Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 8 (15.2.1858)
- Date
- 1858-02-15
- Page
- Seite 109 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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109 neu. Der oberste Gerichtshof aber bewilligte über den Recurs des abgewicsenen Israeliten, mit Abänderung der gleichförmigen unterrichtlichen Entscheidungen, die begehrte Jntabulation der Miethrechte. In den Gründen ist gesagt, daß die durch kaiserliche Verordnung vom 2. Octobcr 1853 provisorisch wieder eingeführten, die Besitzfähigkeit der Israeliten einschränkenden Vorschriften der nachgesuchten Einverleibung nicht im Wege seien; denn unter „Besttzfähigkeit" habe man eben nur die Fähigkeit zur Erwerbung des Eigenthums an unbeweglichen Sachen zu verstehen, und abgesehen von der dem Sinne der kaiserlichen Verordnung entsprechenden gleichen Beoeutung dieser Ausdrücke, handle cs sich hier auch nicht um die Erlangung eines Besitzes als solchen, da Mielhvcrträge für sich kein Recht zum Besitze der Bestandsache begründen, sondern um die nach dem allgemeinen b. G. B. zulässige Sicherstellung der Miethrechte des Bestandnehmers gegen die rechtlichen Folgen der Veräußerung der gemietheten Sache. Fünfkirchen, 2. Februar. (Privatmitth.) Waren es diese geschätzten Blätter, die im vorigen Jahre vorerst eine kurze Entstehungsgeschichte der hiesigen Gemeinde und später den Bericht brachten, daß der alte Herr Rabbiner Löw auf alle ehrenhafte Weise mit einer Pension von 40V Fl. jährlich in den Ruhestand versetzt wurde, und daß durch Jntervenirung des k. k. Hofrathes, Herrn E. v. Cseh, als des Regierungsorganes, die sämmtlichen Cultusvorstände des Comitates dahin gebracht wurden, das Oberrabbinat deö Kreises mit dem Localrabbinate zu Fünfkirchcn zu vereinigen; so sei es mir nun gestattet, im Weitern die freudige Nachricht mitzutheilen, daß endlich für diesen bedeutungsvollen Posten der Mann gefunden und zwar in der Person des auch in diesen Blättern schon würdevoll erwähnten Rabbiners Herrn Dr. I. H. Hirschfeld aus Szcnitz. — Wer die Schwierigkeiten kennt, welche die Gewinnung und Anstellung eines Rabbiners auch nur für eine Gemeinde für sich hat, der wird leicht begreifen, daß jene sich um so mehr da häufen, wo ein Rabbiner für ein Territorium nahe an 90 Quadratmeilen von mehreren Bezirken und Gemeinden gewählt werden, und hyperorthodoren wie reformatorischen Ansprüchen in gleicher Weise entsprechen soll, und aufrichtig einstimmen in unsere Freude, schließlich das schwankende Schiff der Gemeindevertretung auf dieser Fahrt voll Klippen da anlangen zu sehen, wo dem beschaulichen Mitreisenden sich ein neuer sicherer Blick in weitausgcdehnte Gebiete eröffnet; denn wahrlich! der vorangehende, vorzügliche Ruf des gewonnenen Herrn Rabbiners als Talmudist, Prediger und Schulmann berechtiget zu den schönsten Hoffnungen. S. Götzl, dirigirender Oberlehrer der Haupschule. Frankreich. Paris, im Februar. Die Arch. isr. de Fr. enthalten eine sehr gut geschriebene Skizze über Rachel von Herrn Isidore Cahen. Wir wollen hier auf Einzelnheiten nicht zurückkommen; auch nicht die Details über die letzten Tage Rachels und wie sie mit ganzem Herzen im Judenthume verschied; hatte sie doch selbst an den Großrabbinen von Paris durch ihre Schwester Sarah das Gesuch ergehen lassen, so schnell wie möglich nach Counet zu kommen — eine ungeheure Entfernung. Aber interessant ist die Rede, welche der Großrabbine Isidore an ihrem Grabe gehalten, und wir geben hierüber den Bericht der Archive«. „Nachdem der Großrabbine die Weihgebete in hebräischer und französischer Sprache gehalten, sprach er folgende Rede, die wir im Stande sind, vollständig wiederzugeben : „Meine Herren, wir sind hierhergekommen, um unsre Schwester Rachel Felir, deren sterbliche Ueberreste in diesem Sarge ruhen, zu ihrer letzten Wohnstätte zu geleiten. Ich wollte, indem ich selbst ihr Grab segne, diesem großen Talent huldigen, das so eben erloschen. Ich wollte überhaupt, meine Herren, durch meine Gegenwart und meine Worte die Gerüchte widerlegen, die über diese arme Verblichene umlaufen. Ich habe häufig religiöse Gespräche mit Rachel gehalten. Ihre schöne Einsicht wußte in ihrer Religion, der ersten und der Mutter aller, Das zu finden, was ihrem Herzen, den Forderungen ihrer Vernunft genügte, und niemals dachte sie daran, ihren Glauben abzuschwören; sie hatte zu viel Ehrgefühl, um ihren Glauben zu verlassen, zu viel Herz, um die Bande zu brechen, welche sie an ihre Familie, an ihre Abstammung fesselten. Rachel ist geboren als Israelitin und gestorben als Israelitin. Wir, meine Herren, wollen für sie beten und zu Gott flehen, der in fei» 8**