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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-08 · Heft 7 (8.2.1858) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 7 (8.2.1858)
Date
1858-02-08
Page
Seite 92 (sequence 8)
Language
German
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lichen annehmen möchten. Daß diese Bitte nicht vergebens ausgesprochen wurde, beweise die in Persien erfolgte bürgerliche Gleichstellung aller Nichtmuhamedaner mit der dortigen mubamedanischen Bevölkerung. Preußen. Auö Obrrschlesien, im December. (Privatmitth.) Gestatten Sie die Veröffentlichung nachstehender, aus zuverlässiger Quelle geschöpften Notizen über die nunmehr seit zwei Jahren bestehende, in stetem Gedeihen begriffene israelitische Gemeindcschule zu Gleiwitz. An der Spitze derselben steht der in der Gelehrtenwelt rühmlichst bekannte Lericograph und Pädagog Dr. Wilhelm Freund. Mit ihm arbeiten in segensreicher Wirksamkeit drei akademisch gebildete, mit der lscultss docendi für die obersten Gymnasialclassen versehene Lehrer, die Herren M. Marx auS Trier (Hebräisch), Dr. E. Liebrecht (Mathematik und Naturwissenschaften), Dr. L. Oelsner (Geschichte und Geographie), — Beide aus Breslau, — welche selbstverständlich auch in anderen Lehrgegenständen fungiren, 1 Lehrerin, Fräul. E. Sington aus BreSlau, 4 Elementar-, 1 Zeichenlehrer und 1 Hülfslehrerin, endlich als ReligionSlehrer und Revisor des hebräischen Unterrichtes der Rabbiner Herr Dr. H. Hirschfeld. Die Anstalt wird gegenwärtig von 4l0 Zöglingen — Knaben und Mädchen —, worunter 60 auswärtige, besucht, welche auf je 4 getrennte und 2 gemischte (Unter-) Classen vcrtheilt sind. Außer dem Hebräischen, daS durch alle 10 Classen in resp. 8 — 10 (bei den Mädchen weniger), und dem Lateinischen, das von der dritten Knabenclasse an aufwärts in je 4 wöchentlichen Stunden gelehrt wird — bas Griechische ist nach dem Zwecke der Anstalt ganz ausgeschlossen — erstreckt sich der Unterricht auf die deutsche, sraiizösische und englische Sprache und alle üblichen Realsächer; er befähigt die Knaben nach einem zweijährigen Cursus in der ersten Classe zum Eintrilt ins bürgerliche Leben oder in die Sekunda einer Realschule, oder auch — bei einiger Nachhülfe im Lateinischen und gehöriger Vorbereitung im Griechischen, in die Secunda ei»es Gymnasiums. Die weibliche Jugend genießt außer den gewöhnlichen Diöeiplinen gründlichen Unterricht in den Handarbeiten; sie erhält überhaupt eine Schulerziehung, die auf gleiche Weise die Ausbildung des Geistes und des Gemüthes, wie auch die Befähigung der Mädchen zu ihrem künftigen Berufe als Hausfrauen anstrebt, so weit dieselbe in der Schule gewonnen werden kann. Ihre erste öffentliche Prüfung bestanden sämmiliche Classen am 1. und 2. April d. I.; daS Resultat derselben war ein nach jeder Seite wahrhaft erfreuliches. Mehr aber noch als diese Prüfung, welche Manchem wohl mit Recht zur Begründung eines vollgültigen UrtheilS noch nicht hinreichen mag, beweist das Ergebniß einer vor Kurzem im Aufträge der Königlichen Regierung zu Oppeln durch den Herrn Consistorial- und Schulrath Schulze vorgenommenen umfassenden Revision der Classen, und dessen vor dem Gemeindevorstande, Direktor und Rabbiner ausgesprochenes Urtheil über die fast durchweg befriedigenden, zum Theil sogar überraschenden Leistungen der Lehrer. Möge dir Gleiwitzer Gemeinde in dieser amtlichen Anerkennung Lohn und Ersatz finden für ihre seltene Opferwilligkeit in Begründung und Erhaltung der Anstalt (wir denken hierbei namentlich an die auf Lebenszeit verliehenen Lehrerstellen, durch welche sie ebenso sich selbst, wie den Lehrerstand ehrt); mögen aber auch die Lehrer, die mit vollster Hingebung, jugendlichem Eifer und oft unter schwierigen Verhältnissen an dem ohnehin schweren Werke der Jugendbildung arbeiten, sich moralisch gehoben und gestützt fühlen durch daS streng-unparteiische Urtheil jenes im Schulwesen ergrauten Staatsdieners; mögen endlich andere Gemeinden, in welchen das Bedürfniß einer jüdisch-religiösen und zugleich allseitig wissenschaftlichen BildungSanstalt nicht mehr eine offene Frage, sondern eine entschiedene Wahrheit ist, durch das leuchtende Beispiel der fast an den Grenzen deutscher Cultur gelegenen oberschlesischen Stadt Gleiwitz sich angespornt fühlen zu dem gleichen Beginnen, ihrer Jugend eine zum Gelehrten, wie zum geachteten, unterrichteten Kaufmanne oder intelligenten Techniker befähigende Bildung und dabei die Bewahrung des jüdisch religiösen Sinnes zu sichern. Es wäre dies — wir gestehen eS unumwunden — zugleich ein Act der Gerechtigkeit und der jüdischen Liebe gegen das allerdings geringe Häuflein israelitischer Gelehrter, die vor Jahren, alS man noch der schönen Aussicht auf eine judenfreundliebe Zukunft genoß, sich der Wissenschaft in die Arme warfen, und nun durch die Ungunst der Zeitverhältniffe sich zu einem kummervollen Leben ohne würdigen Wirkungskreis verurtheilt sehen. Wir geben gern zu, daß dieses Moment allein die Errichtung specifisch-jüvi-

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