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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-08 · Heft 11 (8.3.1858) · p. Seite 145

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 11 (8.3.1858)
Date
1858-03-08
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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145 aus ist aber keine weitere Differenz in der religiösen und theologischen Entwickelung, in den gesetzlichen Lehren abzuleiten, und da sich diese dennoch findet, so muß sie einem andern Umstande ihre Entstehung verdanken." Geiger versucht nun nachzuweisen, daß die Samaritaner sich vorzugsweise an die Sadduca'er lehnten, und daß hieraus die meisten Veränderungen, die sie sich im Pentateuch gestatteten, herzuleiten sind. Wir führen Einiges davon an: „Der Kampf um die religiöse Macht fand seinen Mittelpunkt in der Kalenderbestimmung, in der Feststellung des Monatanfanges und der davon abhängigen Feste; während diese früher ausschließlich in der Gewalt des „Priestergerichtshofes" lag, rissen allmählig die pharisäischen Gelehrten dieselbe an sich. Daher fanden sich sowohl Samaritaner als auch die Bosthusen, jene trotzigen herodianischen Emporkömmlinge unter den Sadducäern, veranlaßt , Irrungen in diese Bestimmungen hineinznbringen bald durch falsche Feuersignale, bald durch gemiethete falsche Zeugen, und endlich begannen die Bosthusen einen Streit über die Feststellung des Wochenfestes, indem sie die sieben Wochen nicht von dem auf den ersten Pesachtag, sondern von dem auf den Sabbath folgenden Tage an gerechnet wiffen wollten., ein Kampf, an dem Samaritaner wie Kararten festhielten." — Aehuliche Objecte waren die Heiligkeit der Priester und die Priestergaben. Wir fügen noch Eines hinzu: „Die Scheu vor Gott z. B. hielt davon zurück, seinen eigentlichen Namen, das Tetragrammaton, auszusprechen, und man sprach dafür was sogar in einige Stellen des Pentateuchs eingedrungen ist. Dieses System ward später verworfen, indem man zuerst auf Aussprache des Tetragrammaton drang und dann dafür die Aussprache Adonai wählte; die Samaritaner hingegen blieben ihm treu und halten an fest. Einen entschiedenen Beleg für diese Sitte der Samaritaner, den göttlichen Namen zu umschreiben, bietet eine mehrfach in der jerus. Gemara kMosv katon 3, 7.; Sanh. 7, 9.) mitgetheilte Erzählung. Um nämlich zu beweisen, daß man auch gegenwärtig beim Anhören einer Gotteslästerung und zwar selbst, wenn der Name Gottes durch eine Umschreibung ausgedrückt werde Optt-lsn b2), die Kleider zerreißen müsse, wird folgender Vorfall mit Simon b. Lakisch berichtet: ihm sei ein Samaritaner begegnet, der habe mehrmals gelästert, und Simon habe immer seine Kleider zerrissen, endlich sei er es müde geworden, sei vom Esel herabgestiegen und habe dem Samaritaner einen Schlag ins Herz versetzt. Wie der Samaritaner gelästert, wird nicht gesagt, vielmehr stillschweigend vorausgesetzt, er habe dies in Umschreibung, nämlich in der ihnen gewöhnlichen mit kee, gethan. Wenn daher der Ausspruch in M. Sanhedr. 10, 1., der habe keinen Antheil an der künftigen Welt, wer den göttlichen Namen nach seinen Buchstaben ausspreche, in der jerus. Gemara erklärt wird: ■'arvo ^b^dr yoo , „wie jene Samaritaner, welche schwören", so soll dies nicht heißen — wie es bisher gedeutet worden —, so machten eö die Samaritaner, beim Schwören nämlich den göttlichen Namen nach seinen Buchstaben auszusprechen, vielmehr ist es umgekehrt eine Anleitung, wie man es denn machen solle, nämlich wie Samaritaner beim Schwören, man solle gleich ihnen anstatt des Tetragrammaton sich der Umschreibung „Haschem" bedienen, worauf dann ein anderer Lehrer die andere Anleitung giebt, man solle „Adonai" aussprechen: anpsn 8N Tra aros nbn t]bas. Was sollte auch im entgegengesetzten Falle die Bemerkung, daß die Samaritaner den göttlichen Namen nach seinen Buchstaben aussprächen? Wohl aber bedurfte es in der damaligen Zeit, in welcher der Gebrauch, sich der Aussprache des Tetragrammaton zu enthalten, unter den Pharisäern noch nicht feststand, einer Anleitung, was man an seine Stelle setzen solle, und so werden hier der samaritanische, d. i. altsadducäische, und der alerandrinische Gebrauch deS „Adonai" xvgiog, welcher letztere später maßgebend ward, zum Muster empfohlen." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a. M., im Februar. (Privatmitth.) Sie verlangen einen Bericht über den Fortgang deS von mir gegründeten, jetzt bereits in voller Blüthe dastehenden Waisenhauses für Mädchen. So gern ich dieses einer andern Feder überlassen hätte, so bin ich doch bereit, Ihrem Wunsche zu entsprechen, um dadurch jeder Ungenauigkeil vorzubeugen. Es gereicht mir dabei zur besondern Genugthuung, verkünden zu können, daß meine Anstalt eben jetzt in Mannheim, unter dem Beistände des wackern Rabbiners Herrn Präger, dessen würdige Schwester vier Jahre hindurch in der unfern Hausmutter war, eine Tochteranstalt hervorgerufen hat, welche, kaum in die Welt getreten, zu schönen Hoffnungen berechtigt. Die meinige ward im Jahre 1846 unter sehr ungünstigen Umständen ins Leben gerufen. Frankfurt

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