Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-22 · Heft 9 (22.2.1858) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 9 (22.2.1858)
Date
1858-02-22
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226103--16724-3245592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

119 zen sich dem katholischen Glauben zuwenden würden, sollten nicht nur frei von dieser Beschränkung sein, sondern auch von jenen Leistungen und Lasten, zu welchen sie bisher gehalten waren. Natürlich verfehlte die Synode nicht, die von Egica vorgeschlagenen Gesetze, sowohl die älteren, als die neueren, zu sanctioniren (693), entschuldigte aber gewissermaßen ihre ewige und doch nutzlose Gesetzgeberei in Betreff der jüdischen Neophyten, ohne sich den wahren Grund ihrer Nutzlosigkeit einzugestehen. „Obwohl zahlreiche Gesetze der Väter zur Verdammung der Juden bereits vorhanden find, muß dennoch, weil (wie der Prophet sagt) Juda's Sünde mit eisernem Griffel in Diamantnagel eingegraben ist, und die Juden in ihrer Blindheit verharren, die Mauer ihres Unglaubens vermittelst der Zerstörungswerke der Kirche umgestoßen werden, damit sie gegen ihren Willen gebessert oder gänzlich aufgerieben werden." — Es gab also jetzt dreierlei Gesetzsammlungen für die westgothischen Bürger jüdischen Stammes: die ältere, welche Erwig modificirt hat, die Erwig'sche und endlich die Egicanische. „Auf Egica's Gesetze antworteten die Juden, getaufte und ungetaufte, mit einer Verschwörung. Von ihren glücklichern afrikanischen Brüdern aufgestachelt, beabsichtigten sie, wahrscheinlich mit Hülfe der siegreich vordringenden und nach dem schönen Spanien lüsternen Araber, nichts weniger, als das westgothische Reich zu stürzen (ausu tyrannico inferre conati sunt ruinam palriae ac populo universo). So abenteuerlich auch diese verwegene Unternehmung der Juden klingt, so hätte sie doch gelingen können, da der westgothische Staat durch die Uneinigkeit der Großen, die Herrschsucht der Priester, das Ueberhandnehmen der Laster, welche die germanische Tapferkeit entnervt hatten, in Auflösung begriffen war und leicht die Beute eines kühnen und glücklichen Handstreiches hätte werden können. Die Verschwörung der Juden wurde aber verrathen, und als Egica vollgültige Beweise durch erpreßte Geständnisse davon in Händen hatte, legte er sie der Kirchenversammlung (der vorletzten toletanischen, November 694) vor, und knüpfte daran einen Gesetzesvorschlag, der einem Racheacte ähnlicher ist, als einem besonnenen Gesetze, und Unschuldige wie Schuldige traf. Die Väter des fiebenzehnten Concils, nicht minder entrüstet über die Verwegenheit der Juden, „welche nicht blos das Glaubensgewand, das die Mutter Kirche ihnen durch das Bad der Taufe angelegt, durch die Beobachtung ihrer Riten befleckt, sondern auch die Macht des Reiches durch Verschwörung an sich zu reißen gedacht", genehmigten Egica's Decret. Dieses verfügte, daß sämmtliche Juden Spaniens und der gallischen Provinz als Sclaven oder Leibeigene erklärt, an Herren verschenkt und durch das Land vertheilt werden sollten, ohne daß es ihren Herren freistänve, sie zu emancipiren. Die Kinder von sieben Jahren an sollten ihren Eltern entrissen und frommen Christen zur Erziehung übergeben werden. Eine Ausnahme war nur gemacht zu Gunsten der Juden, welche in den Engpässen der gallischen Provinz wohnten und als Grenzwächter vermöge ihrer Tapferkeit den Einfall der Feinde verhinderten (Ilebraei qui Galliae provinciae intra clausuras habitatores existunt). Diese sollten nicht zur Sclaverei verdammt, aber jedenfalls zur Bekehrung gezwungen werden.— Aber kaum ein Jahrzehend blieb dieses eben so unsinnige wie ungerechte Gesetz in Kraft. Egica's Sohn, Vitiza, hat es selbst aufgehoben und den Juden wieder doppelte Freiheit gegeben. Aber sie konnten die tausend Unbilden und Quälereien, die sie so lange erduldet, nicht vergessen. Gerade ein Jahrhundert, seitdem ihre Vorfahren von Sisebut zur Taufe gezwungen worden waren, erleichterten die Enkel den Arabern das Vordringen und die Siege im westgothischen Spanien (711). Sisebut hatte es nicht geahnt, daß er vermöge seiner Gewaltthat gegen die Juden den Untergang des westgothischen Reiches angebahnt hat." — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Fürth, Ende Januar. (Privatmitth.) Unter Bezugnahme auf den ersten Artikel (No. 51. des vorigen Jahrgangs) mögen nachfolgende Berichte über die hiesigen jüdischen Zustände und Einrichtungen unter dem aufrichtigen Wunsche folgen, daß das Gute Nachahmung finden, das zu Verbessernde aber einer möglichen Vervollkommnung entgegengeführt werden möge. In so fern jedoch, analog der Bildung deS Menschen, die Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse der Entwickelung der intellektuellen Anlagen vorangehcn müsie, mögen auch beregte Relationen den Reigen mit einer Schilderung der Anstalten zur Förderung der irdischen Wohlfahrt beginnen. Doch, um Dir, lieber Leser — insbesondere Ihr, zahlreiche Rabbinen, Lehrer und Kaufherren, die Ihr vor ungefähr 3 — 4 Decennien den ersten Grund zu Eurer nunmehrigen Geistesbildung am hiesigen Orte gelegt, deren Geistesschwingen hier zuerst ihre innewohnende Strebekraft wahrnahmen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.