Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 9 (22.2.1858)
- Date
- 1858-02-22
- Page
- Seite 121 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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121 rechts finden wir eine zwar kleine, aber doch Gott geweihte Stätte, eine niedliche, mit eben so niedlichen, correcten Gesetzesrollen und irnp 'ba ausgestattete Synagoge, wo ein eigener Chasan und Synagogendiener fungiren, und wo der Reconvalescent mit gefalteten Händen um völlige Genesung zum Allvater zu flehen, der Genesene Dankespsalmen auf dem Altäre seines Herzens und der gesunde Greis Betrachtungen über die Wandelbarkeit des menschlichen Daseins und über die sich ihm eröffnende Zukunft anzustellen vermag. Bemerkst Du nicht über der Kanzel en miniature vor der heil. Lade eine schwere, aber dennoch zierlich und fein gearbeitete silberne kapselartige Lampe? Es ist ein Geschenk einiger nicht prahlsüchtiger, und darum nicht bekannter Männer zum Behufe der zu brennenden „Jahrzeitlichter". — Siehest Du jenen prachtvollen, rothsammetenen mit reichen, kunstvoll gearbeiteten Goldstickereien verbrämten Vorhang nahf? — Es ist das Weiheopfer von Mde. Büchenbacher, als sie an der Seite ihres achtbaren Gemahls und ihrer Kinder ein neues palaisartiges Haus bezog. — An der Männersynagoge befindet sich eine dergleichen für weibliche Personen, denn -Pr "naa "n '»a Nb? und hinter dieser das schöne Versammlungszimmer, wo der Spital-Verwaltungs- und Armenpflegschaftsrath, zuweilen der Herr Bürgermeister John an seiner Spitze, seine Berathungen u. s. f. hält, um Beschwerden abzustellen und Verbesserungen vorzunehmen. Treten wir nach vorn, so nehmen wir die treffliche Wohnung des Verwalters und ihr gegenüber eine geräumige, stets das Gepräge der Reinlichkeit tragende Küche wahr, worin für die Insassen stets gesorgt wird. — Ist die Vorderfront an einem freien, zu jeder Jahreszeit von vielen Besuchern der durch den 30jährigen Krieg historisch gewordenen alten Feste belebten Platze gelegen, so ist die hintere Front einem großen Gemüse- und Baumgarten zugekehrt, der labende Producte fürs Spital liefert. Ist die ganze Organisation eine zweckmäßige, so ist die Entstehung des Hospitals um so bemerkenswerther. „Von Guten kommt Gutes." Dem vormaligen, nun Alters halber quiescirten Bürgermeister, Herrn v. Bäumen, der sich um die hiesige Stadt zahllose Verdienste erwarb, schien das alte, im ruinösen Zustande an dem mit vielen Tausenden von Leichen besäeten und düstern jüdischen Friedbofe befindliche Hektesch gerade kein zweckgemäßer, erheiternder Aufenthaltsort für kranke, ohnehin betrübte Seelen zu sein, und er faßte den edlen Entschluß, mittelst des ihm wohlbekannten WohlthätigkeitssinneS hiesiger jüdischer Einwohner einem Theile der leidenden Menschheit ein freundliches Asyl zu verschaffen. Zu diesem Zwecke ging er jedes bemittelte Gemeindeglied um einen angemessenen Beitrag an, der nun selige, äußerst wohlthätige Banquier, Herr H. Königswärter, mit 3000 Fl.*) voran, und so wurden 30,000 Fl. als Gründungscapital in mehreren Jahren zusammengebracht, rüstig und unverdrossen unter technischer Controlle gebaut und das Hospital im November 1846 eingeweihet und seiner Bestimmung übergeben. Eine tüchtige Acquisttion machte indeß die Verwaltung unstreitig an dem dermaligen Verwalter Herrn Reiß und seiner Gemahlin. Bis zum genannten Jahre Lehrer an einer jüdischen Gemeinde Oberfrankens, weiß er seit dieser Zeit sein Amt mit einem gewissen Tacte und praktischem Sinn gewissenhaft und ächt jüdischen Gcmüthes zu versehen, daß er stets der Zufriedenheit der Behörden so wie des Vcrwaltungsraths gewiß ist, so wie seine Gattin als freundliche Hausmutter immer heitern Antlitzes emsig waltet. Sehr bewandert in den jüdischen Bekenntnißschriften und mit dem Administrationswesen vertraut, ist er zugleich an der Gemein-Registratur unter Präpodenz des gemüthlichen, edlen und mit wahrhaftem Seelenadel begabten, als Gemeindcschreiber sungirenden Juristen Herrn Dr. Ortenau angestellt. War auch die Fundirungssumme bedeutend, sind auch seit der Gründungszeit viele Legate und Vermächtnisse dem Spitale zugeflossen, so beansprucht die Instand - und Unterhaltung sehr große Capitalien und in Ermangelung vorhandener Dotation figuriren auch auf dem Gemeinde-Etat gewichtige Postulate dafür. Doch die Corporationskasse blieb von dem Krisenspuk unberührt und ist immer gefüllt und man giebt ja gern und fröhlichen Herzens, sobald eS die Linderung des Looses Nothleidender heischt. Indeß für heute genug, unbekannter Freund; ich geleite Dich noch zum stattlichen Gasthause, labe Dich an erquicklichem Mahle, dann schlummre sanft und träume süß von den Lilien Scharons, von dem nie verwaisten Israel, von guten Menschen jedes Standes und Glaubens und von dem allerbesten Vater, der seine Gnadendecke über Dich breiten möge. 8cl>. *) Hierfür erhält er jeden Samstag eine» 9