Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 7 (8.2.1858)
- Date
- 1858-02-08
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226101--16692-3245558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
89 nicht negirt werden, aber erwiesen ist eS keineswegs. Denn wo find außerhalb der kaukasischen Race sichere statistische Erhebungen, um die Beweise zu liefern? Denn Niemand wird, wenn selbst bei den Negersclaven in Amerika eine größere Sterblichkeit sich erweist, dies der Raceanlage zuschreiben dürfen, und nicht vielmehr der Lebensart und Behandlung, der jene unterworfen werden. Raceverschiedenheit könnte hier nur erst sicher als Causalmoment angenommen werden, wenn alle anderen,Bedingungen dieselben wären, da z. B. schon die klimatischen Verhältnisse nicht blos bei den Einwanderern, wie z. B. bei den Europäern in Indien, sondern auch bei den Eingeborenen, wie bekanntlich bei den südlichen Völkern ein sehr frühes Alter eintritt, außerordentlich mitsprechen. Der geistreiche Verfasser selbst weiset auf ganz andere ursächliche Momente hin. In der Einleitung erhärtet er, daß die hygienischen (gesundheitlichen) Verhältnisse eines Volkes von seiner Civilisation, von seinem gesunden staatlichen Leben, besonders aber von seiner Sittlichkeit und auch von seiner Religion abhängt; daß man daher umgekehrt von den erwiesenen hygienischen Verhältnissen einer Nation auf die Tüchtigkeit ihrer Nationalität, auf die Höhe ihrer Sittlichkeit und auf die Erhabenheit ihrer Religion zurückschließen könne. Er widmet einen langen Artikel der Erwägung, wie großen Einfluß das sittlichreligiöse Leben auf den gesundheitlichen Zustand eines Volkes und jedes einzelnen Menschen habe. Er thut dies, obschon er von allem Pietismus weit entfernt und durch und durch Rationalist ist. Wir acceptiren die Ansichten des Verfassers über diese Punkte vollständig; gestatten uns dann aber auch von seinen Grundsätzen aus einen Rückschluß auf die Tüchtigkeit des jüdischen Stammes, auf dessen sittliches Leben, auf dessen Religion. Man braucht in der That für die geringere Zahl der tovtgeborenen Kinder, für die geringere Sterblichkeit und die höhere Lebensdauer bei den Juden nicht lange und auf hypothetischem Wege nach den Ursachen zu suchen. In allen civilisirten Staaten ist das eheliche Leben bei den Juden als ein außerordentlich sittliches anerkannt, und wenn dies eines Beweises bedürfte, läge dieser in der unverhältnißmäßig geringen Zahl von Ehescheidungen offenbar. Rechnet man hierzu das außerordentlich günstige Verhältniß der unehelichen Geburten zu den ehelichen bei den Juden, so ist das Räthsel für die geringere Zahl der todtgeborenen Kinder und die größere der männlichen Geburten hinlänglich gelöst. Nicht minder anerkannt ist die Mäßigkeit und das sittliche Wohlverhalten der Juden; zu den höchsten Seltenheiten gehört es, daß ein Jude ein Kapitalverbrechen begeht, zu den größten Seltenheiten ein Trunkenbold u. s. w., und daß hierin eines der hauptsächlichsten Causalmomente für die geringere Sterblichkeit liegt, ergiebt sich von selbst. Verbinden wir hiermit, daß die Juden in der Regel durch ihre Sparsamkeit Etwas für das höhere Lebensalter zurücklegen, daß eine innige Kindesliebe die alten Eltern mit besonderer Fürsorge umgiebt, daß die jüdische Gemeinde seit Alters her für ihre Armen, Kranken und Greise vielfach sorgt, und auch die höhere Lebensdauer wird uns nicht schwer zu erklären sein. Fragen wir uns aber, von wannen bei den Juden trotz ihres an sich lebhafteren Temperamentes diese Mäßigkeit und Sittlichkeit komme, so mag man immerhin auch ihre frühere Abgeschlossenheit von der übrigen Welt betonen, die Hauptursache wird man in ihrer Religion, insonders in deren praktischem Theile, im Ceremonialgesetze finden müssen. Wir heben hier die Speisegesetze und die Reinigkeitsgesetze hervor. Durch die Uebung derselben von Kindesbeinen an gewann der Jude eine solch'hohe Selbstbeherrschung, daß diese alle Affecte seiner Seele zu einem regelmäßigen Verlaufe Herabdrücken mußte. Trotzdem, daß das ganze Leben des Juden von einem asketischen Gewebe durchwirkt war, hatte diese Askese doch durchaus keinen finstern, abstumpfenden, verdüsternden Charakter, sondern diente vielmehr das häusliche und Familienleben zu verschönern, die Seele mit ruhigem Bewußtsein zu füllen und ihr sanfte Freuden zu gewähren, welche von unsittlichen Leidenschaften um so mehr entfernten. Immer gewohnt, unsre Meinung offen auszusprechen, können wir daher unsere Befürchtung nicht unterdrücken, daß mir der aufgegebenen Uebung jener Gesetze auch viele jener uralten Tugenden des jüdischen Stammes schwinden, und seihe hygienischen Vorzüge abnehmen werden. Literarischer Wochenbericht. Berlin, im Januar. Die rühmlich bekannte Buchhandlung Asher u. Comp, giebt vom l. April d. I. an unter der Redaction des Herrn Steinschneider ein jährlich in 6 Nummern zu 16—24 Seiten erscheinendes Blatt heraus: ‘TDTttn, hebräische Bibliographie, welches die Förderung der Bücherkennmiß, die Literatur des Judenthums betreffend zum Zwecke hat. Der Inhalt wird in folgender Weise angegeben: I. Gegenwart: 1. Bücher und Flugschriften.