denen die Sorge für ihre Waisen obliegt. Daher war Anfangs die Theilnahme nicht allgemein; die Sache hatte sogar mit Widerspruch zu kämpfen. Inzwischen fand sie bei den menschenfreundlichen Frauen dennoch Anklang. Ueber 400 erklärten sich zu dem geringen Beitrag von 3 Fl. jährlich bereit, und wir begannen unsre Wirksamkeit mit dem 11. April 1847. Die Kinder, deren weit mehr gemeldet wurden, als angenommen werden konnten, wurden einer achtbaren Wittwe zur Erziehung übergeben. Als Zweck wurde festgestellt, dieselben zu allen ersprießlichen Thätigkeiten tüchtiger Hausfrauen, zunächst zu ehrbaren Dienststellen zu befähigen. Der Erfolg entsprach den Erwartungen und mehrte die Theilnahme und die Schenkungen, ungeachtet des Mißjahres 1847 und der Bewegungen dcS Jahres 1848 und der folgenden bei wachsender Theucrung. Gute Werke scheinen in Unglückszeiten besser zu gedeihen, als in Tagen behaglichen Friedens und ungetrübten Lebensgenusses. Nach 5 Jahren hatten wir bereits über 50 Zöglinge unsre Wirksamkeit ausgedehnt, und konnten daran denken, die Stiftung selbstständiger herzustellen. Die obengenannte Hausmutter wurde berufen, welche unverehelicht und folglich unabhängig derselben frei von anderweitigen Sorgen vorstehen konnte. Durch sie blühete die Anstalt trefflich auf. Unser Capital war im Jahre 1856 schon auf 13,000 Fl. angewachscn. Wir beschlossen, ein Grundstück zu erwerben, um der Stiftung eine festere Zukunft zu sichern. Wir erkauften einen unbesetzten Boden in sehr angemessener Lage, und erbauten ein recht schönes Hauö, nach dem Bedürfniß der Anstalt zweckmäßig eingerichtet. Die Zuflüsse an Mitteln setzten unS in den Stand, die Kosten sämmtlich zu bestreiten, so daß wir im November 1857 ein schuldenfreies Haus beziehen konnten, welches am 8. November feierlich eingewciht wurde. Die Nachfolgerin der Fräulein Präger, Fräulein Johanna Weil auS Kassel, erfüllt ihre Pflichten als Hausmutter mit gleicher Treue und Umsicht. 15 Frauen leiten das Ganze mit seltener Hingebung; neben ihnen haben wir noch einen Kassier, einen Gegenschreiber, und meine Wenigkeit als Vorsteher. Der eben erscheinende Bericht über das Jahr 1857 weist mit den Kosten deS Hauses nebst Garten <13,200 Fl.) einen Capitalfonds von 16,600 Fl. nach, immerhin bedeutend, wenn man bedenkt, daß in den fast 11 Jahren schon circa 27,000 Fl. verbraucht worden. Die Früchte unsrer Mühen sind übrigens so erfreulich, daß die entschiedensten Gegner der Sache in Freunde sich verwandelt haben. Eine ziemliche Anzahl aus dem tiefsten Elend gerissener, wohlgebildeter Mädchen sind zu sittlich braven, tüchtigen und geschickten Arbeiterinnen herangezogen worden, welche theils selbstständig und achtbar ihre Nahrung finden, theils in vorzügliche Häuser eingetreten sind. Wir beachten auch hervortrctende Talente, um sie höher auszubilde». Eine ist Lehrerin der neuern Sprachen, vom Staate geprüft und bestätigt, und sehr gesucht; eine ist Schulhalterin, 4 derselben sind jetzt schon beitragende Mitglieder des Vereins. Daß mir dieser Erfolg und die allgemeine Anerkennung große Befriedigung gewährt, liegt in der Natur der Sache. Mein Verdienst dabei möge man indeß nicht überschätzen, eS besteht nur in der Beharrlichkeit, womit ich das Werk förderte, und allenfalls in dem Zeitaufwand, der damit verbunden war. Den würdigen Frauen, welche sich der Sache mütterlich annehmen und ihr viele Opfer bringen, gebührt die Anerkennung, daß sie durch ihre liebevolle Aufmerksamkeit das glückliche Ergebniß erzielten. Dieselben haben mir die Artigkeit erwiesen, im Hause eine marmorne Gedenktafel anzubringcn, um meine Urheberschaft zu verewigen. Diese Uebcrraschung hat mich tief gerührt. Indeß glaube ich derselben hier nur gedenken zu müssen, um den Geist, welcher die Mitglieder der Verwaltung beseelt, auch nach dieser Richtung hin zu bezeichnen. — Die ganze Stiftung, so von dem lebhaftesten allgemeinen Wohlwollen getragen, wird sicherlich, obwohl man alles Aufsehen und allen Redeprunk meidet, in ihrer geräuschlosen, aber gediegenen Thätigkeit immer mehr gedeihen und eine Zierde unsrer Stadt bleiben. I. M. I o st. Bühl, im Februar. (Zur Beschneidungsfrage.) Mit dankbarer Anerkennung hat gewiß jeder gesinnungstüchtige Israelit Ihre in mehrere» Nummern, namentlich in No. 52. v. I. gegebene Vertheidigung zur Erhaltung der heiligen Institution der Beschncidung gelesen. Ihrer andererseits mit'Siecht wie-

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