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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-02-08 · Heft 7 (8.2.1858) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 7 (8.2.1858)
Date
1858-02-08
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 Einige statistische Bemerkungen und einige Betrachtungen dazu. Vor uns liegt ein allseits gerühmtes, bereits in zweiter Auflage erschienenes Werk: „Handbuch der Hygiene (Gesundheitslehre), der privaten und öffentlichen, von vr. meä. Fr. Oesterlen, Tübingen 1857." In demselben finden wir in der Statistik hygienischer Verhältnisse auch staritische Notizen über die Juden, die zwar schon öfters hervorgehobene Beobachtungen abermals bestätigen, jedoch hier zusammengestellt und von einigen Betrachtungen begleitet werden sollen. Was die Lebensdauer der verschiedenen Alteröclassen betrifft, so hat sich als eine 3 priori höchst unerwartete Thatsache herausgestellt, daß die Sterblichkeit im früheren Kmdesalter bei weitem am größten ist, größer sogar als im höchsten Greisenalter. Es ist die Zahl der todtgeborenen Kinder um so größer, je ungesunder die Lebensweise der Eltern, je schlimmer es mit ihrer Gesundheit, sogar mit ihrer Sittlichkeit bestellt ist. Die Erfahrung lehrt so, daß unter unehelichen Kindern, bei Kindern syphilitischer Eltern, desgleichen in armen Quartieren, Strafanstalten eine größere Procentzahl tovt auf die Welt kommt, als unter andern günstigen Verhältnissen. In Preußen z. B. wird auf 25 - 26 eheliche Kinder und auf 14—16 uneheliche eines todt geboren; in Berlin, Breslau kommen von den in der Ehe Geborenen 5°/o, von unehelichen 8°/'o todt zur Welt; auf dem Lande von ehelichen nur 23/4, von unehelichen A2/z °/o, und bei Israeliten gleichfalls nur 2°/o. Die Zahl der weiblichen Geburten soll nach Manchen in der Levante bei mohamedanischen und andern in Polygamie lebenden Völkerschaften allerdings relativ größer sein, denn ano.rsn 0, und so die Polygamie gleichsam sich selber sein flauen. Mit größerer Sicherheit ist der umgekehrte Sacrverl'alt bei den Israeliten auch in unfern Klimaten. *. B. in einigen deutschen Ländern, in Italien nachgewieftn. Es kommen hier auf 100 Mädchen 110, selbst 120 Knaben, bei den christlichen Bewohnern derselben Orte blos 104— 106 iHeffmann). Manche statistische Untersuchungen scheinen darzuthun, daß mit einer Verschiedenheit der Nationalität und Race auch die Zahl der Geburten, die Lebensdauer, der Grad der Sterblichkeit immer wieder anders außfallen. Es scheint zwar für alle Völker und Nacen ein Alter von 90—100 Jahren als die normale Lebensdauer gelten zu können; denn unter allen Nacen und Völkerschaften der alten wie der neuen Welt kennt man Beispiele genug, wo einzelne Personen das höchste, überhaupt mögliche Alter von 100 Jahren und darüber erreicht haben (Prichard), auch bei Negern, und Humboldt erwähnt eines Peruaners, der sogar 143 Jahre soll alt geworden sein. Andrerseits scheint nicht minder gewiß, daß jene Lebenslange bei keiner Race von so vielen Personen erreicht wird, als bei der kaukafischen und daß somit die Völker dieser Race, zumal in Europa, auch hierin in entschiedenem Vortheile sind. Eine ganz ercepnonelle Stellung nehmen hier wieder die Juden ein. Die Zahl ihrer Ehen ist kleiner und diese sind im Durchschnitt weniger fruchtbar als bei Christen; die Sterblichkeit im kindlichen Alter ist geringer und überhaupt lebt der Jude im Durchschnitt länger als der Christ. In Frankfurt z. B. ist die mittlere Lebensdauer der christlichen Bevölkerung 37, der jüdischen fast 49 Jahre; und während von jener nur 24 0/0 das 60. Jahr, 3 7/to °/o daS 80. Jahr erreichen, werden 44 °/o der jüdischen Bevölkerung 60 und 6-'/io °/o 80 Jahre alt. Dasselbe Verhältniß findet sich unter den verschiedensten Himmelsstrichen. Der Angabe Bondins zufolge starben im Jahre 1844/*5 unter der europäischen Bevölkerung Algeriens 49 — 50 von 1000, von Muselmännern dagegen blos 32—33, und von Israeliten, nach einer Durchschnittsberechnung von 10 Jahren, sogar blos 27—28." — Wir sehen also hier die jüdischen Stammesgenoffen sowohl hinsichtlich der Todtgeborenen, als auch der männlichen Geburten, sowohl hinsichtlich der Sterblichkeit überhaupt, als auch der Erreichung eines höheren Lebensalters in entschiedenem Vortheile, und jene, früher so oft vorgebrachte Meinung, die Juden seien ein verkümmerter, verlebter Stamm, der nur durch Kreuzung der Race erfrischt werden könne, erweiset sich demnach als völlig grundlos, als eine jener Beschimpfungen, die man auf uns zu häufen liebt. Denn es ist ein von den Physiologen mit Bestimmtheit ausgesprochener Grundsatz, daß die größere Zahl der männlichen Geburten eine größere Lebensenergie erweist, wie denn z. V. bei Epidemien, öffentlichem Unglück u. s. w. die Zahl der weiblichen Geburten die der männlichen übersteigt. Also schon der Umstand, daß bei den Juden eine bedeutend größere Zahl Knaben geboren wird, deutet jenem Grundsatz gemäß auf eine höhere Lebenspotenz. Der Verfasser will, einer vor Kurzem aufgetauchten Ansicht nach, die verschiedene Lebensdauer und die Lebensfähigkeit der neugeborenen Kinder in genetischen Anlagen der Racen begründet finden. A priori kann dies

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