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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-22 · Heft 9 (22.2.1858) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 9 (22.2.1858)
Date
1858-02-22
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 eine höhere Bedeutung erlangt hätten. Wir haben — abgesehen von der genugsam bekannten spanischen Periode — wiederholt documentirt, daß die Juden von einer besonderen Wichtigkeit für die Entwickelung der socialen Verhältnisse, von der erfolgreichsten Wirksamkeit innerhalb der christlichen und mohamedanischen Länder in der ersten Periode des Mittelalters bis gegen die Kreuzzüge hin gewesen. Wir haben hierfür niemals die Zeugnisse jüdischer Autoren, sondern christlicher älterer und neuerer Schriftsteller angeführt, und zwar um so lieber, je weniger diese Schriftsteller fich sonst als judenfreundlich erwiesen, da ein Zeugniß eines Gegners mehr Gewicht zu haben pflegt, als viele Zeugnisse befreundeter Männer, und wenn diese in ihren Beweisgründen noch so klar sind. Von nicht minderer Bedeutung waren die Juden in dem großen Staate der alten Römer. Nicht allein, daß sie unter den hasmonäischen Fürsten in Vorderasien entschiedenen Einfluß hatten, daß sie in dem Aegypten der Ptolomäer eines der wichtigsten Staatselemente waren, in den Heeren derselben in großen Massen dienten und ihnen oft genug die besten Heerführer lieferten, daß Julius Cäsar selbst in Aegypten seine Rettung und seinen Sieg dem vom Antipater angeführten, aus Syrien zur rechten Zeit angelangten jüdischen Heere verdankte — im ganzen römischen Reiche, in Rom selbst waren fie schon zu Julius Cäsar's Zeit eine Macht, und dieser große geniale Römer räumte ihnen einen bedeutenden Platz in dem von ihm umgestalteten Staate ein. Hören wir hierüber den neuesten deutschen Geschichtsschreiber Roms, Momsen, welchem man bei der außerordentlichen Trefflichkeit seiner Arbeit doch den Vorwurf machen kann, daß er allzusehr moderne Staatsbegriffe in das alte Rom übertragen hat, und daß von diesem Gesichtspunkte aus seine Urtheile bisweilen zu stark gefärbt find. Daß er in seinem Urtheile über die Juden einseitig verfährt, geht aus der Haltung desselben zur Genüge hervor. Gerade darum führen wir die betreffende Stelle aus dem III. Theile seiner „römischen Geschichte" um so lieber an, da es uns hier nur um den Kern der Sache zu thun ist. „Die erste und wesentlichste Bedingung zu der politischen und nationalen Nivellirung des Reichs war die Erhaltung und Ausdehnung der beiden zu gemeinschaftlichem Herrschen bestimmten Nationen (Römer und Griechen) unter möglichst rascher Beseitigung der neben ihr stehenden barbarischen oder barbarisch genannten Stämme. In gewissem Sinne könnte man allerdings neben Römern und Griechen noch eine dritte Nationalität nennen, die mit denselben in der damaligen Welt an Ubiquität wetteiferte und auch in dem neuen Staate Cäsars eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen bestimmt war. Es sind dies die Juden. Das merkwürdige, nachgiebig zähe Volk war in der alten, wie in der heutigen Welt überall und nirgends heimisch, überall und nirgends mächtig. Die Nachfolger David's und Salomo's bedeuteten für die Juden jener Zeit kaum mehr, als heutzutage Jerusalem für sie bedeutet; die Nation fand wohl für ihre religiöse und geistige Einheit einen sichtbaren Anhalt in dem Königreich Jerusalem, aber fie selbst bestand keineswegs in der Unterthanenschaft der Hasmonäer, sondern in der unermeßlichen, durch das ganze parthische und das ganze römische Reich zerstreuten Judenwelt. In Alerandreia namentlich und ähnlich in Kyrene bildeten die Juden innerhalb dieser Städte eigene administrativ und selbst local abgegrenzte Gemeinwesen, den Judenvierteln unsrer Städte nicht ungleich, aber freier gestellt und von einem „Volksherrn" als oberstem Richter und Verwalter geleitet. Wie zahlreich selbst in Rom bereits vor Cäsar die jüdische Bevölkerung war und zugleich wie landsmannschaftlich eng die Juden auch damals zusammenhielten, beweist die Bemerkung eines Schriftstellers dieser Zeit, daß es für den Statthalter bedenklich sei, den Juden in seiner Provinz zu nahe zu treten, weil er dann sicher darauf zählen dürfe, nach seiner Heimkehr von dem hauptstädtischen Pöbel ausgepfiffen zu werden. Auch zu jener Zeit war das vorwiegende Geschäft der Juden der Handel; mit dem erobernden römischen Kaufmann zog damals der jüdische Händler ebenso überall hin, wie später mit dem genuesischen und venetianischen, und neben der römischen strömte das Capital allerorts bei der jüdischen Kaufmannschaft zusammen. Auch zu jener Zeit endlich begegnen wir der eigenthümlichen Antipathie der Occidentalen gegen diese so gründlich orientalische Race und ihre fremdartigen Meinungen und Sitten. Dies Judenthum, obwohl nicht der erfreulichste Zug in dem nirgends erfreulichen Bilde der damaligen Völkermengung, war nichts desto weniger ein im natürlichen Verlaus der Dinge fich entwickelndes geschichtliches Moment, das der Staatsmann weder sich abläugnen noch bekämpfen durfte und dem Cäsar vielmehr, eben wie sein Vorgänger Alerander, in richtiger Erkenntniß der Verhältnisse möglichst Vorschub that. Wenn Alerander, der Stifter des alerandrischen Judenthums, damit nicht viel weniger für die Nation that, wie ihr eigener David durch die Gründung von Jerusalem, so förderte auch Cäsar die Juden in Alerandria wie in Rom durch 9*

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