Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 7 (8.2.1858)
- Date
- 1858-02-08
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
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91 cher Beziehung. Das Verhältniß der Juden zum katholisch gewordenen Staate änderte sich "damit ebenfalls mit einem Male. Die 66cl68ia pressa verwandelte sich am Tage nach ihrem Siege sofort in eine ecclesia dominans. Wie die Reste des Heidenthums in den westgothischen Ländern, nach einem Synodalbeschluß des ersten allgemeinen Concils in Toledo (des dritten), von Geistlichen und Richtern ausgesucht und vertilgt werden sollten, so sollten auch die Juden, wenn auch nicht ausgerottet, doch in eine niedrige Stellung verwiesen werden. „Auf Veranlassung des Concils befahl König Reccared, daß die Juden weder christliche Frauen oder Concubinen haben, noch christliche Sclaven erwerben dürfen. Die aus einer Mischehe gebornen Kinder sollen gegen den Witten der Eltern ihnen entzogen und getauft werden. Die Juden sollen aber auch kein öffentliches Amt bekleiden, wodurch ihnen die Macht zustände, Christen zu bestrafen" (589). Das erste Wort des westgothischen Katholicismus an die Juden war zwar nicht sehr freundlich, aber im Vergleich mit der Behandlung in späterer Zeit und im Verhältnisse zu der tiefherabgedrückten Lage der Juden im byzantinischen Reiche, ist das Verhalten noch immer milde zu nennen. Die spanischen Juden wurden durch dieses Gesetz zwar an ihrer Ehre gekränkt und in ihrem Besitzstände beeinträchtigt, aber sie waren frei in ihrem Cultus. Sie gaben sich Mühe, das Gesetz rückgängig zu machen und boten in diesem Sinne dem König Reecared eine bedeutende Summe an. Reccared Unverstand der Versuchung und wurde dafür vom Papste Gregor I. in einem Sendschreiben (vom August 599) über die Maßen gelobt und mit dem König David gleichgestellt. Ob das Reccared'sche Gesetz gegen die Juden dem westgothischen Codex einverleibt worden ist, kann erst später erörtert werden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover, 22. Januar. lPrivatmitth.) Seit einiger Zeit weilt hier ein jüdischer Reisender, Namens I. I. Benjamin, aus Fottischan in der Moldau, welcher in den Jahren 1846 — 51 einzelne Thcile Asiens bis zur chinesischen Grenze durchstreift hat und sich mit Beziehung auf den berühmten Reisenden Benjamin von Tuoela im 12. Jahrhundert, Benjamin II. nennt. 'Derselbe hat schon im Jahre 1856 einen Bericht über seine Reise in französischer Sprache unter dem Titel Cinq ann6es de voyage en Orient veröffentlicht , über welchen sich bereits Jost in diesen Blättern (Jahrg. 1856 No. 30. u. 37.) ausgesprochen hat. Eine zweite Reise hat der genannte Tourist im Jahre 1852 durch einen Theil der europäischen Türkei über Italien nach Afrika unternommen, wo er Aegypten und die ganze Barbareskenküste mit Einschluß Marokkos besuchte und beabsichtigt derselbe, hier einen Bericht über seine Reisen in deutscher Sprache erscheinen zu lassen, von welchem wir, da uns daS erwähnte französische Werk niemals zu Augen gekommen ist, nicht wissen, in welchem Verhältnisse es zu demselben steht und ob eS, da eS sich zumeist über seine- Reisen in Asien verbreitet, eine bloße Umarbeitung jenes ist oder neue Angaben enthält. Wir behalten uns vor, nach seinem Erscheinen ausführlicher über das Werk zu berichten. Herr Benjamin ist auch im Begriffe, eine dritte Reise nach Mittelasien, insbesondere nach Afghanistan, zu unternehmen und hoffen wir, daß, nachdem mehrere jüdische Gelehrte, wie S. Munk, Dr. Derenburg, Dr. Jost und Andere, ihn auf die Punkte aufmerksam gemacht haben, aus welche er sein Augenmerk insbesondere richten soll, ein etwa später erscheinender Bericht über diese dritte Reise für die Wissenschaft noch fruchtbringendere Mittheilungen enthalten werde. Ein wahres Verdienst würde sich indeß Herr Benjamin um unsere Glaubensgenossen in Persien erworben haben, wenn er, wie er behauptet, an dem Acte der Humanität, der kurz nach dem Abschlüsse des Friedens zwischen England und Persien in dem letzteren Lande gegen die Juden geübt worden ist, indem dieselben bekanntlich mit den muhamedanischen Unterthancn deS Schah bürgerlich gleichgestellt wurden, einen wesentlichen Antheil hätte. Nach Erscheinen seines erwähnten französischen Werkes hat Herr Benjamin nämlich, wie er sagt, unter dem 12. Juni 1856 dem Sultan und — dem Kaiser von Frankreich, und als er im vorigen Jahre erfuhr, daß der persische Gesandte Feruk Khan den englische» Hof besuchen werde, am 22. Januar v. I. auch der Königin von England ein Eremplar desselben überreicht, indem er auf diejenigen Stellen hinwies, in denen die Unterdrückung der Juden und Christen in Kurdistan und Persien charakterisirt wird und die Bitte aussprach, daß die mächtigen Herrscher sich jener Unglück-