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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-08 · Heft 11 (8.3.1858) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 11 (8.3.1858)
Date
1858-03-08
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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143 gel dieses Gesetzes haben sich um so fühlbarer gemacht und drängen, da sie sich bereits auf die Praxis stützen, aus Nach- und Abhülfe. Die innere Kraft der Gemeinden ist seitdem wenig gewachsen; der .Geist der Religion ist wenig erstarkt; die Institute der Gemeinden leiden vielfach an Mangel an Energie und an leitendem jüdischen Gedanken und Grundsatz; das Schul- und Nabbinatswesen liegt an vielen Orten im Argen, namentlich ist der Religionsunterricht noch höchst mangelhaft und die Stellung der Rabbinen eine durchaus unbestimmte, sowohl den Gemeinden als dem Staate gegenüber durchaus nebelhafte. Das Gesetz von 1847 organifirt die Gemeinden, auch kleine Bezirksgemeinden, ohne die Zwecke dieser letzteren irgendwie festzustellen, oder eine weitere Verbindung, ein weiteres Zusammenwirken zu ermöglichen. Dasselbe Gesetz har in der Uebergabe der Civilstands-Register an die Gerichte unter Einführung der Civilehe dem Judenthume eine neue Ausnahmestellung verschafft, die mit vielen Jnconvenienzen verbunden ist. Die Gesetzgebung über die Eidesleistungen von Juden gehört noch dem allgemeinen Landrecht an und ist hinter denen aller Staaten, z. B. Oesterreichs, Sachsens, Hannovers zurückgeblieben. Außerdem giebt es noch eine Menge specieller Gegenstände, in denen eine Besserung anzustreben ist; wir erinnern z. B. an die erst vor Kurzem in diesen Blättern beregte Angelegenheit der jüdischen Sträflinge. Wir haben hiermit absichtlich die Gegenstände, welche dringend zu einer Berathung, Vereinigung und gemeinsamen Thätigkeit auffordern, nur ganz allgemein angedeutet. Jeder praktisch thätige Geistliche kennt sie genugsam. Wir fordern daher abermals alle unsere geehrten Kollegen auf und bieten ihnen amtsbrüderlich die Hand, im Laufe dieses Frühjahrs oder Sommers eine Versammlung zu halten, in welcher alle diese und andere wichtige Fragen, die das Judenthum in Preußen betreffen, gemeinsam berathen würden. Wir sagen: alle unsere Kollegen. Es soll keine Versammlung des Parteigeistes oder der Parteirichtung sein; alle sogenannte Reformfragen sollen ausgeschlossen bleiben; die Gegenstände der Berathung reichen weit über diese hinaus und find vom allgemeinsten jüdischen Jntereffe. Es finde also Niemand in solchen Parteirückstchten einen Entschuldigungsgrund für sein Ausbleiben. Eben so wenig gilt es hier irgendwie Fragen, die, auch im Entferntesten nicht, einen politischen Charakter haben oder von irgend einem oppositionellen Geiste zeugen. Es sind innere Fragen von allgemeinem Interesse für das Judenthum und ihre Erörterung kann nur der hohen Staatsregierung selbst angenehm sein. Auch davon halten wir uns überzeugt, daß die meisten Gemeinden einen guten Zuschuß zu den Reisekosten ihrer Rabbinen gewähren werden, da die finanzielle Lage dieser in der Regel eine größere Reise nicht möglich macht. Wir erwarten die briefliche Zustimmung wenigstens einer Anzahl unserer Kollegen; aus deren Mitte werden wir dann einige um die Uebernahme der Functionen eines Konnte ersuchen, um alles Aeußere, was zur Herstellung der Versammlung gehört, zu besorgen, die Fragen vorzubereiten und diejenigen entgegenzunehmen, welche anderswoher gestellt werden. Wir enthalten uns jedes Wortes weiterer Anmahnung und Ueberredung. Die Sache spricht zu sehr durch sich selbst. Wir suhlen uns glücklich, die Anregung geben zu können und die Verwirklichung zu vermitteln; mögen unsere Kollegen dasselbe Gefühl theilen, indem sie ihre Mitwirkung Zusagen. Die Rabbinen sprechen das Jahr über so oft von der Gleichgültigkeit und Energielosigkeit der Gemeinden, daß sie sich hüten müssen, denselben Vorwurf Seitens der Gemeinden zu hören. Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, im März. Das eben ausgegebene Heft 1. des 12. Bandes der Deutsch-morgenländischen Gesellschaft enthält mehrere Abhandlungen, die auf unserm Gebiete interesfiren. Zuerst die von Geiger: ,,Zur Theologie und Schrifterklärung der Samaritaner", aus der wir Einiges herausheben. Sie beginnt: ^Hellenismus und Hebraismus sind die zwei Säulen, Jakhin und Boas, am Geistestempel der Menschheit, jener ein immer erneuter Antrieb, des Menschen edlere Kräfte harmonisch zu entfalten, dieser der Seele den Aufschwung zu Gott verleihend, ahnungsvollen Glauben au den Unerforschlichen weckend, mit der nimmer schweigenden Mahnung, aus dem Urquell alles Geistes Kraft zu schöpfen. Wohl ist die orientalische Philologie nicht mehr wie ehedem blos Dienerin der Theologie, sie ist eine selbstständige Sprachwissenschaft geworden und hat ihren Kreis mächtig über den Semitismus hinaus erweitert; dennoch wird sie nicht aufhören, ihres Ursprungs eingedenk zu bleiben, und wie die elasstsche Philologie als ihr Ziel anerkennt, die ihrem Gebiete angehörigen Völker des Alter- 11*

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