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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-01 · Heft 10 (1.3.1858) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 10 (1.3.1858)
Date
1858-03-01
Page
Seite 134 (sequence 8)
Language
German
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134 ben hatte. — Der israelitische Arzt Dr. Lobethal in Breölau (vergl. unfern Bericht in No. 2.) hat am 7. d. M. sein 25jähriges Doctorats-Jubiläum begangen und zu demselben von vielen Seiten her, — auch von auswärts — sehr glänzende Beweise der Anerkennung und Auszeichnung erhalten. — Eine neue Stiftung, die in Breslau mit dem l. Januar d. I. in Wirksamkeit trat, hat zum Zwecke, für eine ansehnliche Anzahl armer jüdischer Kinder, welche daselbst ihre Ausbildung genießen, daS Schulgeld zu zahlen, so wie dieselben mit allen erforderlichen Lernmitteln zu versorgen. Auswärtige Kinder, wenn sie mit den nöthigen Attesten versehen, werden auch berücksichtigt; heimische genießen indeß den Vorzug. Der Fond zu der gedachten Stiftung ist derselbe, aus welchem ehedem die seit einigen Jahren eingegangene „Wilhelmsschule" erhalten wurde. — Der israelitische Kaufmann Simon Levy zu Lissa (Prov. Posen) hat bei Gelegenheit der Vermählungsfeier Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen dem Magistrat daselbst den Betrag von 100 Thalern überwiesen, um dieselben unter vier arme Brautpaare (zwei christliche und zwei jüdische) zu vertheilcn. — In einer Streitsache zwischen einem Mitgliede der Synagogen-Gemeinde Licgnitz und dem Vorstände der letztem wurde neulich Seitens der betreffenden Gerichtsbehörde dahin entschieden, daß die Vorsteher jüdischer Corporation gesetzlich nicht den Charakter öffentlicher Beamten hätten und daher auch, dem Gesetze gegenüber, niemals als solche zu beurtheilen wären. Tilsit, im Februar. (Privatmitth.) Schon bei Ansicht deö ersten Berichtes aus Fürth vom December in No. 1. d. Bl., worin eine gerechte und wohlverdiente Rüge über die Taktlosigkeit eines dortigen Gesangvereins ertheilt wird — war es meine Absicht, meine und vieler Gleichdenkenden Zustimmung dem Einsender auszusprechen, und das unverantwortliche Benehmen jenes Vereins zu verurtheilen. DaS Bedenken aber, daß bei der weiten Entfernung es von hier aus unmöglich zu beurtheilen wäre, in wie fern der Berichterstatter sich vielleicht Ucbertreibungen und Entstellungen erlaubt — hielt mich ab. — Nun aber hat ein Paladin deS „Gesangvereins" in No. 4. dieser Blätter sich vernehmen lassen, mit etwas Arroganz und Unverschämtheit zwar — aber: die Hauptsache — er giebt zu, daß die Poffe „Scnnora Pepita, mein Name ist Meyer" — durch Juden aufgeführt worden sei, und sucht dies zu rechtfertigen. — Der Fürther Gesangverein wird eS mir auf's Wort glauben, wenn ich erkläre, daß mir nicht eines seiner Mitglieder — eben so wenig auch der erste Berichterstatter in No. 1. — von Person bekannt ist — daß also von einer persönlichen Animosität keine Rede sein kann — es vielmehr hier nur allein um die Sache sich handelt. Und da muß es denn in derThat den größten Unwillen erregen, wenn der Verein jenes Machwerk zur Aufführung hat bringen können! — Es ist keine zu zarte Empfindlichkeit bei den Juden, es ist lediglich die richtige Beurtheilung der Verhältnisse. — Wenn auch andere Stände und Religionen — wie es der Vertheidiger deö Gesangvereins meint — angegriffen und verhöhnt werden, so waltet hierbei ein bedeutender Unterschied ob. Bei diesen bleibt Alles abstract, es fällt Niemandem ein, die gegeißelten Schwächen und Laster den Gegenwärtigen auszubürden. Anders mit den Juden: hier werden die Laster und Schwächen einzelner Jndivibuen sogar der Gesammtheit zur Last gelegt, und es bewahrheitet sich — bN-iur bs mb nt Wir sehen es ja, wie wohlgefällig eS breitgetreten wird, wenn einmal ein Jude sich etwas zu Schulden kommen läßt, wie man gleichsam die ganze Judenheit als Mitschuldigen betrachtet; wie man dagegen Verdienste und Auszeichnungen unter den Juden so viel wie möglich verkleinert und vertuscht. — Und da soll der Jude selbst noch die Hand zu seiner Entwürdigung bieten? — Was würde man wohl sagen, wenn ein adeliger Club den „vonllsnuäo de Colnrade»“, oder ein katholischer: „Der alte Fritze und die Jesuiten" aufführte! — Aber dergleichen Verirrungen sind nur eine Folge derjenigen Richtung, welche ein Zweig der deutschen Literatur in der neuern Zeit genommen hat. Wir meinen damit die Berliner Kladderatasch - Literatur, welche eben so sehr dem deutschen Volke zur Schande, als den Autoren zur Unehre gereicht. — Unsere Nachkommen werden eS nicht glauben wollen, daß ein Zeitalter, dem die Schätze eines Jean Paul, Börne, Heine, die Werke von Saphir, Oettinger, Glaßbrenner, Waltsrohl u. s. w. — wir nennen geflissentlich nur einige Humoristen — dem auch gute Witzblätter, wie: Düsseldorfer Monatshefte, Münchener fliegende Blätter u. s. w. zu Gebote standen —

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